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Reggae-Ikone Jimmy Cliff mit neuem Album

11. Aug. 2022 · Lesedauer 4 min

Der Name des neuen Albums von Jimmy Cliff und die erste Single daraus könnten eine polemische, politische Platte erwarten lassen: "Refugees", also Flüchtlinge. Zu den Songtiteln gehören außerdem "Racism" (Rassismus) und "We Want Justice" (Wir wollen Gerechtigkeit). Viel sanftmütiger als nun bei Cliff könnten diese Themen allerdings kaum behandelt werden.

Das zentrale, oft wiederholte Motiv ist die Liebe - nicht bloß im Sinne romantischer Liebe, sondern vor allem als Lebenseinstellung. Jimmy Cliff, einer der letzten noch lebenden jamaikanischen Ska- und Reggae-Pioniere, wirkt mit seinen 78 Jahren vielleicht ein bisschen altersmilde. Er ist aber noch nicht über seinen musikalischen Zenit hinaus, den er womöglich erst vor zehn Jahren mit dem vorherigen Album "Rebirth" (Wiedergeburt) erreicht hat.

Das erste Lied prangert eine andere, negative Liebe an - die zum Geld. "Money Love" ist ein streitbarer Song auf einem größtenteils ruhigen, träumerisch-euphorischen Reggae-Album, auf dem es darum geht, Brücken zu bauen, das Positive zu betonen und über kleinliche Streitigkeiten erhaben zu sein. "Ich überwinde die Winde des Hasses und überquere die Steine der Eifersucht", singt Cliff in "Moving On". "Bald werden sie sich alle auflösen und mir meine Würde lassen."

Musikalisch knüpft das erste Stück mit Ska-Gitarre und lebhaftem Hintergrundgesang an die mit dem Grammy für bestes Reggae-Album ausgezeichnete Vorgänger-Platte von 2012 an. Die übrigen zwölf Titel spielen mit Elementen verschiedener Genres, ganz so bombastische Nummern wie "One More" oder "Outsider" von "Rebirth" sind nicht dabei.

Der Sound live eingespielter Arrangements des Vorgängeralbums weicht mehr durchproduziert klingenden Stücken. Mit "My Love Song" ist auch ein elektronisch angehauchtes, Sommerhit-ähnliches Lied mit "Nananananananana"-Refrain dabei.

Jimmy Cliff - geboren als James Chambers - meldet sich hier im Kontext mehrerer runder Jahreszahlen zurück. Zehn Jahre ist das bisher letzte Album alt. Vor 50 Jahren erschien der Film "The Harder They Come" mit Cliff in der Haupt- und seiner Musik in einer ebenfalls prominenten Rolle - darunter der Song "You Can Get It If You Really Want". Dem Film wird oft zugeschrieben, den Reggae außerhalb Jamaikas popularisiert zu haben.

Außerdem hat der karibische Inselstaat kürzlich, am 6. August, 60 Jahre Unabhängigkeit von Großbritannien gefeiert. Damals, 1962, als Cliff 18 Jahre alt war, hatte seine Karriere bereits begonnen.

Der Titelsong "Refugees" - ähnlich wie "Racism", auf dem auch Cliffs Tochter Lilty singt - ist weniger eine Anklage gegen Hass als ein sanfter Appell an Menschlichkeit und Mitgefühl. Cliff zählt darin Fluchtbewegungen aus Geschichte und Gegenwart auf - von Jesus, den Israeliten und den ersten Moslems über die Europäer, die nach Amerika gingen, bis zu den Menschen aus Westasien und Afrika, die heute nach Europa kommen.

"Flüchtlinge brauchen eine helfende Hand - könnten sie nicht jemand sein wie du und ich?", fragt Cliff. Mit der Betonung des Wortes "Exodus" an einer Stelle enthält der Song, den es auf dem Album in einer Rap- und einer Dance-Version gibt, auch eine kleine Hommage an Reggae-Legende Bob Marley.

Wyclef Jean, ein anderer bekannter Name in der karibischen Musikwelt, erzählt in einer Rap-Strophe des Liedes davon, wie seine Familie einst aus dem Geburtsland Haiti übers Meer in die USA auswanderte. Der Name von Jeans früherer Band Fugees ("Killing Me Softly") ist eine Abkürzung des Wortes Refugees.

Er und Cliff hätten mit der Koproduktion für die Vergessenen sprechen wollen, sagt Jean laut Pressemitteilung der Plattenfirma Universal. Seine Wertschätzung für die 78-jährige Reggae-Ikone ist hoch: "In einer Zeit, in der Liebe gebraucht wird, glaube ich nicht, dass jemand das besser vermitteln kann als der King."

(S E R V I C E - https://www.jimmycliff.com/)

Quelle: Agenturen