APA/APA/GEORG HOCHMUTH/GEORG HOCHMUTH

Mayer kündigt Prüfung des Falls Teichtmeister an

14. Jan. 2023 · Lesedauer 4 min

Am Tag, nachdem bekannt wurde, dass Schauspieler Florian Teichtmeister sich am 8. Februar wegen des Besitzes von 58.000 kinderpornografischer Dateien vor Gericht verantworten muss, fokussieren die heimischen Medien in ihrer Berichterstattung nicht zuletzt darauf, dass es seit längerem Gerüchte zur Causa in der Branche gegeben habe. Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) kündigte in diesem Zusammenhang eine detaillierte Prüfung an.

"Das BMKÖS hat gestern umgehend die Bundestheater-Holding mit der Erstellung einer umfassenden Chronologie der Informationsflüsse im Konzern beauftragt, um sicherzustellen, ob hier auf allen Ebenen korrekt und mit der nötigen Sorgfalt gehandelt wurde. Diese Prozesse werden auch einer Prüfung durch einen externen Gutachter unterzogen." Sie selbst sei zutiefst erschüttert angesichts der Ermittlungsergebnisse und des anstehenden Strafverfahrens gegen Florian Teichtmeister. "Derartiges Verhalten hat in den Bundestheatern keinen Platz, genauso wenig wie in Kunst und Kultur allgemein sowie in allen anderen Gesellschaftsbereichen", so Mayer in einer Aussendung.

Gegenüber der APA unterstrich Burgtheater-Direktor Martin Kušej, dass man Florian Teichtmeister sofort zu einem Gespräch einbestellt habe, nachdem der "Standard" und die "Kronen Zeitung" ohne Namensnennung im September 2021 von Vorwürfen gegen einen Burgschauspieler berichtet hatten und man hausintern Teichtmeister als den Betreffenden eruiert habe. "Teichtmeister wurde von der Direktion mit den Vorwürfen konfrontiert und hat diese allesamt glaubhaft bestritten", so Kušej. Es habe eine umfassende Erhebung gegeben, die überdies Gespräche mit der Ensemblevertretung und anderen Mitgliedern des Ensembles umfasste: "Diese Gespräche haben aber zu keinen Anhaltspunkten für die nunmehr gestandenen Taten geführt." Teichtmeister habe die Vorhaltungen als Racheakt seiner Ex-Lebensgefährtin bezeichnet.

Arbeitsrechtliche Schritte habe man anhand von nicht zu verifizierenden Gerüchten nicht setzen können. "Die Direktion ist diesen Gerüchten im Rahmen der ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nachgegangen, konnte diese aber nicht erhärten. Für arbeitsrechtliche Schritte gegen Florian Teichtmeister im Sinne einer vorzeitigen Beendigung des Dienstverhältnisses hat es keine Grundlage gegeben." Das Burgtheater hatte am Freitag nach Bekanntwerden der Umstände umgehend eine fristlose Entlassung aus dem Ensemble gegen Teichtmeister ausgesprochen. An der Frage, wie genau man mit den in nächster Zeit ursprünglich geplanten Abenden umgehe, an denen Florian Teichtmeister hätte auftreten sollen, werde noch gearbeitet: "Wir bemühen uns intensiv, rasche Lösungen für Spielplan und Besetzungen zu erarbeiten."

In ihrer Samstagsausgabe hatte die "Kronen Zeitung" auf eigene, frühere Berichte referenziert: "Bereits im Oktober 2021 berichtete die 'Krone', dass gegen einen preisgekrönten Schauspieler u.a. wegen Körperverletzung, Drogenmissbrauch und des Besitzes von Kinderpornos ermittelt wird." Auch der "Kurier" schlug in dieselbe Kerbe: "Schon lange kursierten Gerüchte um Teichtmeister, Konsequenzen gab es jedoch keine. [...] Die Frage, wie das Burgtheater, der ORF und die gesamte Kulturbranche auf die bisherigen Gerüchte um Teichtmeister hätte reagieren sollen oder können, wird erwartungsgemäß noch Thema sein und werden." Und auch "Österreich" schrieb am Samstag: "Die Spatzen pfiffen es schon seit mehr als einem Jahr von den Dächern, nun wird die Ekel-Affäre um einen heimischen Schauspielstar von seinen eigenen Anwälten und der Justiz bestätigt."

Die Wiener FPÖ nutzte die Causa zu einem Rundumschlag. "Der Umgang mit der Causa Teichtmeister ist bezeichnend für die Doppelzüngigkeit und Verlogenheit der linken Kulturschickeria", betonten am Samstag in einer Aussendung Klubobmann Maximilian Krauss und Kultursprecher Stefan Berger: "Obwohl der Vorwurf des Besitzes von zigtausenden kinderpornografischen Dokumenten gegen den Schauspieler dem Vernehmen nach seit eineinhalb Jahren bei den Arbeitgebern Burgtheater und ORF bekannt gewesen sein soll, hat man einen Mantel des Schweigens über diesen Skandal gehüllt. [...] Abseits der strafrechtlichen Komponente gibt es eine moralische Verantwortung für die Mitwisser aus ORF und der Wiener Theaterlandschaft."

Quelle: Agenturen