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Nicolas Mahler zeichnet "Thomas Bernhards Salzburg"

12. Juli 2022 · Lesedauer 3 min

"Einen Besuch führe ich sehr gern dreiviertel Stunden durch Salzburg, aber mir reicht's dann." Dieses Zitat aus einem Interview mit Thomas Bernhard steht zu Beginn einer neuen Publikation, die bestens geeignet ist, auf die kommenden Festspielwochen einzustimmen. Nicolas Mahler, durch viele Bücher als Spezialist für den berühmten Autor ausgewiesen, hat "Thomas Bernhards Salzburg" zeichnerisch festgehalten, oder besser gesagt: den Autor auf einem Gang durch die Stadt begleitet.

Angeregt habe diese Auseinandersetzung das Salzburg Museum, das für die im Februar eröffnete Neukonzeption der Dauerausstellung "Salzburg einzigartig - Geschichte(n) aus Stadt und Land" nach ungewöhnlichen Zugängen gesucht hat, schreibt dessen Direktor Martin Hochleitner in einem Epilog. Neun der 33 nach einem Studienaufenthalt vor einem Jahr entstandenen und im Buch abgebildeten Zeichnungen sind im Museum ausgestellt. Dort findet am 21. Juli auch die Präsentation des Buches statt.

Der Spaziergang beginnt am Klausentor, führt auf den Mönchsberg, durch den Festspielbezirk, vorbei an Landestheater und Mozarteum ins Café Bazar und hinaus in die Scherzhauserfeldsiedlung, wo sich der "Keller" seiner kaufmännischen Lehre befand, ins offene Feld und endet an Thomas Bernhards Vierkanter in Ohlsdorf. Nicolas Mahler begleitet seine aus früheren Büchern (zuletzt: "Thomas Bernhard. Die unkorrekte Biografie"), bereits bestens eingeführte großnasige Autorenfigur auf einem Spaziergang und fügt den einzelnen Stationen etliche Zitate bei, mit denen die viel beschworene Hassliebe des Autors zu jener Stadt, die ihn am stärksten geprägt hat, unterstrichen wird. Etwa: "Salzburg ist eine perfide Fassade, auf welche die Welt ununterbrochen ihre Verlogenheit malt und hinter der das (oder der) Schöpferische verkümmern und verkommen und absterben muß."

Manfred Mittermayer, Thomas-Bernhard-Experte und Leiter des Literaturarchivs Salzburg, vertieft das Ganze mit einem Nachwort, das Stadtchronik und Autorenbiografie vereint und auch auf die tiefen Eindrücke verweist, die das Bombardement Salzburgs 1944, mit Tod und Zerstörung sowie die unmittelbare Nachkriegszeit, als Salzburg von Flüchtlingen überfüllt war, in dem jungen Mann hinterlassen haben.

Mahlers Bernhard ist ein zeitloser Wanderer, in der Gstättengasse scheint noch das flammende Inferno der einstigen Bombenangriffe präsent zu sein, aber er wandert auch durch die "Thomas-Bernhard Straße" in Lehen, die 1996 am Rand der Scherzhauserfeldsiedlung nach ihm benannt wurde - "allerdings erst nachdem (in einem anderen Stadtteil) ein erster Versuch, nach dem Autor eine Straße zu benennen, am Widerstand der Anwohner gescheitert war", wie Mittermayer anmerkt.

Ab kommender Woche bestimmen die Festspiele wieder das Geschehen der Stadt. Auch zu ihnen finden sich einige Bosheiten Bernhards in dem Buch. Etwa: "Im Sommer wird unter dem Namen Salzburger Festspiele in dieser Stadt Universalität geheuchelt und das Mittel der sogenannten Weltkunst ist nur ein Mittel, über diesen Ungeist als Perversität wegzutäuschen, wie alles in den Sommern hier nur ein Wegtäuschen und ein Wegheucheln und ein Wegmusizieren und Wegspielen ist..." Doch 33 Jahre nach Thomas Bernhards Tod hat sich längst die Haltung durchgesetzt: Besser von seinem Grant geadelt als von ihm ignoriert.

(S E R V I C E - "Thomas Bernhards Salzburg", gezeichnet von Nicolas Mahler, mit einem Nachwort von Manfred Mittermayer, Residenz Verlag, 96 Seiten, 15 Euro, Buchpräsentation am 21. Juli, 18.30 Uhr, im Salzburg Museum, Neue Residenz, Mozartplatz 1)

Quelle: Agenturen