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Messerschmidt-Köpfe treffen im Belvedere auf Marc Quinn

23. Feb. 2022 · Lesedauer 3 min

Vor drei Jahren standen Franz Xaver Messerschmidts "Charakterköpfe" schon einmal im Belvedere im Fokus: Im Rahmen der Ausstellung "Talking Heads" in der Orangerie im Unteren Belvedere waren die in eindringlicher Mimik erstarrten Köpfe aus dem 18. Jahrhundert im Dialog mit Zeitgenossen von Lassnig bis Rainer zu erleben. Im Oberen Belvedere treten sie nun unter dem Titel "Face to Face" ins Zwiegespräch mit Arbeiten des britischen Künstlers Marc Quinn.

Der 58-jährige Künstler ist vor wenigen Jahren auf Belvedere-Generaldirektorin Stella Rollig mit dem Wunsch herangetreten, seine Werke aus der Serie "Emotional Detox" den "Charakterköpfen" gegenüberstellen zu können. Die bisher kaum öffentlich gezeigten Skulpturen stammen aus den frühen 1990er-Jahren, als Quinn im Zuge eines Alkoholentzugs seine eigenen Dämonen konfrontierte und von einer Begegnung mit der Messerschmidt-Skulptur "Der starke Geruch" im Victoria and Albert Museum in London inspiriert wurde.

Während in den Arbeiten des Wiener Barock-Bildhauers die verzerrte Mimik im Vordergrund steht, ist es bei Quinn gleich der gesamte Oberkörper: Durchlöchert, aufgerissen und von sich selbstständig gemachten Händen drangsaliert - so präsentieren sich die acht Blei-Skulpturen, die jeweils einem "Charakterkopf" gegenüberstehen. Mal hält die Hand den Mund des Künstlers zu, mal drückt sie auf die Stirn, während die wie abgebrochen wirkenden Armstümpfe hilflos in die Luft gereckt sind.

Für die Präsentation im Oberen Belvedere hat Quinn einen ganzen Raum in leuchtendes Rot gehüllt und die Werke sich in Paaren einander zuwendend im Saal angeordnet. So treten die skulpturalen Selbstporträts der Künstler über die Jahrhunderte hinweg in ein emotionales Zwiegespräch. "Seit Beginn meiner Beschäftigung mit Kunst fesseln mich Franz Xaver Messerschmidts Skulpturen und seine unglaubliche Fähigkeit, Gefühle darzustellen", schwärmte der Brite am Mittwoch bei der Pressekonferenz. Nach seinem Alkoholentzug habe er nicht mehr arbeiten können, erst durch die Werke des barocken Bildhauers habe er wieder zurück zur Kunst gefunden. Weitere Arbeiten - diesmal aus Gips - finden sich unter dem Serientitel "The Oneironaut" in der achteckigen Schlosskapelle.

Stella Rollig freute sich, dass die Präsentation nach den Corona-Unbilden der vergangenen zwei Jahre nun endlich möglich sei. "Das Großartige an 'Emotional Detox' ist neben der packenden Darstellung und der meisterhaften Technik die bildhafte Vieldeutigkeit", sagte die Belvedere-Generaldirektorin. Der Künstler selbst habe sich durch die Werkserie von seinen Dämonen befreit. Sie nun mit dem großen Vorbild vereint zu sehen, sei ein in Erfüllung gegangener Traum.

(S E R V I C E - Ausstellung "Face to Face. Marc Quinn meets Franz Xaver Messerschmidt" im Oberen Belvedere, 24. Februar bis 3. Juli. Infos unter www.belvedere.at)

Quelle: Agenturen