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Schauspielhaus Wien-Ensemble sagt mit "The Very End" Adieu

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Wie endet ein Theaterstück, wie die Welt? Diese beiden Fragen umkreist das Ensemble des Schauspielhauses Wien in der Abschiedsinszenierung von Tomas Schweigen, die unter dem Titel "The Very End Of It All And Everything" am Dienstagabend Premiere feierte und noch heute und morgen zu erleben ist. Es ist eine Weiterschreibung von "The End Of It All", mit dem man sich vor etwas mehr als einem Jahr vom "Schauspielhaus-Hotel" verabschiedet hatte. Nun sagt man Adieu zum Haus selbst.

Gespielt wird im schon halb abgebauten Bühnenbild der gerade abgespielten "Dramolette zum Alleinesein". Das Ende der Direktion Schweigen ist schon in der ersten Szene greifbar, wenn der Beleuchter lustlos hinter dem Mischpult sitzt und mit seinem Handy spielt, während Sebastian Schindegger im orange-grünen Trainingsanzug verzweifelt versucht, am Bühnenrand auf sich aufmerksam zu machen, um endlich mit dem Stück anfangen zu können. Doch wenn der Beleuchter an die Scheinwerfer geht, wer bedient dann das Mischpult? Das muss dann wohl jemand aus dem Publikum sein, der den Startknopf drückt, um Schindegger einen würdigen Auftritt zum Applaus aus der Dose zu geben ...

Für seine finale Show hat der Schauspieler ein paar Musikstücke komponiert. Blöd nur, dass das E-Piano keinen Ton von sich gibt und Schindegger den restlichen Abend damit verbringen wird, das andere Ende des angesteckten Kabels zu finden. Im Laufe der folgenden rund 80 Minuten bekommt er aber dann doch noch Gesellschaft. Vera von Gunten möchte sich eigentlich nur von ihrem Kollegen verabschieden, Jesse Inman tritt mit einem (mehrfach unterbrochenen) Monolog über wissenschaftliche Szenarien eines Weltuntergangs auf und Sophia Löffler kommt überhaupt vom Ende des Stücks, das sie bereits halb gespielt hat und sich auf den Anfang zubewegt. Allerdings weigert sie sich, dem immer verlorener wirkenden Schindegger zu verraten, wie es ausgeht. Zu spät zur Party erscheinen schließlich Til Schindler und Clara Liepsch, die in futuristischen Artisten-Kostümen irgendeine Einlage mit Trapez geplant hatten und jetzt etwas unbeholfen dastehen.

Es ist ein freundliches Chaos, ein liebenswerter Versuch über das Beenden von etwas Großem, dem vielleicht ein neuer Anfang innewohnen könnte. Irgendwann wird klar: Ein Schlusspunkt muss nicht immer mit einem Höhepunkt einher gehen. Weil irgendwie geht es auch danach weiter. Für die Schauspielerinnen und Schauspieler wohl an dem einen oder anderen Haus - Schindegger etwa wechselt unter der neuen Direktion von Andrea Vilter ans Schauspielhaus Graz. Und Tomas Schweigen will sich, wie er zuletzt im APA-Interview sagte, nicht gleich ins nächste Direktionsabenteuer stürzen, sondern nach Ende der Saison wieder einmal "Luft reinlassen" und sich um lange geplante eigene künstlerische Projekte kümmern.

(S E R V I C E - "The Very End Of It All And Everything" im Schauspielhaus Wien. Regie: Tomas Schweigen und Ensemble. Mit Simon Bauer, Vera von Gunten, Jesse Inman, Clara Liepsch, Sophia Löffler, Sebastian Schindegger und Til Schindler. Bühne: Stephan Weber in einem schon halb abgebauten Bühnenbild von Jost von Harleßem, Kostüme: Giovanna Bolliger, Musik: Dominik Mayr. Weitere Termine: 24. und 25. Mai. www.schauspielhaus.at)

ribbon Zusammenfassung
  • Wie endet ein Theaterstück, wie die Welt?
  • Diese beiden Fragen umkreist das Ensemble des Schauspielhauses Wien in der Abschiedsinszenierung von Tomas Schweigen, die unter dem Titel "The Very End Of It All And Everything" am Dienstagabend Premiere feierte und noch heute und morgen zu erleben ist.
  • Gespielt wird im schon halb abgebauten Bühnenbild der gerade abgespielten "Dramolette zum Alleinesein".

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