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Filmpreis-Gewinnerin Jordan: "Bin vielfach Opfer sexuellen Missbrauchs an Filmsets"

01. Juli 2022 · Lesedauer 2 min

Luna Jordan gewann am Donnerstag den Österreichischen Filmpreis als Beste Nebendarstellerin, mit ihrer Rede brach sie ihr Schweigen und forderte auch andere dazu auf: Sie sei erst 20 und wiederholt Opfer von sexuellem Missbrauch in der Film- und Theaterbranche.

"Große Freiheit" holte beim beim Österreichischen Filmpreis, der am Donnerstag in Grafenegg vergeben wurde, acht Preise, "Fuchs im Bau" vier. Einer davon ging an Luna Jordan, die als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet wurde. 

Ihre Rede nutzte die geborene Berliner für eine aufrüttelnde Rede vor dem Who-is-Who der österreichischen Filmbranche: Ich bin gerade einmal 20 Jahre alt, und ich bin bereits viermal Opfer von sexuellem Missbrauch an Filmsets und Theaterhäusern geworden. Das sollte nicht normal sein, ist es aber." Erst vor wenigen Wochen sei sie erneut Opfer eines Übergriffs am Arbeitsplatz geworden. "Lasst uns gemeinsam das Schweigen brechen und diese Schweine stellen. Für die Zukunft des Films und die Freiheit der Kunst", forderte Jordan Solidarität und bekam Standing Ovations nach ihrer Rede. 

Altenberger: Zuhören und Betroffenen glauben

Die 20-Jährige war nicht die Einzige, die in Grafenegg die schwerwiegenden Probleme der Branche anprangerte. "Vor allem muss den Betroffenen zugehört und geglaubt werden", forderte Verena Altenberger, Co-Präsidentin der Akademie des Österreichischen Films, die den Filmpreis veranstaltet. Und auch der zweite Co-Präsident, Arash T. Riahi sagte schon zum Auftakt der Veranstaltung: "Sexualisierter Machtmissbrauch ist ein Problem unserer Branche. Sexualisierter Machtmissbrauch ist ein Problem unserer Gesellschaft."

Mückstein nicht eingeladen

Wer freilich in Grafenegg fehlte, war Regisseurin Katharina Mückstein, die auch gern geredet hätte und die auf Instagram über ihre Erfahrungen erzählte und andere aufforderte, ihr zu folgen. Das taten sie anonym und in großer Zahl und bewiesen, wie schlimm die Lage im deutschsprachigen Raum im Film und beim Theater ist. Die Rede war von erniedrigenden Castings, Belästigung, Stalking, (versuchter) Vergewaltigung. Mückstein ist kein Mitglied der Akademie des Österreichischen Films, deshalb war sie auch nicht eingeladen, obwohl das Motto des Abends "All Together Now" war.

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam