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Sabrina Carpenter feiert mit "Man's Best Friend" Klischees

Heute, 04:01 · Lesedauer 3 min

Sabrina Carpenter hat es geschafft: Dank Megahits wie "Espresso" und "Please Please Please" zählt sie zu den größten Popstars der Welt. Ihren Ruf als Disney-Sternchen aus der Teenieserie "Das Leben und Riley" hat sie hinter sich gelassen, stattdessen spielt die 26-Jährige geschickt mit einem neuen Image der drallen Blondine, die an Hollywoods Glanzzeiten erinnert und die Aufmerksamkeit der Männer genießt, während sie den Frauen zuzwinkert: "Jungs sind so anstrengend, oder?"

"Man's Best Friend" heißt nun ihr neues Album - ein Spiel mit den Geschlechterstereotypen, denn wer oder was hier genau der beste Freund oder die beste Freundin des Mannes ist, bleibt offen. Für Aufsehen sorgte aber vor allem das im Juni veröffentlichte Cover. Carpenter kniet auf Händen und Füßen im schwarzen Minikleid, während die Hand eines kopflosen Männerkörpers im schwarzen Anzug an ihren blonden Haaren zerrt. Das Motiv könnte auch der Anfang einer Gewaltszene sein und es ist unklar, wie viel Ironie in dem Bild steckt – kein Wunder, dass schnell Kritik laut wurde, wonach Carpenter männliche Lustvorstellungen bediene und eben gerade nicht für die Ermächtigung von Frauen eintrete.

Kurz darauf legte sie nach und veröffentlichte ein weiteres Motiv, das sie stehend im schicken Kostüm und am Arm eines Mannes hängend zeigt. Es sei ein "neues, alternatives Cover, gutgeheißen von Gott", schrieb sie auf Instagram – und wieder war unklar, wie viel Koketterie und kalkulierter Skandal in der Aktion steckten.

Ironische Tracks mit vielen 70er-Anleihen

Auch musikalisch verbringt die Sängerin auf ihrem neuen Album viel Zeit mit diesem ironischen Zwinkern. Schon die erste Single-Auskopplung "Manchild" hatte mit den typischen Carpenter-Klischees gespielt: Warum nur gerät sie immer an die falschen und unreifen Typen, fragt sie sich zwischen Trauer und "Mir doch egal"-Attitüde, begleitet von luftig-leichten Keyboard-Riffs und einem Video-Clip im knapp bekleideten Blondinen-Look der späten 70er à la Farrah Fawcett. Überhaupt sind die 70er Jahre ein wichtiger Bezug: Da klingt immer wieder der Disco-Sound von ABBA und den Bee Gees durch.

Ohrwürmer mit charmanten Texten

Besonders virtuos wirkt die hauchende Stimme von Carpenter zwar noch immer nicht, aber die größten Stärken von "Man's Best Friend" liegen ohnehin in der Melodieführung und den Texten. Der Ohrwurmfaktor dieser extrem zugänglichen Melodien liegt noch höher als beim Vorgänger "Short n' Sweet".

Die Texte sind smart, witzig und von vielen Anspielungen durchsetzt. Carpenter hat dafür mit den Songwriters Jack Antonoff und Amy Allen gearbeitet, die auch schon für Taylor Swift, Lana Del Rey und Justin Bieber geschrieben haben.

Wer sich nach der Debatte um das Cover gefragt hat, ob Carpenter abdriftet, kann beruhigt sein. Auf "Man's Best Friend" ist definitiv immer noch eine Frau zu hören, die 38 Minuten lang den Jungs zeigt, wo es langgeht – und die dabei eine Menge Spaß bringt.

(Von Christian Fahrenbach/dpa)

Zusammenfassung
  • Sabrina Carpenter veröffentlicht mit 26 Jahren ihr neues Album "Man's Best Friend" und spielt darin ironisch mit Geschlechterklischees, was besonders durch das provokante Cover im Juni für Diskussionen sorgt.
  • Das 38-minütige Album ist musikalisch geprägt von 70er-Jahre-Disco-Elementen und smarten, witzigen Texten, die Carpenter gemeinsam mit renommierten Songwritern wie Jack Antonoff und Amy Allen entwickelt hat.
  • Trotz Kritik an der Inszenierung und Debatten über weibliche Stereotype bleibt Carpenter auf ihrem neuen Werk eine selbstbewusste Popkünstlerin, die mit Songs wie "Manchild" und eingängigen Melodien überzeugt.