Kunsthalle Wien zeigt politische Kunst von Sanja Iveković

04. Okt. 2022 · Lesedauer 3 min

Die zusammengeknüllten roten Papierkugeln im Stiegenhaus sind nicht vom letzten Fest liegengeblieben, sondern bereits Teil der neuen Ausstellung der Kunsthalle Wien. Sie weisen den Weg zur Personale "Sanja Iveković. Works of Heart (1974-2022)", die in vieler Hinsicht paradigmatisch für die Arbeit des Kollektivs "What, How html5-dom-document-internal-entity1-amp-end for Whom" ist, das seit 2020 die Kunsthalle leitet. Bei der laufenden Neuausschreibung werde man sich wieder bewerben, sagte Co-Direktorin Ivet Curlin.

Mit ihrer Verbindung von ästhetischen und politischen Positionen steht die 73-jährige in Zagreb lebende Iveković für Vieles, das Curlin und ihren Kolleginnen Sabina Sabolovic und Natasa Ilic wichtig ist. "Sie hat unsere Arbeit als Kollektiv entscheidend geprägt", sagte Curlin. Sie könne sich gut an die 1997 erstmals gezeigte Arbeit "Gen XX" erinnern, bei der Plakate mit berühmten Models dazu dienten, Lebensgeschichten junger antifaschistischer Kämpferinnen (darunter die Mutter der Künstlerin, Nera Safaric-Iveković, die 1942 nach Auschwitz verschleppt wurde) des Zweiten Weltkriegs zu verbreiten. "Sanja Iveković beeinflusste mit dieser Arbeit nachhaltig meinen Blick auf Kunst", so Curlin. "Gen XX" ist Teil der retrospektiv angelegten Schau, die einen Überblick über die emblematischen Arbeiten der Kroatin gibt, die in Jugoslawien mit ihren feministische und aktivistischen Positionen immer wieder für Aufsehen sorgte, aber auch in Österreich arbeitete. "Auch deshalb ist es an der Zeit, dass es eine große Werkschau in Wien gibt."

Kuratorin Zdenka Badovinac wies darauf hin, dass es in den Arbeiten von Iveković keineswegs nur um Geschlechterfragen gehe, sondern die Auseinandersetzung mit Faschismus und Nationalismus, sozialer Ungleichheit und staatlicher Unterdrückung, der Arbeit von Werbeindustrie und Massenmedien ebenfalls kontinuierlich in ihrem Werk zu finden sei. "Dieselben Themen sind immer präsent - sie wechseln nur die Form." Die Plakatserie "Frauenhaus (Sonnenbrillen)", bei der Sonnenbrillen nicht als modische Accessoires, sondern zur Abdeckung erlittener Verletzungen dienen, wird in Kooperation mit der Brunnenpassage am Yppenplatz auch im öffentlichen Raum gezeigt. Eine mit dem Tänzer und Performer Mitja Obed entwickelte neue Performance zur Mutter-Tochter-Beziehung, die in Iveković' Arbeit immer wieder thematisiert wird, wird morgen, Mittwoch (19 Uhr) in der Kunsthalle aufgeführt.

Der Ausstellungstitel "Works of Heart" bezieht sich auf eine gleichnamige Arbeit aus dem Jahr 2001, als Iveković in einer alten Ausgabe der "New York Times" eine Schmuckanzeige unmittelbar neben einem Foto einer blutenden Frau, die beim Massaker auf dem Marktplatz von Sarajevo verletzt wurde, platziert fand. Und auf den roten Papierbögen, die zerknüllt auch den Boden der Ausstellungshalle bedecken, ist doppelseitig die Zusammenfassung eines NGO-Berichts über geschlechtsspezifische Gewalt gegen geflüchtete Frauen in Österreich abgedruckt.

Die Bewerbungsfrist für die künstlerische Leitung der Kunsthalle Wien endet am 31. Oktober. Noch habe man die Bewerbung nicht abgegeben, werde dies aber sicher machen, versicherte Ivet Curlin im Gespräch mit der APA. Man habe zwar wegen der Coronapandemie eine sehr schwierige Zeit hinter sich, sei aber sehr herzlich in der Stadt aufgenommen worden, arbeite mit einem wunderbaren Team und habe mit dem Ausstellungsprogramm lokal wie international sehr gute Rezeption erfahren. "Wir möchten weitermachen!"

Am 5. November gibt es in jedem Fall Grund zu feiern: Der 30. Geburtstag der Kunsthalle wird von 11 bis 24 Uhr mit vielen Veranstaltungen bei freiem Eintritt gefeiert, um 19 Uhr ist ein Festakt geplant.

(S E R V I C E -"Sanja Iveković. Works of Heart (1974-2022)", Ausstellung in der Kunsthalle Wien, 4. Oktober bis 12. März 2023, Di-So 11-19 Uhr, Do 11-21 Uhr, www.kunsthallewien.at)

Quelle: Agenturen