Salman Rushdie bei "Literatur im Nebel" in Heidenreichstein
Wieder kein Nebel beim Festival: fast schon ein Running Gag, wie Moderatorin Andrea Schurian anmerkte. Zum Jubiläum überreichte Bürgermeisterin Alexandra Weber (SPÖ) eine Geburtstagstorte an die Festivalgründer Rudolf und Christine Scholten.
Bundespräsident Alexander Van der Bellen war erkrankt, seine Begrüßungsrede verlas Kabinettsdirektorin Andrea Mayer. Autoritäre Systeme hassen Geschichten und ihre Verfasser, so Van der Bellen, doch die Geschichten werden überleben. Machen wir uns genug für verfolgte Künstler stark? "Wir sind auf einem guten Weg", meinte der Bundespräsident optimistisch angesichts von Veranstaltungen wie "Literatur im Nebel".
Im ersten Teil des Abends lasen Dimitre Dinev, Raphaela Edelbauer, Natascha Gangl, Robert Menasse, Karin Peschka und Doron Rabinovici aus dem Buch "Knife. Gedanken nach einem Mordversuch", in dem Rushdie das 2022 auf ihn verübte Attentat verarbeitet. Anna Maschik, Bogdan Roscic und Franz Schuh brachten Texte Rushdies über Religion und Kunst zu Gehör.
Dann betrat Rushdie selbst die Bühne und zeigte sich im Gespräch mit dem ORF-Journalisten Peter Fässlacher geradezu gut gelaunt. Geduldig beantwortete er Fragen zum Attentat und seinem Umgang damit. Der 12. August sei für ihn kein "Anlass zum Feiern", doch sei er "lieber da als nicht da", meinte er lapidar. Wäre Rückzug eine Option gewesen? "Das wäre sehr langweilig!"
Dem Attentäter will er keine unnötige Aufmerksamkeit widmen. "Er ist im Gefängnis und ich bin in Heidenreichstein." Ignoranz und Bigotterie seien enge Verbündete, so Rushdie, der sich natürlich für die Freiheit der Rede und der Kunst einsetzt, aber kein Symbol sein will: "Ich stehe nicht mit einer Fackel am Hafen wie die Freiheitsstatue." Vielmehr will er in erster Linie weiterhin Geschichten erzählen. Nach dem Gespräch signierte Rushdie bereitwillig seine Bücher.
(S E R V I C E - Heidenreichstein, Literatur im Nebel, bis 23. März. Information: www.literaturimnebel.at)
Zusammenfassung
- Die 20. Ausgabe des Festivals "Literatur im Nebel" startete am Sonntagabend in der ausverkauften Margithalle in Heidenreichstein mit Salman Rushdie als Ehrengast und unter großen Sicherheitsvorkehrungen.
- Im Mittelpunkt stand Rushdies Buch "Knife. Gedanken nach einem Mordversuch", in dem er das Attentat von 2022 verarbeitet; mehrere Autorinnen und Autoren lasen daraus vor.
- Rushdie betonte im Gespräch, dass er kein Symbol sein wolle, sondern weiterhin Geschichten erzählen möchte, und zeigte sich trotz des Attentats gut gelaunt.
