Lisa Eckhart setzt nun auf christliche Nächstenhiebe
Nicht, dass die Angriffslust der steirischen Wahlleipzigerin gemindert wäre - von den Jungen über die Alten bekommt jeder sein Fett weg, schlägt sich Eckhart in ihrem markant nasalen Duktus doch auf keine Seite, sondern schlägt eher nach allen Seiten aus. Dennoch wirkt der gesetzte Rahmen konventioneller, erzählt die Kabarettistin letztlich doch vermeintlich von sich und ihrem Familienleben (von dem man nur inständig hoffen kann, dass es realiter nicht so abläuft). Ihre Figur der Kaiserin Stasi I. wird jedenfalls gleich zu Beginn des Abends fakebeerdigt, um endlich Ruhe zu haben.
Stattdessen sinniert Eckhart nun über die Veränderungen im Leben von Teenagern. Früher habe man sein Tagebuch mit kleinen Schlössern gesichert und wäre gestorben, wenn es jemand gelesen hätte. Heute stelle man es ins Internet und bringe sich um, wenn es niemand lese. Oder sie wundert sich über die Umkehr der Realitäten von Studierenden, die Drogen mittlerweile zum Lernen und Ingwertee zum Feiern nähmen.
Auf der anderen Seite des Altersspektrums hetze ihre Oma gegen Muslime und Transpersonen, trage aber selbst Kopftuch und Schnurrbart. Immerhin hätten Demente Momente der Klarheit, viele Gesunde nicht einmal das. Und wer solle eine Welt verstehen, in der das Standardargument gegen Politiker, Ausländer oder die Jugend sei: Die tun nichts - was beim eigenen Hund aber das größte Lob darstelle?
Christliche Nächstenhiebe
Da helfen vermutlich nur noch christliche Nächstenhiebe (andere Wange hinhalten und den Überraschungsmoment zum Tritt gegen das Schienbein verwenden). Und der Glaube an die Liebe. Die Romantik sei schließlich erst dahin, wenn die Frau vor dem Sex die K. O.-Tropfen freiwillig nehme.
Das ausverkaufte Globe-Rund dankte es seinem Star, der nun zahlreiche Österreichtermine absolviert, jedenfalls mit tosendem Applaus und Gelächter. Anders als der Deutsche gehe der Österreicher eben nicht zum Lachen in den Keller, so Eckharts Fazit. Vornehmlich allerdings, um die dort befindlichen Kinder nicht zu wecken.
(Von Martin Fichter-Wöß/APA)
(S E R V I C E - Weitere Aufführungen im Globe am 17. und 19. Februar, am 20. Februar im Linzer Brucknerhaus, am 21. Februar in der Grazer Helmut List Halle und am 22. Februar in Lannach. Sowie zahlreiche weitere Österreich-Termine bis in 2027. www.lisaeckhart.com/termine ; www.globe.wien/programm/ichwarmalwer )
Zusammenfassung
- Die 33-jährige Kabarettistin Lisa Eckhart feierte am Dienstag im ausverkauften Wiener Globe die Österreichpremiere ihres neuen Programms "Ich war mal wer".
- In ihrem neuen Bühnenprogramm bleibt Eckhart angriffslustig und nimmt mit satirischen Spitzen gesellschaftliche Gruppen wie Jugendliche, Studierende und ältere Generationen ins Visier.
- Das Programm tourt mit weiteren Terminen am 17., 19., 20., 21. und 22. Februar sowie vielen zusätzlichen Auftritten bis 2027 durch ganz Österreich.
