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Rolando Villazón: "In Salzburg fängt mein Herz an zu tanzen"

17. Feb. 2022 · Lesedauer 6 min

Das Fest zu seinem 50. Geburtstag wird Tenor Rolando Villazón am 21. Februar in Salzburg ausrichten, wo er in der Stiftung Mozarteum als künstlerischer Leiter und Mozartwochen-Intendant engagiert ist. Der Galaabend mit vielen Stars im Haus für Mozart wird ein Benefizabend zugunsten der Stiftung. Im APA-Interview sprach er über seine Pläne als Künstler, den Geruch von Salzburg, seinen Gefallen an Indie-Rock und den Hunger nach Livekonzerten.

APA: Herr Villazón, wie kam es zum großen Geburtstagsfest in Salzburg?

Rolando Villazón: Es ist lustig, weil ich meinen Geburtstag normalerweise gar nicht mit Partys feiere, sondern nur mit meiner Frau, den Kindern und einem kleinen Kuchen. Als ich bei Annas (Netrebko, Anm.) Geburtstag in Moskau war, war es so festlich, es war eine so tolle Energie, und da war ich so verrückt zu sagen: Machen wir so etwas auch zu meinem 50er. Und hier in Salzburg gab es die Möglichkeit, ein besonderes Fest zu machen: nämlich ein Geschenk für die Stiftung Mozarteum.

APA: Hat der 50er eine besondere Bedeutung für Sie?

Villazón: Es ist ein normales Datum. Ich freue mich jedes Jahr, älter sein zu dürfen. Als junger Mensch habe ich geglaubt, wenn ich so alt bin, habe ich weiße Haare. Und voilà: Habe ich noch nicht. Aber wenn es so kommt, ist es wunderbar. Ich bin sehr zufrieden hier, wo ich jetzt stehe. Ich fühle mich jetzt als Mensch besser als mit 30 und bin zufrieden mit dem, was es gibt, und auch mit dem, was es nicht gibt. Und ich genieße es, als Vater zu meinen Kindern nicht mehr sagen zu müssen: Mach das, oder mach das nicht, sondern mit ihnen Gespräche auf einem anderen Niveau führen zu können. Und als Künstler ist das Streben nach Karriere weggefallen, heute gibt es für mich nur mehr die Freude an dem, was ich tue. Früher schien mir 50 furchtbar alt, heute weiß ich: Man kann noch 30, 40 Jahre weiterleben.

APA: Sie führen seit gut zehn Jahren auch Regie. Wollen Sie überhaupt von der Bühne auf den Regiestuhl wechseln?

Villazón: Ich bleibe Sänger und bin weiterhin mehr Sänger als Regisseur. Als Sänger habe ich glücklicherweise bereits viele Engagements - bis 2025. Ich bin aber wählerischer geworden und lehne auch viele Angebote ab. Wenn es sich ergibt, mache ich eine Inszenierung pro Jahr. Außerdem braucht eine Inszenierung unglaublich viel und intensive Zeit. Einmal pro Jahr ist genug. Ich bin nach einer Inszenierung immer sehr erschöpft.

APA: Hätten Sie Interesse an der Leitung eines großen Opernhauses?

Villazón: Im Augenblick nein. Mein Plan ist es, noch so lange zu singen wie ich kann und es mir Freude bereitet. Als Intendant eines großen Hauses müsste man permanent anwesend sein. Es sind schon die Mozartwoche und die künstlerische Leitung in der Stiftung viel Arbeit, aber es gibt mir noch genügend Flexibilität, auch auf der Bühne zu stehen oder Bücher zu schreiben und ein Privatleben zu haben. Aber wer weiß, was in zehn oder 20 Jahren ist?

APA: Weshalb gab es heuer als Ersatz für die ausgefallene Mozartwoche im Gegensatz zum Vorjahr kein Streaming?

Villazón: Wir haben kein Geld dafür, und es war zu kurzfristig. Außerdem gibt es inzwischen so viele Streamingprojekte. Angesichts der Coronalage wäre heuer aber die Mozartwoche unverantwortlich gewesen. Ich bin nächtelang wach gelegen und habe überlegt, was wir noch organisieren könnten. Nach der schrecklichen Absage versuchen wir nun, den Künstlern zu helfen, denen wir absagen mussten, indem wir etwa Konzerte später nachholen. Ich hoffe, dass wir im nächsten Jahr in einer Endemie und keiner Pandemie mehr sind.

APA: Werden für heuer geplante Programmteile auf die Mozartwoche 2023 verschoben?

Villazón: Es gibt ein komplett neues Programm. Aber nach zwei Jahren ohne Besucher in den Mozart-Museen ist die finanzielle Lage der Stiftung Mozarteum schlimm. Ich muss also auch für 2023 meine Pläne adaptieren. Die geplante große Inszenierung wird es nicht geben. Aber die Essenz der Mozartwoche bleibt erhalten, mit wunderbaren Solisten und Orchestern, wir werden eine fantastische Mozartwoche haben. Davor wird es im Oktober zur Wiedereröffnung des Großen Saales ein Mozartfest geben. Zum Glück halten mir die Künstler die Treue und werden trotz der zwei Ausfälle wiederkommen, Solisten wie Orchester: Sie lieben die Mozartwoche.

APA: Aktuell sind die Besucherzahlen in den meisten Häusern bescheiden. Werden die Säle nach Corona wieder voll?

Villazón: Ich hoffe. Bei den aktuell hohen Fallzahlen gibt es psychologische, gesundheitliche und mit den Nachweisen auch bürokratische Hemmungen. Aber ich glaube, die Menschen haben Hunger danach, Musik und Künstler live zu erleben. Doch wir müssen dafür kämpfen. Streaming ist zwar gut für Menschen, die nicht in den Konzertsaal können, aber es ist wie ein Foto eines Kusses und kein echter Kuss. Außerdem erzeugen Livestreamings Druck auf die Künstler, der nicht gut ist.

APA: Reicht Ihr musikalisches Interesse auch über die Klassik hinaus?

Villazón: Ich liebe La Trova von Silvio Rodriguez. Dann zeigt mir mein Sohn mehr und mehr Independent Rock, den ich sehr interessant finde. Mein anderer Sohn liebt Rap, das mag ich weniger, aber eine Mischung aus Rap und Jazz oder Jazz alleine finde ich gut.

APA: Was lieben Sie an Salzburg?

Villazón: Es ist alles, die Kunst, die Natur, die Schönheit dieser Stadt, und dann natürlich die Erinnerungen, etwa an die "Traviata" 2005, eine wunderschöne Zeit. Es ist ein warmes, festliches Gefühl. Wenn ich im Sommer komme, riecht es nach Salzburg, dem grünen Gras und ich glaube auch nach dem Kuhmist. Es hat etwas von Provinz und ist dann plötzlich komplett international wegen der Kunst. Und dann natürlich meine Liebe zu Mozart. Wenn ich in die Stiftung Mozarteum reinkomme - wow - ich fühle mich so glücklich, es ist ein so tolles Gefühl. Ich kann es nicht erklären: Ich komme, und mein Herz fängt an zu tanzen. Und dann liebe ich den Mozartplatz. Ich komme jeden Abend zum Mozart-Denkmal, um "Guten Abend" zu sagen.

(Das Gespräch führte Bernhard Niederhauser/APA)

Quelle: Agenturen