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Karl Merkatz wollte erst nicht "Mundl" sein - ein Nachruf

04. Dez. 2022 · Lesedauer 4 min

Wenige Tage nach seinem 92. Geburtstag ist der große österreichische Volksschauspieler Karl Merkatz gestorben. Die Rolle, die ihm Kultstatus einbrachte, wollte er eigentlich erst nicht annehmen.

Manche waren überrascht, als sie den Schauspieler Karl Merkatz in Interviews zum ersten Mal nicht in seinen legendären Rollen als Edmund Sackbauer alias "Mundl" oder als Karl Bockerer sprechen hörten. Aussagen wie "Mei Bier is net deppert", "Nudeldrucker", "I trink ka Wasser. I wü do ned inwendig verrostn", "Bettbrunzer" oder "Lesen is da größte Scheiß. Des macht de Leut’ nur deppert" waren dem Schauspieler privat wohl eher fremd. 

Eigentlich, so verriet er in seiner Biografie "So bin ich", wollte er die Rolle erst gar nicht annehmen. Dennoch hat er sie schlussendlich von 1974 bis 1977 gespielt. Er erreichte Kultstatus und schuf eine Ikone. Er verkörperte als Favoritner Proletarier "Mundl" den Wiener Schmäh. 

Geboren wurde der bedachte Karl Merkatz, der privat eine gewählte Sprache pflegte, aber gar nicht in Wien, sondern im Jahre 1930 als Sohn eines Werkzeugmachers und einer Weberin in Wiener Neustadt. Früh entdeckte er seine Liebe zum Theater. Doch auf Wunsch seiner Eltern, "ein richtiges Handwerk" zu erlernen, machte er zunächst eine Tischlerlehre. Nach absolvierter Lehre ging er nach Zürich und verfolgte von dort sein Ziel, Schauspieler zu werden. Nach Schauspielunterricht unter anderem in Wien begann er ein Studium am Mozarteum in Salzburg, das er 1955 mit Auszeichnung abschloss.

Regisseur Reinhard Schwabenitzky, Martha und Karl Merkatz 2010 in Salzburg.APA/FRANZ NEUMAYR

Regisseur Reinhard Schwabenitzky, Martha und Karl Merkatz 2010 in Salzburg

Seine ersten Bühnenengagements hatte Merkatz am Kleinen Theater in Heilbronn und am Salzburger Landestheater. Seine Karriere - obwohl das Wort "Karriere" in seinem Wortschatz nicht existierte, wie er einmal sagte - führte ihn unter anderem nach Nürnberg, Köln, Hamburg, ans Burgtheater, ins Theater an der Wien, zu den Salzburger Festspielen und sogar nach Antwerpen. Er war in "König Ottokar" zu sehen und gab im "Jedermann" den armen Nachbar. Auch in Franz Kafkas "Ein Bericht an eine Akademie" wusste er immer wieder zu beeindrucken. Merkatz wirkte sogar in Operetten und Musicals mit. 

"Der Blunzenkönig"

2009 gab er seinen Abschied von der Theaterbühne bekannt - sein großer Wunsch, einmal den "König Lear" zu spielen, ging nicht in Erfüllung. Auf der Bühne blieb er trotzdem. Ab 2008 brachte er sein Kabarettprogramm "Der Blunzenkönig" auf die Bühne, das später als Film auch in die Kinos kam.

Im selben Jahr setzte er die Erfolgsstory des Karl Sackbauers mit dem Film "Echte Wiener - Die Sackbauer-Saga" fort. Die Kultrolle des "Mundls" wurde Merkatz nicht los - sie nervte ihn teilweise sogar, sagte er. Die legendäre Silvester-Folge schaute er aber dennoch auch selbst gerne.

2010 kam dann sogar die Fortsetzung der Fotsetzung "Echte Wiener 2 - Die Deppat'n und die Gspritzt'n" in die Kinos. Die Filme nach den Drehbüchern von Ernst Hinterberger waren erfolgreich wie in den 70er- Jahren.

Karl Merkatz beim "Jedermann" in Salzburg.APA/HANS KLAUS TECHT

Karl Merkatz beim "Jedermann" in Salzburg.

Für seine zweite Leibrolle - die des "Bockerer" in Franz Antels gleichnamiger Filmreihe - wurde er schon 1982 mit dem Filmband in Gold und dem Deutschen Schauspielpreis ausgezeichnet. Auf 13 Folgen brachte es die TV-Serie "Der Spritzen-Karli". Für "Anfang 80" schließlich erhielt er 2013 unter anderem den Österreichischen Filmpreis als bester Hauptdarsteller. Aber auch von offizieller Seite gab es zahlreiche Ehrungen, etwa das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst, die Goldene Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien oder 2002 das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich.

Engagement und Tragödien

Merkatz setzte sich immer auch für soziale Anliegen ein. Von 1999 bis 2001 war er Vorsitzender der Menschenrechtsorganisation SOS Mitmensch. Er stand außerdem dem Verein zur Förderung des zeitgenössischen Circus vor. 

Sein 75. Geburtstag wurde allerdings von einer Tragödie überschattet. Er fuhr einen Motorradfahrer an, der bei dem Unfall starb. Merkatz bekannte sich schuldig und wurde zu vier Jahren bedingter Haft verurteilt. Im vergangenen Jahr erlitt der Schauspieler einen Schlaganfall. Nun ist er in seinem Haus in Salzburg-Land gestorben. Er hinterlässt seine Frau Martha, mit der er seit 1956 verheiratet war, und zwei Töchter. 

"Mir ist es immer darum gegangen, zu arbeiten, Menschen zu unterhalten, ihnen, so gut es geht, eine Freude zu bereiten. Manchmal ist mir das, so hoffe ich, gelungen", sagte Karl Merkatz einst in einem Interview.

Quelle: Agenturen / Redaktion / koa