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Residenzgalerie Salzburg zeigt alte Ansichten und neue Ideen

28. Juli 2022 · Lesedauer 3 min

Eine Bergtour, bei der man in etwas mehr als einer Stunde Watzmann, Untersberg und den Großglockner zu sehen bekommt, in Bad Gastein ebenso vorbeischaut wie in Zell am See, sich ins Gipfelbuch eintragen kann und bei alledem nicht nur keine Höhenmeter machen muss, sondern auch im Kühlen bleibt? Im Domquartier Salzburg geht das. Die Sonderausstellung "Stadt - Land - Berg" zeigt ab Samstag "Salzburg und seine Umgebung" in alten Ansichten und neuen Ideen.

Die Museumspädagogik hat sich für diese Präsentation von rund der Hälfte des Sammlungsbestands an regionalen Ansichten wahrlich einiges einfallen lassen. So kann man sich einen Rucksack ausleihen, mit dem man durch die Ausstellung wandert. Eine eigene Ausstellungs-Wanderkarte ist in ihm ebenso enthalten wie historisches Kartenmaterial, ein Fotobuch, das die Ansichten historischer Gemälde mit heutigen Perspektiven vergleicht, oder eine Unterlage zum Stadt-Land-Spielen. "Das ist eine ganz tolle Geschichte, mit der man viele junge Leute abholen kann, aber sicher auch ältere - der homo ludens steckt ja in jedem von uns", befand Landesrätin Daniela Gutschi (ÖVP) bei der heutigen Presseführung.

Zwischendurch kann man sich im Gipfelbuch verewigen, das 424 Meter Seehöhe und als Erstbesteigungsdatum den 29. Juli 2022 verzeichnet, und am Ende bekommt man im Terrassensalon nicht nur Gelegenheit, das (mit einer abwaschbaren Folie überzogene) Bild "Der Rudolfskai in Salzburg" von Friedrich Loos von 1835 mit eigenen Ideen zu ergänzen, sondern zu kontroversiellen Themen wie Tourismus, Energie, Verkehr und Raumplanung seine Pros und Kontras festzuhalten. "Die vielen Plakate, die dabei hoffentlich entstehen, werden ausgestellt und zur Diskussion anregen", hoffte Gutschi.

Doch auch die Kuratoren Astrid Ducke und Thomas Habersatter begnügen sich nicht einfach mit einer geschickten Auswahl und geografisch gegliederten Präsentation der Werke, unter denen sich Bilder von Rudolf von Alt, Hubert Sattler und Emil Jakob Schindler befinden und auch Thomas Enders bekannte Pasterzen-Ansicht von 1830 beinhalten, an denen sich die Klimaerwärmung drastisch demonstrieren lässt. Sie haben zwei zusätzliche Markierungen in der Ausstellungslandschaft angebracht: Einerseits werden Faksimiles historischer Postkarten aus der Sammlung Wolfgang Tauderer einbezogen, andererseits liefert der 1953 geborene Salzburger Künstler Wolfgang Richter, der sich seit mehr als 40 Jahren auf unterschiedlichste Weise mit der Stadt und ihrer Umgebung auseinandersetzt, einen modernen Kontrapunkt zu den historischen Ansichten.

So ist etwa seine sechsteilige Arbeit "GlanZEITreise 2021" zu sehen, für die Richter entlang des zehn Kilometer langen Glanbaches Gesteins- und Bodenproben gesammelt und in Schaukästen arrangiert hat. "Viele Dinge in meiner künstlerischen Arbeit entwickeln sich im Gehen", sagte Richter. Seinen von der Decke hängenden "Cloudmountain" (2016) aus Plastikfolie hat er dem Relief des Unterbergs nachmodelliert - eine luftige, sich immer leicht in Bewegung befindliche Arbeit, die Wolkenmeer und steinernes Meer verbindet.

"Stadt - Land - Berg" lässt aber auch die historische Entwicklung der Stadt und des Tourismus nachvollziehen. Wer weitere Highlights der Residenzgalerie-Sammlung sehen will, auf den warten in drei kleinen, anschließenden Ausstellungsräumen u.a. Werke von Rembrandt und Rubens, Waldmüller und Amerling. Und dann weiß man auch, was Habersatter meint, wenn er stöhnt: "Unsere Räumlichkeiten sind viel zu klein."

(S E R V I C E - "Stadt • Land • Berg: Salzburg und seine Umgebung", Ausstellung in der Residenzgalerie Salzburg, Domquartier Salzburg, Residenzplatz 1, 30.7.2022 bis 29.5.2023. Katalog in Deutsch und Englisch, 168 Seiten, ISBN 978-3-901443-53-4, 14,90 Euro, https://www.domquartier.at)

Quelle: Agenturen