Saniertes Architekturjuwel Villa Beer eröffnet am 8. März
"Unser wichtigstes Anliegen ist es, das Haus mit Leben zu erfüllen und es ja nicht zu musealisieren. Daher greift der immer wieder verwendete Begriff Hausmuseum zu kurz", sagte Lothar Trierenberg, Geschäftsführer der Villa Beer Foundation, am Montag bei einer ersten Besichtigung für die Medien. An vielen Details in dem um einen unterirdischen Archivraum erweiterten Architekturjuwel wird noch gearbeitet, aber der Zauber des Gebäudes, das nicht mit Möbeln vollgestopft wird, sondern sich mit gewollten Leerräumen eher wie für potenzielle Käufer präsentiert, entfaltet sich bereits jetzt. Am 8. März startet man mit einem Open House, das reguläre Programm mit Zeitfensterkarten für das eigenständige Entdecken und geführten Rundgängen beginnt am 11. März.
Ohne Trierenberg würde die Villa wohl entweder weiter leer stehen, wie in den vergangenen Jahren, oder in unterschiedliche Wohneinheiten geteilt sein, wie in den Jahrzehnten zuvor. Dank Trierenberg, der nicht nur als einstiger Gründer und Geschäftsführer der Kaffeehaus-Möbelgalerie "das möbel" über entsprechende Fachkenntnis im Architektur- und Innenarchitekturbereich verfügt, sondern als Mitglied einer oberösterreichischen Papierindustriellenfamilie auch über entsprechende finanziellen Ressourcen, ist das denkmalgeschützte Haus in den vergangenen eineinhalb Jahren in einen weitgehenden Originalzustand versetzt worden, an dem sich auch die Auftraggeber Julius und Margarethe Beer nicht lange erfreuen konnten.
Nach beruflichen Rückschlägen verlor Beer Anfang der 1930er-Jahre seine Stellung und seine Firmenanteile. Es stellte sich heraus, dass man sich mit dem großzügigen Bauauftrag übernommen hatte. Ab 1932 musste das Haus immer wieder vermietet werden, um die Kreditraten zu bedienen. Zu den prominenten Mietern zählten die Sänger Richard Tauber, Jan Kiepura, Martha Eggerth und deren Sekretär Marcel Prawy. Josef Frank emigrierte bereits 1934 mit seiner Frau nach Schweden, wo er für die Firma Svenskt Tenn arbeitete, nach dem "Anschluss" mussten auch sein Büropartner Oskar sowie die Familie Beer fliehen. Die Tochter Elisabeth, der die USA aufgrund einer Gehbehinderung ein Visum verweigerten, wurde 1941 in Maly Trostinez ermordet. Das Schicksal der jüdischen Bauherrenfamilie soll ebenso wie das Werk von Josef Frank (1885-1967) im Zentrum von Führungen und Veranstaltungen stehen.
Gemeinnützige GmbH sichert den Betrieb dauerhaft
Er habe eher zufällig vor fünf Jahren das Haus entdeckt, das zu Verkauf stand, erzählte Trierenberg. Aus dem Zufall wurde ein Glücksfall, denn sowohl die Kaufsumme von 5 Mio. Euro, als auch die doppelte Summe, die für die Sanierung, bei der alle späteren Einbauten wieder entfernt wurden, aufzubringen war, stellte den neuen Eigentümer vor keine unlösbaren Aufgaben. Die Stadt Wien beteiligte sich über den Altstadterhaltungsfonds mit 500.000 Euro und stellt für den Betrieb laut Presseunterlagen weitere 200.000 Euro zur Verfügung, das Bundesdenkmalamt schoss rund 200.000 Euro zu. Die Villa Beer Foundation sei als gemeinnützige GmbH auf Langfristigkeit eingerichtet, erläuterte Trierenberg, die Höhe der Gelder, die man künftig durch Eintritte, Raum-Vermietungen oder die drei unter dem Dach mit modernen Möbeln der Firma Svenskt Tenn im Frank-Design eingerichteten Gästezimmern lukrieren wird, scheinen also nicht wirklich ins Gewicht zu fallen.
Die schmucken Gästezimmer sollen primär Teilnehmer an einem einzurichtenden Artist- und Research-in-Residence-Programm zur Verfügung stehen. Diese können dann nicht nur die von Architekt Christian Prasser und seinem Team penibel wiederhergestellten Räume und den von Maria Auböck rekonstruierten großen Garten benutzen, sondern auch ein Archiv, für das Depot-, Arbeits- und Vortragsräume geschaffen wurden. Mit einem Ankauf eines in den Nachlass von Johannes Spalt gelangten Werkkonvolutes von Josef Frank habe man einen Grundstein legen können, den man in Zukunft zu erweitern hofft, so Trierenberg.
Musiksalon und Teeraum als Herzkammer
Bei einem ersten Rundgang durch das Haus bestechen die labyrinthartige Raumanordnung auf unzähligen Etagen (zu rund 650 Quadratmeter Nutzfläche über dem Erdboden kommt noch einmal etwa die Hälfte in mehreren Kellergeschossen), bei der ein eckiger Erker eine luftige Sicht in den Garten ermöglicht und ein Bösendorfer-Flügel im Zwischengeschoss des geschwungenen, großzügigen Stiegenhauses samt angrenzendem Teeraum mit rundem Bullaugenfenster die Herzkammer des Hauses bildet. Augenfällig ist die liebevolle Rekonstruktion vieler Details und das fröhliche Design der Vorhänge, die so in den 1930ern wohl noch nicht hier gehangen sind, da sie auf spätere Entwürfe von Josef Frank zurückgehen. Künftige Gäste sollen sich hier wohlfühlen und nicht in Ehrfurcht erstarren, gab Lothar Trierenberg eine Parole aus, die tatsächlich nur wenig an ein Museum erinnert: "Berühren erlaubt!"
(S E R V I C E - Villa Beer, Wien 13, Wenzgasse 12, Open House am 8.3., 10-18 Uhr, www.villabeer.wien)
Zusammenfassung
- Die Villa Beer in Wien-Hietzing, ein architektonisches Juwel der zweiten Wiener Moderne, öffnet nach grundlegender Sanierung am 8. März 2024 erstmals für die Öffentlichkeit.
- Die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes kostete rund 10 Millionen Euro, wobei die Stadt Wien und das Bundesdenkmalamt insgesamt rund 900.000 Euro beitrugen.
- Lothar Trierenberg, Geschäftsführer der Villa Beer Foundation, ermöglichte die Rückführung des Hauses in den Originalzustand und setzt auf ein lebendiges Nutzungskonzept statt reiner Museumsausstellung.
- Neben Führungen und Zeitfensterkarten werden drei Gästezimmer für ein Artist- und Research-in-Residence-Programm sowie ein neu eingerichtetes Archiv angeboten.
- Das Schicksal der jüdischen Bauherrenfamilie Beer und das Werk von Josef Frank stehen im Mittelpunkt des Vermittlungsprogramms und der künftigen Veranstaltungen.
