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Martin Kušej wird als Burgtheater-Direktor abgelöst

20. Dez. 2022 · Lesedauer 3 min

Es gibt eine Entscheidung für die Burgtheater-Direktion ab der Spielzeit 2024/25 - und Martin Kušej wird es nicht. Kurz bevor Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) zur Pressekonferenz anlässlich der Bekanntgabe einlud, zog der amtierende Burgtheater-Direktor seine Bewerbung für eine weitere Amtszeit per Aussendung zurück. Somit ist klar: Morgen, Mittwoch, wird ein neuer Name präsentiert werden.

"Meine Person und das gesamte Burgtheater wurden durch den späten und langwierigen Entscheidungsprozess zur Zukunft der Burgtheaterdirektion in eine unsägliche, das Haus schädigende Situation manövriert", heißt es in Kušejs knappem Presse-Statement. "Grundlage für die Zukunft meiner Arbeit als Direktor über meinen laufenden Vertrag hinaus ist uneingeschränktes Vertrauen von Seiten des Eigentümers. Dies ist offensichtlich nicht gegeben, daher ziehe ich meine laufende Bewerbung zur Fortsetzung meiner Direktion mit sofortiger Wirkung zurück", so Kušej, der auf einem Dreier-Vorschlag einer Findungskommission gestanden haben soll, der Andrea Mayer vorlag. Kušej trete nicht mit sofortiger Wirkung zurück, sondern habe die Absicht, seinen laufenden Vertrag zu erfüllen und die Saison 2023/24 wie vorgesehen weiter an der Spitze des Hauses zu stehen, hieß es auf Nachfrage der APA im Burgtheater.

In den vergangenen Wochen war heftig über mögliche Kušej-Nachfolgerinnen spekuliert worden. Demnach könnte sich Burgschauspielerin und Reinhardt-Seminar-Chefin Maria Happel sowie eine weitere Kandidatin auf dem Dreier-Vorschlag - gemeinsam mit Kušej - befunden haben. Als Name wurde zuletzt immer wieder Anna Bergmann ins Spiel gebracht. Die 44-jährige Deutsche ist seit 2018 Schauspieldirektorin in Karlsruhe und hatte damals mit der Ansage für Aufsehen gesorgt, nur Frauen inszenieren lassen zu wollen (ein Diktum, das allerdings nicht mehr gilt, Anm.). 2011 arbeitete sie als Regisseurin im Kasino am Schwarzenbergplatz, 2013 am Akademietheater. In den vergangenen Jahren hat sie am Theater in der Josefstadt "Fräulein Julie", "Madame Bovary" und Jelineks "Rechnitz (Der Würgeengel)" inszeniert. Zuletzt hatten Medien berichtet, neben Kušej wären noch eine Frau und ein Mann in der Schlussrunde, beide nicht aus Österreich.

Martin Kušej war 2019 als Direktor des Burgtheaters angetreten, doch es hakte von Beginn an. Corona verhinderte ein echtes Ankommen, ein Zusammenwachsen des Ensembles, ein Überzeugen des Publikums. Schließungen, Verschiebungen, Absagen und Restriktionen prägten den Spielbetrieb. Wie damit umgegangen wurde, sorgte für Kritik - offenbar auch in der Politik. Kušej selbst hatte sich in den vergangenen Wochen wiederholt gegen Kritik an seiner Zurückhaltung während der Corona-Pandemie sowie an seinem Führungsstil gewehrt. Geholfen hat dies - das ist nun klar - nicht.

Quelle: Agenturen