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MAK zeigt "The Fest": Die Kulturgeschichte des Feierns

13. Dez. 2022 · Lesedauer 3 min

Gschnas, Redoute, Party, Feier, Karneval, Fete, Tanz, Kränzchen, Sause, Umzug, Narrenabend, Maskenfest, Ball... Ist den Menschen nach Ausgelassenheit und Ausnahmestimmung, also ganz einfach zum Feiern zumute, haben sie viele Begriffe dafür gefunden. Die Ausstellung "The Fest. Zwischen Repräsentation und Aufruhr", die am Dienstagabend im MAK standesgemäß mit einem Fest eröffnet wird, beleuchtet anhand von über 650 Objekten die Kulturgeschichte des Feierns.

Einerseits könne nach den langen Corona-Restriktion endlich wieder ans Feiern gedacht werden, andererseits biete diese klassische Querschnittsmaterie eine gute Möglichkeit, ungewöhnliche Schlaglichter auf die reiche MAK-Sammlung zu werfen, sagte Generaldirektorin Lilli Hollein am Vormittag bei der Presseführung und verwies auf das für 13. April 2023 geplante Künstler*innenfest, mit dem an die reiche Tradition entsprechender Feste in Secession und Künstlerhaus angeschlossen werden soll. Plakate, Einladungskarten, aber auch Fotos und Kostüme dokumentieren das damalige Treiben, bei dem schon alleine beim Finden des jeweiligen Mottos der Fantasie keine Grenzen gesetzt waren.

Zwei Menschen prägen "The Fest" auf den 1.480 Quadratmetern der MAK-Ausstellungshalle. Bildhauer Peter Sandbichler betont mit seiner Ausstellungsgestaltung aus Karton das Ephemere, Flüchtige, Temporäre von Fest-Architektur, die "immer schon ein Experimentierfeld für Künstlerinnen und Künstler war". Kuratorin Brigitte Felderer hat in einjähriger Arbeit die schwierige Aufgabe übernommen, gemeinsam mit Co-Kuratorin Olga Wukounig durch die Geschichte einen Parcours der Geschichten zu etablieren, der von den opulenten höfischen Festen in Barock und Rokoko über die festliche Inbesitznahme des öffentlichen Raums als Ausdruck politischer Selbstermächtigung (vom 1. Mai der Arbeiterbewegung bis zu Protest-Festen) bis in die heutige Clubkultur reicht.

"Feste dokumentieren historische Brüche", sagte Felderer und verwies etwa auf die ausgelassene Avantgarde der 20er-Jahre, die durch Gemütlichkeit und Walzerseligkeit des Austrofaschismus abgelöst wurde. Feste wurden von allen Couleurs gefeiert. "Feste haben aber immer auch eine dunkle Seite. Es durften nie alle mitmachen." Und zumal in Österreich gerieten auch Begräbnisse zu Festen - weswegen unter den vielen historischen Filmdokumenten nicht nur opulente Künstlerfeste zu finden sind (wie eines in Venedig, das 1951 von Christian Dior und Salvador Dali ausgestattet wurde), sondern auch der Begräbniszug von Kaiser Franz Joseph.

Die einstigen Festtafeln bogen sich nicht nur unter opulenten Speisefolgen, sondern auch unter reichem Tischschmuck. Thomas Hörl hat den Zwettler Tafelaufsatz von 1767/68 mit bunten Faschings-Accessoires ergänzt. Überhaupt sind zahlreiche zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler im Dialog mit dem Prunk der einstigen Festkultur, befragen und kommentieren sie aus verschiedenen Perspektiven.

Neben den verschiedensten Verkleidungen dürfen auch Spiegel in den unterschiedlichsten Ausformungen (wie etwa mit einer beweglichen Spiegelwand von Nicole Six und Paul Petritsch) nicht fehlen - denn auch in der Exaltiertheit des Feierns geht es nicht nur um die Erscheinung, die wir abgeben wollen und das Bild, das wir uns von den anderen machen, sondern auch um das Zurückgeworfensein auf sich selbst.

Im Rahmenprogramm sind Masken- und Kostümworkshops ebenso angekündigt wie ein Faschingsfest und ein MAK-Rave. Feste werden nämlich ständig gefeiert. Nicht zuletzt gegen Jahresende. Bald kommt bekanntlich das Weihnachtsfest. Und man wünscht einander: "Schöne Feiertage!"

(S E R V I C E - Ausstellung "The Fest. Zwischen Repräsentation und Aufruhr", MAK Ausstellungshalle, Wien 1, Stubenring 5, 14.12.2022-7.5.2023, Di 10-21 Uhr, Mi bis So 10-18 Uhr, Katalog Deutsch/Englisch, Birkhäuser Verlag, 432 Seiten, 49 Euro, www.mak.at)

Quelle: Agenturen