APA - Austria Presse Agentur

Kupferstich-Kabinett Dresden rüstet zur Jubiläumsschau

20. Mai 2020 · Lesedauer 4 min

Van Eycks einzige Zeichnung, seltene Goyas auf Elfenbein, Gemälde-Vorstudien von Rembrandt und Menzel: In edlen Holz- und modernen Archivschränken im Dresdner Residenzschlosses finden sich zahlreiche "Preziosen" auf Papier. Einen kleinen Einblick in den von Sachsens kunstsinnigen Fürsten begründeten Fundus gibt ab dem 12. Juni die Jubiläumsausstellung "300 Jahre Sammeln in der Gegenwart".

Van Eycks einzige Zeichnung, seltene Goyas auf Elfenbein, Gemälde-Vorstudien von Rembrandt und Menzel: In edlen Holz- und modernen Archivschränken im Dresdner Residenzschlosses finden sich zahlreiche "Preziosen" auf Papier. Einen kleinen Einblick in den von Sachsens kunstsinnigen Fürsten begründeten Fundus gibt ab dem 12. Juni die Jubiläumsausstellung "300 Jahre Sammeln in der Gegenwart".

Die Schau musste wegen des Corona-Lockdowns verschoben werden. Mit einem Online-Rundgang hatte Museumsdirektorin Stephanie Buck schon im April einen Vorgeschmack gegeben - mit einer "Parade der Kostbarkeiten" von der Federzeichnung bis zum Offset-Druck im Studiensaal. Das Reservoir der Meisterwerke umfasst gut eine halbe Million Zeichnungen, Aquarelle, Radierungen, Gouachen, Lithographien, Kupferstiche, illustrierte Bücher, Mappenwerke und Fotokunst, die den Ruf der Sammlung ausmacht. Die Arbeiten aus acht Jahrhunderten sind von hoher Qualität und oft einzigartig, sagt Buck.

Bis Mitte September werden rund 250 der oft sehr fragilen Schätze einen prominenten Einblick in den Fundus gewähren, der trotz digitaler Erfassung noch immer Entdeckungen birgt. So wurde unter Zeichnungen der deutschen Schule eine "Allegorie des Schlafs" von Taddeo Zuccari gefunden, einem der berühmtesten Maler des 16. Jahrhunderts in Rom. "Das war bis dato von der Wissenschaft kaum beachtet", sagt Konservatorin Gudula Metze. Überraschung auf der Rückseite: eine Studie des menschlichen Körpers.

Buck will künftig auch mit neuen digitalen Formaten größeren Einblick in den Bestand geben, der sich von einem Pergament aus dem 13. Jahrhundert bis zu Werken der Berliner Künstlerin Monika Grzymala von 2020 spannt, dazwischen Tierstudien von Cranach sowie Werke von Rembrandt, Caspar David Friedrich, Hermann Glöckner bis zu Georg Baselitz oder Wolfgang Tillmans. "Das Kabinett hat schon in der Vergangenheit Künstler sehr früh und manchmal vor allen anderen gesammelt, auch internationale wie Toulouse-Lautrec oder Goya", sagt Buck.

Schwerpunkte bei den Altmeistern sind ganz frühe Druckgrafik des 15. Jahrhunderts, im Barock Bernardo Bellotto und Giovanni Battista Piranesi mit frühen Druckzuständen. "Wir haben zwei ganz seltene Goyas auf Elfenbein, den einzigen van Eyck und drei Grünewald-Zeichnungen", sagt Buck. Dazu die Romantiker oder, international viel beachtet, Käthe Kollwitz. "Für unsere Grafik aus der DDR kommen Forscher sogar aus Harvard."

"Dresden nimmt eine wirklich herausragende Position auch unter den großen grafischen Sammlungen in Deutschland ein, wegen ihrer Geschichte und dem Brückenschlag in die Gegenwart", sagt die Sprecherin des Netzwerks Grafische Sammlungen, Barbara Strieder. Ihre Besonderheit liege zudem darin, dass sie alte Kunst bewahrt, aber auch den Blick über den Tellerrand und auf den Umgang heutiger Künstler mit dem Medium Papier richtet.

Hier können bedeutende Künstler im grafischen Bereich von Schongauer und Dürer über Correggio, Rembrandt und Rubens bis zu Dix oder Picasso studiert werden. Neben den kostbaren alten Stücken wächst der Anteil moderner Kunst, mit der "Brücke" beginnend umfasst er Zeichnungen, grafische Blätter und Fotografien des 20. und 21. Jahrhunderts. Auch Gegenwartskunst ist gut vertreten mit Zeichnungen, grafischen Werken und Mappen, über erste Fotografien und einen der ersten Farbstiche bis zur Computergrafik.

Neben der mit 500 Werken weltgrößten Kollektion von Hermann Glöckner ist die Künstlerische Fotografie ebenso prominent vertreten mit Evelyn Richter oder Candida Höfer. Das Kabinett profitierte laut Buck stets auch von der Leidenschaft seiner Direktoren und Kuratoren, von mit ihm verbundenen Sammlern und förderte zeitgenössische Künstler.

Der Fundus für Papierarbeiten ist schon seit 1728 auch für Besucher zugänglich. "Man hat Schätze, man zeigt sie, man entdeckt Neues und fügt es der Sammlung hinzu", sagt Buck. Schon damals habe es ein exzellentes Wissen um druckgrafische Qualitäten gegeben. Der erste Direktor war Leibarzt des Kurfürst-Königs August der Starke und vielseitig gebildeter Naturwissenschaftler, auf ihn folgte ein Druckgrafikexperte.

Dresden ist zudem eines der ganz wenigen Museen, die auch osteuropäische Grafik und bereits seit dem 18. Jahrhundert Ostasiatika sammeln: "Wir haben China, wir haben Japan, wir haben Indien." Dazu komme die mögliche Zusammenschau und Nähe zu den Gemälden in der Galerie Alte Meister und im Albertinum, was auch Austausch und Dialog möglich macht.

"Wir sind ein altes Kabinett, aber immer auch modern", sagt Buck unter Verweis auf Diplom-, Bachelor- und Masterarbeiten, die am Haus entstehen. Auch deshalb ist das Spezialmuseum recht gut digital unterwegs, aber eben nicht sonderlich laut. "Wir sind ein Elefant mit Tarnkappe, man muss nur erstmal über die Schwelle kommen."

(S E R V I C E - https://kupferstich-kabinett.skd.museum)

Quelle: Agenturen