Popstar Madison Beer: "Viel von meinem Leben geopfert"
APA: Was dürfen sich die Fans von Ihren kommenden Konzerten erwarten?
Madison Beer: Etwas ganz anderes als meine früheren Auftritte. Ich versuche, mehr eine Geschichte zu erzählen. Ich möchte, dass sich die Show immersiv anfühlt, dass das Publikum mehr erlebt als nur ein Konzert.
APA: Wie wichtig ist es, die Abende so zu gestalten, dass die Show nicht die Musik überschattet?
Beer: Ehrlich gesagt, würde es mich nicht stören, wenn es so wäre. Ich liebe Theater und Konzerte. Das gehört für mich irgendwie zusammen. Wenn den Leuten die Show gefällt, lieben sie wahrscheinlich auch die Musik, und das eine gäbe es nicht ohne das andere.
APA: Eine Frage abseits von Musik: Was kommt Ihnen zuerst in den Sinn, wenn Sie an Wien denken?
Beer: Ich war beim letzten Mal dort ziemlich krank. Deshalb freue ich mich auf Wien. Hoffentlich kann ich diesmal meinen Tourbus verlassen und die Stadt erkunden. Gibt es etwas zu essen, das ich unbedingt probieren sollte? Was ist das beliebteste Gericht in Wien?
APA: Es ist ein Klischee, aber die meisten würden jetzt Wiener Schnitzel sagen.
Beer: Ah ja, ich muss es wohl unbedingt mal probieren.
APA: Das neue Album "Locket" vermischt Pop, R&B und anderes. Ist das Ausdruck Ihrer musikalischen DNA?
Beer: Mit Sicherheit. Ich liebe so viele verschiedene Musikrichtungen. Es gibt so viel schöne Musik da draußen. Ich versuche, so gut wie möglich, kleine Spuren davon in meinen Songs zu hinterlassen.
APA: Orientieren Sie sich auch daran, was gerade angesagt ist?
Beer: Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich lasse das komplett außen vor. Ich höre nämlich ständig Musik. Wenn neue Musik rauskommt, höre ich sie mir an. Und es ist schwer, sie nicht in mich aufzunehmen.
APA: Wie persönlich sind die Texte auf dem Album?
Beer: Ich schreibe meine Songs meistens aus dem Kontext meines Lebens. Manchmal habe ich das aus einer vergangenen Erfahrung heraus getan. Aber dieses Album habe ich tatsächlich während einer Trennung geschrieben.
APA: Fällt es Ihnen schwer, sich zu öffnen und Ihre Erfahrungen zu teilen?
Beer: Nicht mehr. Früher war es so, aber jetzt bin ich an einem Punkt, an dem ich es wirklich genieße, dass die Leute mir zuhören und denken: "Oh, das mache ich gerade auch durch - und dank dieses Liedes fühle ich mich weniger allein." Das ist es, was mich wirklich motiviert. Ich habe keine Zweifel, wenn ich weiß, dass da draußen jemand ist, dem diese Lieder wahrscheinlich helfen werden.
Über Anerkennung
APA: Sie haben das Album auch mitproduziert. Wie wichtig war das?
Beer: Ich habe ein gewisses Kontrollbedürfnis. Ich führe auch gerne Regie bei meinen Musikvideos und so weiter. Das ist mein Name, es ist meine Kunst - deshalb möchte ich in alle Aspekte involviert sein.
APA: Haben Sie auch das Gefühl, dass Frauen, die selbst produzieren und Songs schreiben, nicht so viel Anerkennung bekommen wie Männer?
Beer: Absolut! Auch deshalb habe ich mich dafür eingesetzt, als Produzentin und Songwriterin angeführt zu werden. Ich kenne befreundete Künstlerinnen, die ebenfalls produzieren, aber dafür nicht gebührend gewürdigt werden, weil sie sich nicht trauen, danach zu fragen (in den Credits dafür genannt zu werden). Ich möchte, dass die Leute denken: "Wenn Madison die Anerkennung bekommt, dann sollte ich sie auch bekommen." Wenn die Leute an Produzenten denken, stellen sie sich einen Mann vor - wie auch bei vielen anderen Dingen, obwohl tatsächlich viele Frauen viele dieser Aufgaben im Musikbusiness übernehmen.
APA: Der Pop war immerhin in den vergangenen Jahren stark von Frauen geprägt. Spüren Sie einen Konkurrenzkampf?
Beer: Oh nein. Für mich gibt es den nicht. Ich gehe meinen eigenen Weg. Ich glaube nicht, dass es viel bringt, sich mit anderen zu vergleichen, weil wir alle unser Bestes geben. Ich hasse die Vorstellung, dass es nur eine Person an der Spitze geben kann, wir alle darum konkurrieren und uns deshalb nicht besonders mögen. Nein, ich lasse mich von meinen Kolleginnen und Vorbildern inspirieren. Ich sehe da absolut keinen Wettbewerb. Wir machen einfach Musik und wollen auftreten.
Über Social-Media
APA: Längst bestimmt auch der Social-Media-Auftritt den Erfolg mit. Wie gehen Sie mit all Ihrer Erfahrung damit um?
Beer: Es ist ein zweischneidiges Schwert. Man postet vielleicht nicht gern, weil man sich dabei schlecht fühlt, aber wenn man es nicht tut, fühlt man sich noch schlechter. Weil man denkt: "Oh Gott, ich muss doch mit meinen Fans in Kontakt bleiben." Es ist echt eine komische, knifflige Sache, die ich, ehrlich gesagt, immer noch nicht ganz durchschaut habe. Ich wünschte, die Leute würden sich mehr auf die wichtigen Dinge konzentrieren, also auf die Musik und die Konzerte. Der ganze Klatsch und Tratsch ist einfach nicht mein Ding. Aber er gehört wohl dazu - und ja, damit komme ich manchmal nicht so gut klar.
APA: Wie halten Sie sich eigentlich mental fit?
Beer: Ehrlich gesagt, bin ich da noch am Ausprobieren. Aber ich versuche, Dinge zu tun, die mir guttun - zum Beispiel, mich ein paar Tage lang komplett vom Handy fernzuhalten. Ich versuche, im Moment zu leben. Mir geht es im Großen und Ganzen ziemlich gut. Ich habe eine wunderschöne Beziehung, eine tolle Familie und fantastische Fans. Dafür bin ich dankbar. Ich fühle mich sehr glücklich.
APA: Ein paar Tage ohne Handy - halten Sie das wirklich durch?
Beer: Ja, absolut. Da schreibe ich meinem Team, meiner Mutter und meiner Familie: "Okay, ich bin zwei Tage offline. Wenn ihr also nichts von mir hört, ist das ok. Im Notfall könnt ihr euch an meinen Freund, meinen Bruder oder wen auch immer wenden." Ich liebe es, offline zu sein.
Über den Blick zurück
APA: Sie haben früh angefangen. Wenn Sie zurückblicken, was denken Sie?
Beer: Manchmal "wow, ich habe wirklich viel von meinem Leben geopfert, meine ganze Teenagerzeit". Ich hatte nicht das Gefühl, wirklich Kind sein zu können. Es war schwer, mich damit abzufinden. Aber ich denke auch, dass es mir viel Lebenserfahrung gebracht hat. Ich fühle mich in vielerlei Hinsicht weise, obwohl ich erst 27 bin, dafür bin ich dankbar. Was ich gelernt habe: Heute stelle ich meine eigene Gesundheit und mein Wohlgefühl über das, was andere Menschen von mir wollen.
(Das Gespräch führte Wolfgang Hauptmann/APA)
(S E R V I C E - https://locket.madisonbeer.com - https://marxhalle.at/events/madison-beer )
Zusammenfassung
- Die US-Sängerin Madison Beer bringt am 13. Mai ihre neue Show in die Wiener Marx Halle und verspricht ein immersives Erlebnis für das Publikum.
- Mit ihrem dritten Album "Locket", das Pop und R&B verbindet, sieht der "Rolling Stone" sie auf dem Weg zur Popikone.
- Beer betont die Bedeutung, als Produzentin und Songwriterin anerkannt zu werden, und kritisiert die mangelnde Würdigung von Frauen in der Musikbranche.
- Das aktuelle Album ist stark von persönlichen Erfahrungen geprägt und entstand während einer Trennung.
- Beer spricht offen über die Herausforderungen des frühen Ruhms und hebt hervor, wie wichtig ihr heute mentale Gesundheit und bewusste Offline-Zeiten sind.
