APA - Austria Presse Agentur

Karola Kraus: Erfolgsgeschichte des mumok vorerst gestoppt

22. Jan 2021 · Lesedauer 4 min

2021 stehen im Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien (mumok) zwei Jubiläen an: 40 Jahre Österreichische Ludwig-Stiftung und 20 Jahre mumok im Museumsquartier. Am Samstag (23. Jänner) feiert die seit Herbst 2010 amtierende Direktorin Karola Kraus ihren 60. Geburtstag. Beinahe gäbe es einen Doppel-Geburtstag - das mumok wird jedoch erst im nächsten Jahr 60. Doch Feierstimmung ist im Museum ohnedies nicht angesagt. Schuld ist das Coronavirus.

Sie habe einige Bekannte mit schweren Covid-19-Krankheitsverläufen, halte sich strikt an die geltenden Schutzbestimmungen und werde am Samstag daher nur zu zweit mit ihrem Mann feiern, sagt Kraus im Gespräch mit der APA. "Vielleicht kann ich ja im Sommer ein Fest nachholen." Prognosen für die kommenden Monate abzugeben fällt allerdings schwer. Soeben wurde der im Dezember bekannt gegebene Ausstellungsplan wieder umgeworfen. Die große Jubiläumsausstellung "Enjoy", die auf fast allen Ebenen des Hauses die Geschichte der mumok-Sammlung darstellen soll, wird voraussichtlich verschoben, auch die übrigen Vorhaben wandern zeitlich nach hinten. Dafür sei man in den Endverhandlungen, die aktuelle Ausstellung von Andy Warhol noch einmal zu verlängern. Ob die Wiedereröffnung der Museen tatsächlich am 8. Februar erfolgen kann, sieht die Direktorin freilich noch keineswegs gesichert: "Natürlich hätte ich lieber gestern als morgen wiedereröffnet, aber wenn es die Infektionszahlen nicht zulassen, müssen wir das respektieren."

2020 wurde mit einem Besucherminus von 60 Prozent und einer Umkehr der Besucherstruktur abgeschlossen: Kamen zuvor nur 40 Prozent der Besucher aus dem Inland, sind es nun 60 Prozent. "Das österreichische Publikum ist uns treu geblieben, sagt Kraus und verweist auf die 289.000 Besucher, die man 2019 gezählt habe. "Das war in Hinblick auf Besucherzahlen und Ticketerlöse unser erfolgreichstes Jahr. Durch die Coronakrise wurde unsere Erfolgsgeschichte vorerst gestoppt. Unser Ziel ist es, das mumok wieder dorthin zu bringen." Der Wien-Tourismus prognostiziert jedoch Vor-Krisen-Niveau frühestens 2023. Der Kunstbetrieb habe in den vergangenen Jahren vor allem auf Blockbuster-Ausstellungen und räumliche Expansionen gesetzt. "Die Erfüllung eines rein kommerziell orientierten Blockbuster-Programms war nie unser Anliegen, und daher ist das mumok auf eine Zukunft vorbereitet, in der die weitere Boulevardisierung von Museen in Frage gestellt wird. Die Krise birgt die Chance, die Bildungs- und Aufklärungsfunktion der Künste zu stärken und zu betonen."

2010 wurde die 1961 St. Georgen im Schwarzwald geborene Tochter der renommierten deutschen Sammler Anna und Dieter Grässlin, die Kunstgeschichte, neuere deutsche Literatur und klassische Archäologie in Stuttgart und München studierte, 1999 nach Tätigkeiten u.a. in der Sammlerberatung und als Managerin der Künstlerin Katharina Sieverding die Leitung des Kunstvereins Braunschweig übernahm und ab 2006 die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden leitete, von Ministerin Claudia Schmied (SPÖ) als neue mumok-Direktorin vorgestellt. Sie galt als aktive Netzwerkerin mit besten Kontakten zu Künstlern und Sammlern und einem klaren Sinn für Wirtschaftlichkeit. Die familiäre Nähe zum Kunst- und Sammelmarkt wurde später freilich immer wieder von Kritikern gegen sie ins Treffen geführt. Doch im Vorjahr wurde ihr Vertrag von Kurzzeit-Kunststaatssekretärin Ulrike Lunacek (Grüne) nach zwei Amtsperioden für weitere fünf Jahre verlängert.

"Sie hat neue Perspektiven für die Weiterentwicklung des Hauses", begründete Lunacek damals die Wiederbestellung. Dazu zählte u.a. der dringende Wunsch nach einer Flächenerweiterung des Museums. Sind die damaligen Pläne nun Makulatur? "Ich hoffe nicht. Natürlich ist mir bewusst, dass sich die Rahmenbedingungen dafür verschlechtert haben. Doch das mumok verfügt über wesentlich geringere Ausstellungsflächen als internationale Museen mit vergleichbaren Aufgaben. Um die großartigen Sammlungsbestände in Dauerausstellungen präsentieren zu können, muss der Ausbau der Ausstellungsflächen höchste Priorität erhalten." Man habe drei unterschiedliche Konzepte für die Erweiterung erarbeitet, über die man mit der Politik sprechen werde.

Auf ihre bisherigen zehn Jahre als mumok-Chefin blickt Karola Kraus nicht ohne Stolz zurück: Dabei sei es etwa neben großen Kooperationsprojekten mit internationalen Museen gelungen, die Sammlung durch Schenkungen, Dauerleihgaben und Ankäufe um rund 1.500 teils kapitale Werke zu vergrößern und dabei den Frauenanteil zu erhöhen sowie den Fokus auf osteuropäische Positionen zu legen. Für die Post-Corona-Zeit sieht Kraus Museen mehr als bisher in der Pflicht, die zeitgenössische Kunstszene zu fördern und miteinzubeziehen. Die Krise habe das Potenzial der digitalen Medien aufgezeigt, "sie hat uns aber auch gelehrt, dass die persönliche Begegnung mit Kunst unersetzbar ist, und dass Museen als Ort des Dikurses für eine demokratische Gesellschaft unerlässlich sind. Wir sollten also versuchen, weiterhin motiviert zu bleiben. Ich bin nach wie vor zuversichtlich, dass wir gestärkt aus der Krise hervorgehen werden."

(Das Gespräch führte Wolfgang Huber-Lang/APA)

(S E R V I C E - www.mumok.at)

Quelle: Agenturen