APA - Austria Presse Agentur

Lust auf Punk: Madsen haben sich "nix geschissen"

06. Okt 2020 · Lesedauer 3 min

Eigentlich wollten Madsen heuer ein bereits vorproduziertes "reguläres" Album aufnehmen. Corona kam dazwischen. Und plötzlich hatte die deutsche Band Lust auf Punk. "Wir haben uns nix geschissen, um es wienerisch zu sagen. Das Motto hieß: Was raus muss, muss raus", sagte Drummer Sascha Madsen im APA-Interview. Das Ergebnis heißt "Na gut dann nicht" - ein kraftvolles, politisches, aber auch mitunter witziges Spontanalbum. Das andere Album liegt vorerst auf Eis.

Die Gruppe, zu der die drei Brüder Johannes, Sebastian (beide Gesang und Gitarre) und Sascha Madsen sowie Niko Maurer (Bass) gehören, musste wegen des Lockdowns ihre Planung für 2020 ändern, da der ursprüngliche Studiotermin dem Virus zum Opfer fiel. Als endlich ein Termin mit dem Produzenten bevorstand, trudelte beim Drummer per Whatsapp eine neue Songidee von Sebastian ein. "Was ist das denn?", waren die erste Gedanken von Sascha. "Er sei aufgewacht und habe Lust auf Punk gehabt, erzählte mir mein Bruder auf Nachfrage. Das war null geplant, einfach ein Gefühl."

Der Schlagzeuger, der mit seiner Familie in Wien lebt, setzte sich ins Auto und machte sich auf den Weg in die Heimat der Gruppe, ins Wendland im östlichen Niedersachsen. "Wir haben gemeinsam weitere Songs dieser Art gemacht. Eines Tages kam unser alter Keyboarder Folkert Jahnke zu Besuch. Dem haben wir das vorgespielt. Er war begeistert. Aber wir wussten gar nicht, was mir mit den Songs machen sollten, welche Band das denn sei. Er schaute uns entgeistert an und sagt: 'Das ist natürlich Madsen.' Eigentlich logisch. In zwei Wochen war das Album fertig."

Die Spontanität habe gut getan, erzählte Sascha. "Die verliert man ja über die Jahre. Albumproduktionen sind dann geplant, man sammelt über Jahre Demos und wenn man das Gefühl hat, es könnte daraus was Gutes entstehen, holt man ein paar Leute dazu und plant das mal richtig. Genau das wollten wir mit diesem Album nicht. Wir alle haben auch viel mehr mitgeschrieben, weil wir alle zusammen waren. Das war noch gemeinschaftlicher als bei unserem Debüt ("Madsen" von 2005, Anm.)."

Die Punk-Attitüde sollte auch der Sound repräsentieren. Sascha: "Unseren Mischer kennen wir seit der Musikschule. Seine ersten paar Mixes des neuen Albums waren viel zu glatt. Wir haben gesagt: 'Ne Simon, mach Garage! Mach dreckig, mach laut! Mach weniger, damit es mehr wird!'"

Mit den Texten nehmen Madsen zu aktuellen Themen Stellung. Sie entstanden, "ohne viel darüber nachzudenken, ob man das so tun soll", betonte Sascha. "Sonst hat man Angst, wenn man sich politisch äußert. Oder es wird der erhobene Zeigefinger. Oder man verpackt es, bis die Hörer das gar nicht mehr als politisch verstehen. Jetzt also einfach gerade raus!"

Im Video zum Titelsong "Na gut dann nicht" brüllen Madsen u.a. Andreas Gabalier an, im Clip sind auch Dieter Bohlen, Michael Wendler, schunkelnde Bierzeltbesucher und Politiker zu sehen. "Die Welt, die diese Leute verkörpern, ist nicht echt. Dagegen wollten wir ein Zeichen setzen", begründete der Drummer.

Reaktionen erntete die Band für den Clip zum Song "Behalte deine Meinung". Viele würden den Text falsch verstehen, sagte Sascha. "Sie denken, das sei ein Lied gegen Meinungsfreiheit. Man muss genauer hinhören. Es geht nicht um die Meinung, die jemand hat, sondern um die Meinung, die sich jemand aufdrücken lässt. Im Video haben wir den 'typischen Deutschen' karikiert, der auf die Coronademo geht und sich weigert, Maske aufzusetzen. Da scheinen wir einen Nerv getroffen zu haben. Da gibt es Leute, die sich von dieser Karikatur angesprochen fühlen, das ist die größte Bestätigung für uns."

Quelle: Agenturen