Neujahrskonzert der Komponist:innen brachte hohe Frauenquote
Der rund 400 Plätze fassende Ehrbar Saal, dessen Grundsteinlegung sich 2026 zum 150. Mal jährt, braucht architektonisch keinen Vergleich zu großen Vorbildern scheuen, und auch sonst gab es am Nachmittag einige Parallelen zum Konzertevent des Mittags: Johann, Josef und Eduard Strauss gab es hier wie dort, nachdem die feministische Ausschließlichkeit im dritten Anlauf fallen gelassen wurde. Also konnte man den Walzer "Rosen aus dem Süden" und den Donauwalzer hier wie dort hören und feststellen: Beide entfalten auch in kleinerer Orchesterbesetzung und abseits der weltweit gefeierten Top-Spezialisten ihren Zauber.
Andrea Götsch, Klarinettistin der Wiener Philharmoniker, dirigierte das Debütkonzert der neu gebildeten 24-köpfigen Ehrphilharmonie Wien als neues Hausorchester des von Cathrin Chytil künstlerisch geleiteten Ehrbar Saals - Musiker und Musikerinnen aus aller Welt, die in Wien studieren, leben oder hier bereits in professionellen Orchestern aktiv sind. Als Hommage an den Initiator des Saales, den K. & K. Hof- und Kammer-Klavierfabrikanten Friedrich Ehrbar, waren zwei Klavierkonzerte in das sonst durchaus polkalastige und walzerselige Programm eingebaut. Die junge Wiener Pianistin Mitra Kotte überzeugte mit dem zweiten Satz eines Klavierkonzerts von Luise Adolpha Le Beau und dem dritten Satz des ersten Beethoven-Klavierkonzerts.
Strauss-Zeitgenossin Constanze Geiger, deren "Ferdinandus-Walzer" im Vorjahr als erstes Werk einer Komponistin beim Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker erklang, war im Ehrbar Saal heuer mit einem Volkswalzer vertreten, von Josephine Weinlich, die heuer im Goldenen Saal zu Aufführungsehre kam, wurde eine Polka gespielt.
Doderer und Deutscher waren da
Vor allem aber gab es Werke zweier lebender Komponistinnen, die beide auch persönlich den Applaus des Publikums entgegennahmen: Johanna Doderers "Schneerosen Walzer" fügte sich ebenso perfekt ins Programm wie die "Grinzinger Polka" und der "Sirenengänge Walzer" von Alma Deutscher. Während Weinlichs am Vormittag im Musikverein gespielte "Sirenen-Lieder" sich auf antike Verlockungen bezogen, schienen bei Deutscher am Anfang und am Ende ihres Stücks die Einsatzfahrzeuge in den Konzertsaal zu brausen ...
Den offenbar bei Neujahrskonzerten notwendigen Mitklatsch-Moment gab es bei Josef Strauss' "Ohne Sorgen!"-Polka, und als Zugabe wurde auch im Ehrbar Saal der Donauwalzer gegeben. 2026 kann kommen. Es wurde nicht nur im Musikverein würdig empfangen.
Zusammenfassung
- Beim Neujahrskonzert der Komponist:innen im Ehrbar Saal wurden Werke von sechs Komponistinnen gespielt, wodurch die Frauenquote dreimal so hoch war wie beim traditionellen Konzert der Wiener Philharmoniker.
- Die neu gegründete Ehrphilharmonie Wien, ein 24-köpfiges Orchester mit Musiker:innen aus aller Welt, feierte ihr Debüt vor rund 400 Gästen im 150 Jahre alten Ehrbar Saal.
- Zwei lebende Komponistinnen, Johanna Doderer und Alma Deutscher, waren persönlich anwesend und nahmen den Applaus für ihre Werke entgegen.
