APA/APA/ROLAND SCHLAGER/ROLAND SCHLAGER

Ein Babysitter, der mit Bären kämpft: Stermanns "Maksym"

15. Juli 2022 · Lesedauer 3 min

Die Ehefrau zieht aus, ein grobschlächtiger, ukrainischer Babysitter zieht ein. Mit feinsinnigem Humor schildert der echte Dirk Stermann, wie es dem fiktiven Dirk Stermann mit dem Titelhelden im neuen Buch "Maksym" ergeht. Unterhaltsam wie eh und je schließt der Kabarettist an Vorgänger wie das vor mittlerweile zwölf Jahren erschienene "6 Österreicher unter den ersten 5" an. Das Buch erscheint am Dienstag, am Sonntag liest der Autor im Wiener Theater im Park erstmals daraus.

Im Zentrum stehen ein fiktives Ich mit einem wohl ebenso fiktiven Sohn Hermann und einer fiktiven Ehefrau Nina, merkt der Kabarettist im Nachwort doch an, dass der Roman "überwiegend frei erfunden" sei. Wie er Geschehnisse beschreibt, eingebettet in verifizierbare Punkte seines Lebenslaufs - wie die von ihm und Kollegen Christoph Grissemann gestaltete FM4-Sendung "Salon Helga" oder die nicht näher bezeichnete wöchentliche "Fernsehsendung" - mag man ihm vieles glauben.

Nicht wahr sei jedenfalls ein Treffen mit der Zeitzeugin Erika Freeman auf einer New Yorker Parkbank. Manchmal schreibe man über Dinge, die man noch erleben wird, zitierte Stermann ein tatsächliches Gespräch mit der Psychoanalytikerin, die seinem Sohn Hermann im Buch eine "Bambi"-Ausgabe kaufen will.

Aber auch Abstruseres ist dabei. Es gehört viel Pech dazu, sein Kind einer Frau mit Münchhausen-Syndrom anzuvertrauen. Das war das erste Kind. Beim zweiten - der Sohn mit dem klingenden Namen Hermann Stermann, den der Protagonist mit seiner viel jüngeren Frau bekommt - will er diesen Fehler nicht wiederholen. In der Gestaltung seines Arbeitslebens, das für den Kabarettisten aus zahllosen abendlichen Auswärts-Terminen besteht, schlägt sich der gute Vorsatz allerdings nicht nieder. Das weiß auch der Autor und Protagonist selbst: "Heute sagen Männer: 'Ich bin für eine 50/50-Aufteilung.' Sagen es und verlassen das Haus", lautet die Selbsterkenntnis des älteren Vaters.

Und auch sonst zeichnet Stermann ein Bild von seinem Alter Ego, das sich wenig für Werbezwecke eignet. Künstlerin Nina entscheidet über seinen Kopf hinweg, den Vollzeitjob Mutter aufzugeben und zum Arbeiten nach New York zu gehen. Als ihm die Auswahl der Babysitterin mit dem meisten Sex-Appeal verwehrt wird, baut der Protagonist zwischen ihm und dem erfolgreichen Bewerber eine Mauer an Vorurteilen. Womit wir wieder bei abstrus wären.

Denn Titelheld "Maksym" sei - so Stermann im Buch - "so süß wie ein Eisenrohr oder ein Baseballschläger". Beim Thema "ukrainischer Babysitter" rennen seine Gedanken zu Waffenhändlern und der Mafia - Stereotype, die die Gesellschaft post Kriegsbeginn in der Ukraine eigentlich kollektiv ad acta gelegt hat. Trotz der Flut junger Frauen, die für den Job bereitstehen würden, zieht Maksym samt Boxsack bei den Stermanns ein.

Trotz oder gerade wegen seiner tatsächlich rauen Art und den Verbindungen zur mit Bären kämpfenden Unterwelt kommt der Ukrainer beim Sohnemann an - so gut, dass der Vater eifersüchtig wird. Doch Maksym hat ein gutes Herz - eine Erkenntnis, auf die Stermann erst stößt, als ihm Beziehungsprobleme und Schreibblockade über den Kopf wachsen.

"Schriftsteller ist man, wenn man den Büchnerpreis gewinnt, und nicht, wenn man für die Romy nominiert wird", sagt im Buch jemand zu Stermann. Der reagiert wie so oft mit einer gekonnten Pointe. Gut so, will man sagen, denn "Maksym" besticht mit Einfallsreichtum, Witz und der gar nicht so versteckten Aufforderung, die Vaterpflichten ernst zu nehmen - auch ohne Büchnerpreis.

(S E R V I C E - Dirk Stermann: "Maksym", Rowohlt, 320 Seiten, 23,70 Euro)

Quelle: Agenturen