APA/ROLAND SCHLAGER

Popsänger Lou Asril will sich "eigene Welt schaffen"

Der Zeitpunkt war alles andere als ideal: Nur wenige Tage, bevor Lou Asril vor drei Jahren sein Debüt veröffentlichte, wurde der erste Corona-Lockdown verordnet. "Es war ziemlich scheiße", erinnert sich der österreichische Sänger, der damals einen kleinen Hype mit seinem modernen Soulentwurf verursacht hat, heute daran. Trübsal blasen war für ihn aber keine Option, wie auch seine neue EP beweist. "Ich habe seitdem einfach extrem viel gelernt."

Da kann man dem jüngst 23 Jahre alt gewordenen Künstler nur zustimmen: Die sechs Nummern von "RetroMix21" (erscheint am Freitag) klingen ziemlich anders, gehen in eine deutlich elektronischere Richtung und sind doch ganz Lou Asril. Ohne die durch Corona erzwungene Pause wäre all das wohl "nie entstanden", nickt der Sänger im APA-Interview. Die Produktion habe ihn auf allen Ebenen gefordert und weitergebracht, "egal ob das musikalisch, visuell oder organisatorisch war. Es war einfach alles ein Schritt in diese Richtung." Ein Gefühl dafür habe er zwar schnell gehabt, "ich konnte es aber am Anfang noch nicht betiteln".

Am Anfang, das war eben im Jahr 2020, als die Arbeit an der EP begann. Sein Kreativpartner war in erster Linie Produzent Maximilian Walch. "Wir waren uns sehr einig und haben denselben roten Faden gesehen." Walch habe auch Anteil daran, dass die Songs von Asril mittlerweile deutlich artifizieller klingen als früher. "Max bewegt sich viel in diesen elektronischen Sphären. Auch ich habe in den vergangenen Jahren gemerkt, wie wohl ich mich in dieser Welt fühle." Der Sound sei letztlich einfach "eine Entscheidung" gewesen. "Ich wollte diese Popattitüde rauslassen und betonen."

Etwas anderes, worin sich Lou Asril zuletzt geübt hat, war "Nein" zu sagen. "Gerade was die Visuals betrifft, habe ich viel ausprobiert. Da gab es Dinge, die nicht geklappt haben, auch hier habe ich viel gelernt. Ich muss mir treu bleiben - gerade, was meine Kunst angeht." Davon abgesehen sei Geduld gefragt gewesen. "2020 haben wir mit der Arbeit begonnen, im Sommer 2022 wurden die Songs ins Mastering geschickt. Wir hatten also immer wieder längere Pausen und haben die Stücke gut atmen lassen um zu sehen, was es braucht."

Es hat sich jedenfalls gelohnt: Der Opener "Same Planet" ist tanzbarer Pop mit melancholischer Schlagseite, "Feelings" gefällt durch seinen eingängigen Refrain, und das nur etwas mehr als eine Minute lange "Breathe" zeigt Asril von seiner experimentierfreudigen Seite. "Mir ist wichtig, dass es nie so klingt wie etwas anderes", beschreibt der Musiker seinen Anspruch. Dass dabei sein Gesang teils härter, jedenfalls noch akzentuierter rüberkommt als beim selbstbetitelten Debüt, sei wohl der Erfahrung geschuldet. "Es ist jetzt viel kantiger, was ich einfach spannend finde."

Inhaltlich gibt sich Asril ziemlich persönlich. "Die Songs sind wohl emotionaler als früher. Die Jahre waren einfach sehr intensiv, für viele Leute, auch für mich. Das ist nicht zuletzt ein Verzweiflungsschrei, wie er etwa in 'Same Planet' hervorkommt. Da geht es um Ängste, die so stark sind, dass es einfach viel Energie für die Hoffnung braucht. Vielleicht schimmert das mit der Stimme dann durch." Zudem habe er sich weiterentwickelt. "Meine Kernthemen werden immer ein großer Bestandteil meiner Kunst sein. Aber ich habe probiert, etwas anderes zuzulassen. Deswegen sind auch familiärere Themen reingerutscht."

Begleitet wird die EP von vier Videos, für die sich Asril einiges überlegt hat. "Ich wollte dafür Charaktere haben, die die Energie des jeweiligen Songs noch mal unterstützen und repräsentieren. Damit wollte ich etwas schaffen, was man nicht so gut vergleichen kann. Es soll alles in diesem Universum stattfinden, soll verwoben sein, aber trotzdem eigenständig." Pop eben mit Anspruch und nicht bestimmten Formaten entsprechend. Am simplen Ohrwurm hat Lou Asril ohnehin wenig Interesse. Könnte er den vermeintlich einfachen Weg gehen? "Auf jeden Fall, aber der wäre dann auch viel fader", schmunzelt der charismatische Musiker. "Eine eigene Welt zu schaffen, macht mir tausend Mal mehr Spaß, als auf Hits zu schreiben."

(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)

(S E R V I C E - Lou Asril live: 30.3. Orpheum Extra in Graz, 31.3. Röda in Steyr, 1.4. Tischlerei in Melk, 7.4. Remise in Bludenz, 8.4. OKH in Vöcklabruck, 9.4. Die Krone von Lech in Lech am Arlberg, 19.4. Rockhouse in Salzburg, 20.4. Imsüden in Klagenfurt, 22.4. Flex in Wien; www.louasril.com/)

ribbon Zusammenfassung
  • Der Zeitpunkt war alles andere als ideal: Nur wenige Tage, bevor Lou Asril vor drei Jahren sein Debüt veröffentlichte, wurde der erste Corona-Lockdown verordnet.
  • "Es war ziemlich scheiße", erinnert sich der österreichische Sänger, der damals einen kleinen Hype mit seinem modernen Soulentwurf verursacht hat, heute daran.
  • "Eine eigene Welt zu schaffen, macht mir tausend Mal mehr Spaß, als auf Hits zu schreiben."