APA - Austria Presse Agentur

Schau über Helmut Newton in Berlin

29. Okt 2021 · Lesedauer 2 min

Mit einer umfassenden Werkschau feiert die Berliner Helmut Newton Stiftung den 100. Geburtstag des Fotografen. Coronabedingt ein Jahr verzögert zeigt die Ausstellung "Helmut Newton. Legacy" vom 31. Oktober, dem Geburtstag Newtons (1920-2004), bis zum 22. Mai rund 300 Werke aus sechs Jahrzehnten im Museum für Fotografie.

Etwa die Hälfte der Fotos aus dem rund eine halbe Million belichtete Bilder umfassenden Bestand werden zum ersten Mal gezeigt. Matthias Harder, Direktor und Kurator der Stiftung, will mit der Retrospektive Newton als "kontroverse Figur, die bis heute fasziniert und provoziert", zeigen.

Der in Berlin als Helmut Neustädter in jüdischer Familie geborene Newton verließ 1938 das nationalsozialistische Deutschland. Später kehrte er immer wieder zurück in seine Heimatstadt, auch für Fotoserien. 2003 vermachte er der Stiftung Preußischer Kulturbesitz sein Werk, die Newton Stiftung bespielt damit das Fotomuseum.

"Legacy" zeigt die Entwicklung des Fotografen chronologisch in der ganzen Bandbreite. Schon in den frühen Arbeiten gehen Realität und Illusion zusammen. In den 50er-Jahren beginnt die Zusammenarbeit mit der "Vogue", seine Modefotografie dort und in anderen Magazinen wird lange Jahre prägenden Einfluss haben. Schon früh arbeitet er etwa mit dem, was inzwischen als Storytelling medialer Alltag ist. Seine Fotografien erzählen einzeln in sich oder in kleinen Serien ganze Geschichten.

Newton entwickelte seine spezielle Ästhetik zu unverkennbarer Originalität. Viele Arbeiten und Porträts drehen sich um die Welt von Geldadel, Jetset, Glamour und Schmuck. Sich selbst bezeichnete der Fotograf als "professionellen Voyeur". Seine oft als nur Objekte kritisierten Motive sind aber eben auch Handelnde. Newton dazu: "Ich fotografiere gern Frauen, denen man ansieht, dass sie etwas vom Leben wissen." Die von Newton dargestellte Sexualität etwa wirkt schon in sehr frühen Jahren von den Frauen selbstbestimmt.

Vor allem seine Aktfotografien verschaffen Newton viele Kritiker, nicht nur bei feministischen Gruppierungen. Am bekanntesten sind wohl die "Big Nudes", Aufnahmen überlebensgroßer Frauen in martialischer Nacktheit. Sie gelten als fotografische Ikonen, ebenso bewundert wie umstritten. Die Ausstellung präsentiert auch Newtons Varianten, in denen er Frauen in identischer Pose nackt wie auch mit aktueller Mode fotografierte. Die Parallelität lässt die Frage offen, ob sich die Dargestellten von der einen zur anderen Aufnahme aus- oder angezogen haben.

Ein extra Raum ist Arbeiten von Alice Springs vorbehalten. Unter diesem Pseudonym fotografierte June Newton, sie und Helmut waren seit ihrer Heirat 1948 privat wie beruflich unzertrennlich.

Quelle: Agenturen