APA/APA/THEMENBILD/EXPA/ ERICH SPIESS

Toter Vater in Tirol: Nachbarn bestätigen Morddrohungen

08. Mai 2022 · Lesedauer 3 min

Ein 30-Jähriger hat sich am Montag wegen des Verdachts des Mordes an seinem Vater vor dem Innsbrucker Landesgericht verantworten müssen.

Er soll den 52-Jährigen Ende August 2021 in Wörgl attackiert haben, woraufhin der schwer herzkranke Mann laut Obduktion an einem akuten Herzinfarkt starb. Der Angeklagte bestritt eine Tötungsabsicht. Gutachten zufolge war ein Herzinfarkt jederzeit möglich. Nachbarn bezeugten indes, dass der Sohn den Vater wiederholt mit dem Umbringen drohte.

Angeklagte bestreitet Mord-Gedanken

Der Angeklagte beteuerte hingegen vor den Geschworenen, noch nie mit dem Gedanken gespielt zu haben, seinen Vater umzubringen, obwohl er ihn "verabscheut" habe. Der 30-Jährige hatte bis zuletzt keinen Kontakt mit seinem Vater und war in einer Pflegefamilie aufgewachsen. Er habe erst kürzlich davon erfahren, dass der Vater eine Person aus dem näheren familiären Umfeld vergewaltigt hatte, so der Angeklagte. Das habe der Vater ihm gegenüber auch zugegeben. Dies habe ihn sehr belastet und sei "immer wieder aufgekocht", gab der Mann zu Protokoll.

Zum Prozess waren mehrere Zeugen geladen, unter anderem drei Nachbarn des Verstorbenen. Sie berichteten von den Aggressionen des Sohnes zum vermeintlichen Tatzeitpunkt am 28. August 2021 und gaben allesamt zu Protokoll, dass dieser seinem Vater lautstark mit dem Umbringen gedroht habe. Zudem hatten alle gehört, wie der 30-Jährige dem Vater wiederholt die besagte Vergewaltigung vorgeworfen hatte. Ein Nachbar verständigte die Polizei, weitere versuchten den 52-Jährigen zu reanimieren, nachdem dieser nach dem Streit auf der Bank im Eingangsbereich des Hauses zusammengesunken war.

Akuter Herzinfarkt 

Laut Gerichtsmediziner Walter Rabl war der Mann an einem akuten Herzinfarkt verstorben - ein solcher hätte allerdings jederzeit eintreten können. Demnach wies der Verstorbene mehrere Risikofaktoren auf - er litt an Diabetes, hatte einen ungesunden Lebenswandel, ein überdurchschnittlich schweres Herz und war übergewichtig. "Ausgedehnte Narben und Schwielen" auf seinem Herzen würden darauf hindeuten, dass der Mann schon einmal einen Herzinfarkt erlitten hatte. Seine Herzkranzgefäße seien "höchstgradig verengt gewesen", so der Sachverständige.

Der 30-jährige Sohn hatte sich offenbar in den frühen Morgenstunden gewaltsam Zutritt zur Wohnung seines Vaters verschafft und dort randaliert. Zudem habe er sich auch den eintreffenden Beamten gegenüber äußert aggressiv verhalten. Ein Polizist wurde verletzt und schloss sich dem Verfahren als Privatbeteiligter an. Vor den Geschworenen berichtete er von "heftigster Gegenwehr" des Angeklagten. Er selbst habe dadurch Abschürfungen und einen Leistenbruch erlitten, führte der Beamte aus.

Alkoholisiert - aber zurechnungsfähig 

Dem Gutachten zufolge war der Angeklagte bei dem Vorfall stark alkoholisiert, aber noch zurechnungsfähig gewesen. Er beteuerte, sich an das Geschehene nicht erinnern zu können und nicht gewusst zu haben, dass sein Vater schwer herzkrank war. Im Falle einer Verurteilung droht dem Angeklagten lebenslange Haft.

Quelle: Agenturen