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Künstler und "Standard"-Gründer Oscar Bronner ist 80

14. Jan. 2023 · Lesedauer 5 min

Der Name Oscar Bronner ist untrennbar mit Qualitätsjournalismus verbunden. Mit den Gründungen von "Der Standard", "profil" und "trend" schrieb sich der Medienmacher in die österreichische Zeitungs- und Magazinlandschaft ein. Dennoch sieht sich Bronner, der am heutigen Samstag 80 wird, eher als Künstler mit Brotberuf Journalismus. Seit Jahren widmet er sich fast ausschließlich der Malerei und Bildhauerei, steht aber für Rückfragen als "Standard"-Herausgeber bereit.

Der am 14. Jänner 1943 in Haifa geborene Sohn des 2007 verstorbenen Kabarettisten, Komponisten und Schriftstellers Gerhard Bronner kann auf eine abwechslungsreiche Karriere zurückblicken. Nachdem die Familie 1948 aus dem Exil nach Österreich zurückkehrte, studierte Bronner Soziologie, Philosophie und Psychologie in Wien und sammelte erste journalistische Berufserfahrung bei den Tageszeitungen "Express" und "Kurier". Bei letzterem engagierte er sich auch für das ORF-Rundfunkvolksbegehren. Für großes Aufsehen sorgte Bronner bereits als junger Journalist in der Zeitschrift "Forum", wo er Artikel über die NS-Vergangenheit österreichischer Richter und geringe Strafen für den Eichmann-Gehilfen Franz Novak veröffentlichte.

Im Jänner 1970 gründete er den "trend". Im Editorial schrieb Bronner damals, Wirtschaftspublizistik sei eine heikle Sache, er vertraue aber darauf, dass es genügend mündige Personen gebe, die "an einer unabhängigen, kritischen und modernen Wirtschaftsberichterstattung interessiert sind". Kurze Zeit darauf, im September 1970, erblickte "profil" damals noch als Monatsmagazin das Licht der Welt. Das Nachrichtenmagazin zeichnete sich durch einen frechen und aufmüpfigen Stil aus. Es schonte niemanden. So kam es, dass so manche Ausgabe behördlich beschlagnahmt wurde.

Heute kämpft das Magazin mit sinkenden Auflagezahlen. "Sie haben einiges verschlafen, was mir sehr leid tut. Mal schauen, ob sie das Ruder herumreißen können", hielt Bronner dazu jüngst gegenüber der APA fest. Verantwortlich ist er schon lange nicht mehr für "profil", verkaufte er doch 1974 den Wirtschafts-Trend-Zeitschriftenverlag und ging auf "ein halbes Jahr" nach New York.

Aus dem halben Jahr sollten 13 Jahre werden, in denen er als Zeitungsleser von der "New York Times" verwöhnt wurde und sich seiner Malerei widmete. "Da konnte ich mir wieder nicht vorstellen, das jemals aufzugeben, um noch eine Zeitung zu machen", erinnerte sich Bronner 2011 in einem Interview. Es sollte allerdings anders kommen, denn 1988 setzte Bronner seine Idee von einer "liberalen Tageszeitung mit Weltformat" in die Tat um und gründete den "Standard", der erstmals am 19. Oktober desselben Jahres erschien. Die erste österreichische Zeitungsgründung seit 16 Jahren sorgte für einiges Aufsehen. Bronner orientierte sich mit der Tageszeitung an der "New York Times". "Das Vorbild für mich war, anständigen Journalismus zu machen: unabhängig, überparteilich, ohne versteckte Interessen und auf Augenhöhe mit den Lesern. In all diesen Aspekten haben wir der 'New York Times' vom ersten Tag entsprochen", so Bronner, der betonte, dass man nie selbstzufrieden sein dürfe. So arbeite "Der Standard" täglich daran, "noch besser zu werden".

Sein Name prangt seit eh und je auf jeder Titelseite des "Standard" - aber nicht aus Eitelkeit, wie Bronner, der sich ungern selbst vermarktet, sagte: "Der Grund war, dass wir bei der Gründung in Partnerschaft mit dem Axel Springer Verlag waren. Dieser hatte einen gewissen Ruf. So dankbar ich war, dass er bei der Gründung geholfen hat, sollte klar sein, dass es keine Springer-Zeitung ist." 1995 kaufte er die Anteile des Springer Verlags am "Standard". Im selben Jahr ging www.derstandard.at online, womit Bronners Zeitung als erste im deutschsprachigen Raum einen Auftritt im Internet hatte.

1998 übernahm der Süddeutsche Verlag 49 Prozent an der Zeitung, womit Bronner einen Bankkredit tilgen konnte. Pünktlich zum 20. Geburtstag 2008 kaufte Bronner aber auch diese Anteile wieder zurück. "Wir sind in einem so stark konzentrierten Markt eine Art gallisches Dorf, das auf niemanden Rücksicht nehmen muss", kommentierte der Herausgeber den Rückkauf. "Das ist mir sehr sympathisch." Im selben Jahr lehnte Bronner, der zwischendurch auch Vizepräsident des Verbands Österreichischer Zeitungen war, den Sonderpreis des "Österreichischen Journalist" für sein Lebenswerk ab, da "Krone"-Kolumnist Michael Jeannee ebenfalls geehrt werden sollte. Dieser repräsentiere "eine Form des Journalismus [...], die meinem Lebenswerk diametral entgegensteht", begründete Bronner seine Verweigerung.

2014 zog sich Bronner, der auch als Präsident des Österreichischen Presserats agierte, aus dem operativen Geschäft beim "Standard" zurück. Die Geschäfte der Zeitung führt heute sein Sohn Alexander Mitteräcker. Als Herausgeber ist Bronner aber nach wie vor tätig, wacht über die Blattlinie und steht für Fragen zur Verfügung.

Den Großteil seiner Zeit widmet er seit Jahren der Malerei und Bildhauerei und damit seiner eigentlichen Berufung, wie er sagt. Denn Journalismus sei lediglich sein Brotberuf. "Für viele Menschen bin ich der erfolgreiche Zeitungsmacher, der eben ein Hobby hat. Dass das für mich eher umgekehrt ist, ist schwer vermittelbar. Aber da kann man nichts machen", so Bronner. Er habe gelernt, damit zu leben.

Derzeit betätigt er sich als Bildhauer. Er arbeite in Serien und müsse die gegenwärtige ausschöpfen, bevor er wieder zur Malerei zurückkehren könne, erklärte er. Letztere betreibt er oft mit den bloßen Fingern und nur solange die aufgetragene Farbe noch nass ist, da er ansonsten dazu tendiert, ein Bild solange zu korrigieren, bis es sein Leben verliert.

Im Jahr 2018 waren Bronners Werke zuletzt in einer Einzelausstellung in Wien zu sehen. Die nächste ist noch nicht in Planung. "Aber ich hoffe, dass bald wieder eine stattfindet", meinte er. Einige Bilder und Skulpturen haben sich angesammelt.

Quelle: Agenturen