KI schwächelt im Bereich der künstlerischen Intelligenz
Nachdem große Sprachmodelle (LLMs) bzw. generative KI im sprachlichen und auch im Foto-Bereich bereits vergleichbare Ergebnisse erzielen, wie es Menschen zu leisten im Stande sind, hat sich ein Team um Forschende von der Kognitions- und Gehirnforschungsgruppe an der Universität von Barcelona daran gemacht, die Fähigkeiten von KI-Systemen bei visuell-kreativen Aufgaben zu untersuchen. Wie es um die Möglichkeiten von generativer KI bestellt ist, mehr oder weniger erfindungs- bzw. einfallsreiche Zeichnungen zu erstellen, sei nämlich bisher wenig untersucht worden, schreibt das Team um die Erstautorin der Studie, Silvia Rondini, und Co-Studienleiter Xim Cerdá-Company. Mitbeteiligt waren mit Paula Angermair Barkai und Matthew Pelowski auch u.a. an der Fakultät für Psychologie an der Universität Wien tätige Wissenschafter.
Im Rahmen der Untersuchung gab das Team einerseits Menschen - 272 bildenden Künstlerinnen und Künstlern, sowie 276 nicht künstlerisch Ausgebildeten - und einem mit Zeichnungen von Menschen trainierten KI-System, das unter zwei verschiedenen Bedingungen arbeitete, sehr rudimentäre, abstrakte Reize, auf deren Basis sie Zeichnungen anfertigen sollten. Das waren in der Regel einzelne oder wenige Linien auf einem weißen Untergrund, die als Stimulus für eine Zeichnung dienten. Die beiden KI-Bedingungen unterschieden sich dadurch, dass das KI-System einmal ein Beispiel geliefert bekam, welche Idee ein Mensch zu der abstrakten Angabe hatte, in der zweiten Bedingung es hingegen kein von Menschen generiertes Anschauungsmaterial gab.
Die Kreativität der so entstandenen Bilder wurde dann von 255 menschlichen Gutachtern und vom KI-System "GPT-4o" - sozusagen als Quasi-KI-Gutachter - eingeordnet. Bewertet wurden fünf Aspekte: Das Gefallen, die Lebendigkeit, Originalität, Ästhetik sowie die durch das Gesehene erweckte Neugierde. Die mit Abstand höchsten durchschnittlichen Punktezahlen erzielten die bildenden Künstlerinnen und Künstler. Danach folgten die Menschen ohne weitergehende künstlerische Bildung. Das KI-System mit menschlicher Hilfestellung landete auf Rang drei, während der KI-Kollege ohne humane Anleitung abgeschlagen auf dem letzten Platz rangierte, wie es in der Publikation heißt.
Kratzer am Bild von KI als quasi-kreativem Akteur
Cerdá-Company spricht in einer Aussendung der Uni Barcelona von einer "schwachen Leistung bei der Erstellung kreativer Bilder" seitens der KI, die ohne menschliche Unterstützung eben sogar nochmals deutlich schlechter ausfiel. Momentan werde Kreativität von KI "nahezu ausschließlich anhand von verbaler Kreativitätsaufgaben bewertet", so der Forscher. Das verzerre die Ergebnisse und stelle KI oft als "kreativen Akteur" dar: "Mit einem neuen Ansatz und durch eine direkte Bewertung des kreativen Prozesses - von der Ideenfindung bis zur Umsetzung - konnten wir nun zeigen, dass dies nicht zutrifft."
Man sehe in diesem Studiensetting und bei dieser Zielsetzung, dass solche Systeme "noch weit davon entfernt" seien, "eigenständige kreative Prozesse nachzubilden", so der Kognitionsforscher Antoni Rodríguez-Fornells. Letztlich zeige sich im Rahmen der Studie einmal mehr, "dass KI direkt von unserem Eingreifen abhängt".
(S E R V I C E - https://doi.org/10.1002/advs.202524142 )
Zusammenfassung
- Eine Studie mit 272 Künstlern, 276 Laien und zwei KI-Systemen zeigt, dass Menschen bei kreativen Zeichenaufgaben deutlich besser abschneiden als Künstliche Intelligenz.
- Die Bewertung von 255 Gutachtern in fünf Kategorien ergab, dass Künstler die höchsten Punktzahlen erzielten, gefolgt von Laien, während KI-Systeme – besonders ohne menschliche Hilfe – am schlechtesten abschnitten.
- Die Forschenden betonen, dass KI-Systeme noch weit davon entfernt sind, eigenständige kreative Prozesse nachzubilden, und weiterhin stark vom menschlichen Eingreifen abhängen.
