Kunst in Gewaltkontexten: Babler kündigt Expert*innen-Rat an
Wie auch der "Standard" am Montag berichtet, will der Vizekanzler den Umgang mit Werken von Otto Muehl prüfen lassen. "Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie wir aufarbeiten", heißt es in einer Aussendung aus dem Minister-Büro. "'Zeitgeist'-Relativierung, Werk-Person-Trennung und selektives Zeigen von Werken greifen zu kurz." Versuche des Umgehens, des Wegwischens und Ignorierens würden "den Menschen nicht gerecht, die Missbrauch erlitten haben, und Gerechtigkeit schulden wir." Anstoß für die Gründung des Expert*innen-Rats auf Ebene der Bundesmuseenkonferenz seien "die anhaltenden Debatten um die Werke Otto Mühls, von denen in den Sammlungen der Bundesmuseen zum Teil große Bestände vorhanden sind". Muehl wurde in den 1990er-Jahren wegen Unzucht und Beischlaf mit Minderjährigen und Vergewaltigung in der sogenannten Muehl-Kommune zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Otto Muehl starb 2013.
Einen Maßstab in der kuratorischen und wissenschaftlichen Aufarbeitung habe die Kunsthistorikerin Marie-Therese Hochwartner in Kooperation mit der Gruppe "Mathilda" im Rahmen der Ausstellung "Vom Kunstwerk zum Artefakt" und dem laufenden Forschungsprojekt "Wiener Aktionismus revisited" am mumok gesetzt, so Babler. Die Frage nach dem Umgang mit Kunst in Gewaltkontexten sei dabei nicht auf den Fall Otto Muehl beschränkt.
"Wir haben eine zweifache Verantwortung: Die Verantwortung gegenüber Betroffenen von Gewalt zur Aufarbeitung und zur Kontextualisierung. Das ist eine Frage des Respekts gegenüber den Menschen", so Babler. "Und wir haben eine Verantwortung gegenüber der Kunst, hier behutsam, mit offenem Blick neue Wege zu gehen. Wegschauen und Verdrängen, indem wir problematische Werke im Lager verstauben lassen, ist keine Auseinandersetzung, sondern ihr Gegenteil."
Statt der geplanten Retrospektive im Wiener Aktionismus Museum will Schröder nun einzelne Schaffensperioden Muehls zeigen, bei denen "die Qualität des Werks sichtbar" werden solle, "ohne den Künstler von seiner Schuld freizusprechen", hieß es Ende Jänner im "Standard".
Zusammenfassung
- Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) kündigt einen Expert*innen-Rat zum Umgang mit Kunst in Gewaltkontexten an, nachdem Debatten um Werke von Otto Muehl, der in den 1990er-Jahren wegen Sexualdelikten verurteilt wurde, erneut aufgeflammt sind.
- Der Rat soll auf Ebene der Bundesmuseenkonferenz eingerichtet werden, da in den Sammlungen der Bundesmuseen große Bestände von Muehl-Werken vorhanden sind und bisherige Strategien wie Werk-Person-Trennung als unzureichend gelten.
- Statt einer geplanten Retrospektive im Wiener Aktionismus Museum sollen künftig einzelne Schaffensperioden Muehls gezeigt werden, wobei die Qualität der Werke sichtbar gemacht werden soll, ohne den Künstler von seiner Schuld freizusprechen.
