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"Schian!" - Herbert Pixner Projekt pausiert den Krisenmodus

03. Aug. 2022 · Lesedauer 4 min

Es ist nicht alles "schian" auf der Welt. Hört man dem Pixner Projekt auf seinem gleichnamigen Album zu, darf der Krisenmodus schon einmal pausieren. In bewährter Manier hat das Ensemble rund um den Südtiroler Multiinstrumentalisten eine luftige Collage erstellt, die alpenländische Folklore mit anderen Sounds dieser Welt verschmilzt. Erstmals dabei im Klangfarbtopf ist ein Klavier. Das könnte sich fix zur gewohnten Besetzung gesellen, wie Pixner im APA-Interview andachte.

Nach dem Studioalbum Lost Elysion (2018) und den zwei Alben mit großem Symphonieorchester Symphonic Alps Live (2020) und Symphonic Alps plugged in (2021) haben sich Herbert Pixner (Akkordeon, Saxofon, Flügelhorn, Trompete, Perkussion), Manuel Randi (Gitarren, Mandoline), Heidi Pixner (Harfe) und Werner Unterlercher (Bass) wieder ins Studio begeben und zwölf neue Stücke eingespielt. Erstmals im Laufe des 17-jährigen Bestehens der Band wurde die komplette Produktion in Pixners eigenem Home Studio realisiert. Das habe auch den Vorteil des analogen Equipments, auf das der Musiker setzt.

"Eigentlich war es für mich letztes Jahr schon klar, falls ich mich wieder an den Schreibtisch setze, dann wird das Album 'schian' heißen", erzählt Pixner. Nach dem Konzeptalbum "Elysion", das die Fangemeinde etwas gespalten hatte, wollte der vielseitige Musiker wieder einen Schritt zurück machen und einen Querschnitt aus den vergangenen Jahren präsentieren. Dementsprechend finden sich auf "Schian!" nicht nur subtil eingesetzte alpenländische Klänge, sondern auch wieder Flamenco, Gipsy Jazz, Tango, Reggae, Blues und etliches mehr.

Vor den Aufnahmen hatte Pixner aber auch noch mit einer ganz persönlichen Krise zu kämpfen. "2020 war kein schönes Jahr", zeigt auch er sich als Künstler, der von der Coronakrise arg gebeutelt worden ist, vor allem durch viele abgesagte Konzerte. "Ich habe dann ein Jahr wirklich kein Instrument angegriffen. Ich habe keine Motivation gehabt, irgendetwas zu machen", erzählt Pixner. Erst im Februar dieses Jahres begann er - tags und nachts - einen Monat lang Songs für dieses Album zu schreiben.

Corona war aber auch der heimliche Auslöser für eine andere Revolution beim Herbert Pixner Projekt. Denn ohne die familiär bedingte Quarantäne seines Gitarristen Manuel Randi einen Tag vor einem wichtigen Auftritt, hätte der Bandleader wohl auch nicht den Pianisten Alessandro Trebo angerufen, der kurzerhand die Parts auf dem Klavier live übernahm. Auf gleich mehreren Tracks ist er nun auch auf "Schian!" zu hören - und Pixner überlegt sich nun, die neue Klangfarbe beizuhalten und Trebo fix als Keyboarder zu integrieren.

Nach wie vor ist aber die alpenländische Folklore Epizentrum Prixners Schaffens. Dass diese Art von Musik nach wie vor mit Imageproblemen zu kämpfen hat, liegt für den Volksmusikforscher einerseits an der NS-Zeit, als Volksmusik als explizit germanisch propagiert wurde. Andererseits wurde vor allem ab den 1950ern die Musik auch touristisch vermarktet, "wo jeder Bauernbursch verhaftet wurde, einen Heimatabend zu gestalten". Entstanden ist daraus die Branche der Volkstümlichen Musik samt Schlager. Das alles auf Kosten der ursprünglichen traditionellen Kantigkeit und Ungeschliffenheit.

Eine Art Gegenbewegung entwickelte sich dann in den frühen 1980er-Jahre, berichtet Prixner, der selbst weiterhin akribischer Volksmusikforscher ist. Acts wie Broadlahn und Attwenger mischten die Szene auf, Hubert von Goisern machte diesen Anfang wenig später hitparadentauglich. Selbst war Prixner zu Beginn seiner Karriere noch Anfeindungen sogenannter Puristen ausgesetzt. So erhielt er Drohbriefe mit Inhalten wie: "Wehe, du spielst mir solche Stücke vor Publikum, du Volksmusik-Verschandler!" und "Was fällt dir ein, die Tradition zu beschmutzen!", erinnert er sich.

Wie sich die Zeiten geändert haben zeigt, dass das Herbert Prixner Projekt nach wie vor gefragt ist - obwohl sich die Pandemie auch auf die Ticketverkäufe ausgewirkt hat. So habe jeder noch "fünf bis sechs Tickets am Kühlschrank kleben, die er noch nachholen muss". Darum bringe es für viele wenig, noch ein weiteres zu kaufen. Dennoch steht für 2023 eine Tournee an, 2025 außerdem das 20-Jahre-Jubiläum der Band. Die Schaffenskrise ist also endgültig beendet: "Wir haben viele Pläne."

Bleibt nur noch die Frage offen, ob "Schian!" irgendwann auch mal "Schiach!" folgen wird. Ja, die Frage sei schon aufgetaucht, berichtet Pixner. Er kann sich aber viel lieber den Titel "Znicht!" - er bezeichnet einen wirklich unguten Menschen - vorstellen, denn "das ist noch viel schiacher als schiach".

Quelle: Agenturen