APA - Austria Presse Agentur

Komödie als Nummernrevue: "Bunbury" im Akademietheater

24. Mai 2021 · Lesedauer 3 min

Ist das ihr Ernst? Das beginnt man sich im Akademietheater zu fragen, als Oscar Wildes berühmte Komödie "The Importance of Being Earnest" nicht und nicht abhebt, sondern vor der Feuermauer eine überdrehte Einlage nach der anderen abgeliefert wird. Tatsächlich hat Regisseur Antonio Latella, der mit einem Großteil seines Leading Teams nicht bei der gestrigen Premiere seiner Inszenierung dabei sein konnte, eine knallige Nummernrevue erarbeitet, die nicht und nicht zünden will.

Das Stück um die beiden Freunde Algernon und Jack, die sich mit dem erfundenen liederlichen Bruder Ernst und dem erfundenen kranken Freund Bunbury Alibis für ihre Doppelleben verschaffen, ist eine höchst vergnügliche Gesellschaftssatire mit sprühenden Dialogen. Mit Freuden erinnert man sich an die Jelinek-Fassung "Ernst ist das Leben (Bunbury)" 2005 im Akademietheater, als Michael Maertens und Roland Koch in den Hauptrollen brillierten, oder an Hubsi Kramars Inszenierung 2010 im 3raum-anatomietheater, als der große Provokateur, der einem guten Effekt noch nie freiwillig aus dem Weg gegangen ist, das Stück tatsächlich ernst nahm und damit ganz zur Wirkung brachte. Enttäuschend ist dagegen nun das Resultat der Arbeit des Italieners, der 2014 mit "Die Wohlgesinnten" am Schauspielhaus Wien für einen "Nestroy" nominiert und 2020 mit seiner am Residenztheater erarbeiteten Version der "Göttlichen Komödie" zum Theatertreffen eingeladen war.

Latellas "Bunbury"-Inszenierung, die ursprünglich im November hätte herauskommen sollen, spielt vor der nackten Feuermauer des Akademietheaters, verzichtet fast zur Gänze auf ein Bühnenbild und setzt ganz auf opulente Kostüme (Grazielle Pere) und ausgewalzte Ideen. Eine davon ist die Ausrufung von "Gay Moments" durch den Butler, Spielleiter und zeitweiligen Regieanweisungen-Einleser Marcel Heuperman - und tatsächlich werden nicht nur kostümtechnisch Algie und Jack (Tim Werths und Florian Teichtmeister) sowie Gwendolen und Cecily (Mavie Hörbiger und Andrea Wenzl) als die eigentlich idealen Paare angedeutet. Das wäre eine, wenngleich nicht neue, Deutung, die aber durch immer wieder neue Einfälle überdeckt wird.

Jedem gönnt Latella mindestens eine große Nummer, aber bloß Mavie Hörbiger nutzt ihre Chance mit Bravour: Ihr Rampen-Solo zu den Verzückungen, die der Vorname Ernst ihr bereitet, ist ein Kabinettstück, dem man gerne zusieht. Andere Einlagen wie eine sechsmalige Auftritts-Wiederholung, Übungen an der Ballett-Stange oder eine A-Capella-Nummer nerven. Was es bringen soll, ohnedies bereits schrille Charaktere wie Lady Bracknell (Regina Fritsch) zur aufgedonnerten Schreckschaube zu machen, ist unklar. Da verzeiht man schon eher, dass Miss Prism (Mehmet Atesci) und Pastor Chasuble (Max Gindorff) in Glitzersakkos gesteckt werden, schließlich zählen tadellos choreografierte Revue-Einlagen (Francesco Manetti) zu den Fundamenten des Konzeptes, das mit Fortdauer des zwei Stunden 45 Minuten dauernden Abends immer lähmender als überzeugender wird.

Das Publikum, das kurz zuvor brav beim chorischen Verlesen der Abschluss-Dialoge mitgemacht und danach höflich Beifall gespendet hatte, musste sich beim Verlassen des Saales vom Publikumsdienst reihenweise den Einsatz geben lassen. Da man zur Pause beim selben Vorgang jedoch genau darauf verzichtet hatte, war dies am Ende ein weiterer, absurder Moment, der erneut die Eingangsfrage aufwarf: Ist das ihr Ernst?

(S E R V I C E - "Bunbury" von Oscar Wilde, Übersetzung: Rainer Kohlmayer, Regie: Antonio Latella, Bühne: Annelisa Zaccheria, Kostüme: Grazielle Pere, Musik: Franco Visioli, Choreografie: Francesco Manetti. Mit: Andrea Wenzl, Mehmet Atesci, Florian Teichtmeister, Tim Werths, Max Gindorff, Marcel Heuperman, Regina Fritsch und Mavie Hörbiger. Akademietheater. Nächste Vorstellungen: 24., 25.5., 4., 15., 17.6., Kreditkartenhotline: 01 / 514 44 4545, www.burgtheater.at)

Quelle: Agenturen