Verleihung "Österreichischer Filmpreis 2013" am Mittwoch, 23. Jänner 2013, im Wiener Rathaus. Im Bild: Schauspieler Karl Merkatz ("Bester männlicher Darsteller") während der Preisverleihung.APA-FOTO: HERBERT PFARRHOFER

"Mundl"-Schauspieler Karl Merkatz ist tot: "Ein großer Charakterdarsteller"

04. Dez. 2022 · Lesedauer 3 min

Der Volksschauspieler Karl Merkatz ist gestorben. Er ist vor allem aus den "Mundl"-Filmen bekannt. Er spielte darin den launischen Elektriker Edmund Sackbauer und erreichte damit Kultstatus.

Wenige Tage nach seinem 92. Geburtstag ist der große österreichische Volksschauspieler Karl Merkatz am Sonntagfrüh zu Hause in Salzburg-Land verstorben. Das gab seine Familie gegenüber der APA bekannt.

Herzliche Proletarier

Den Österreichern hat er sich als Fleischhauer Karl Bockerer in Franz Antels Filmen und als Edmund "Mundl" Sackbauer in Reinhard Schwabenitzkys TV-Serie "Ein echter Wiener geht nicht unter" eingeprägt: zwei raue, aber herzliche Proletarier.

Die legendäre "Sackbauer-Familie" im Jahr 2007.APA-FOTO: APA VIDEO

Die legendäre "Sackbauer-Familie" im Jahr 2007.

In seinen über 150 Bühnenrollen spielte Merkatz vor allem Nestroy-, Raimund- und Shakespeare-Figuren. Im Lauf seiner Karriere war Merkatz in mehr als 250 Film- und Fernsehproduktionen zu sehen und schrieb damit heimische Film- und Fernsehgeschichte.

Gebürtiger Wiener Neustädter

Geboren wurde Karl Merkatz am 17. November 1930 als Sohn eines Werkzeugmachers und einer Weberin in Wiener Neustadt. Schon als Kind war er vom Theater fasziniert und spielte in einer Laiengruppe, doch auf Wunsch seiner Eltern, "eine richtiges Handwerk" zu erlernen, machte er zunächst eine Tischlerlehre. Nach absolvierter Lehre ging er nach Zürich und verfolgte von dort sein Ziel, Schauspieler zu werden. Nach Schauspielunterricht unter anderem in Wien begann er ein Studium am Mozarteum in Salzburg, das er 1955 mit Auszeichnung abschloss.

Den Durchbruch und seinen bis heute prägenden Auftritt hatte er in Reinhard Schwabenitzkys Fernsehserie "Ein echter Wiener geht nicht unter" 1975-79 nach Drehbüchern von Ernst Hinterberger. Die Rolle des "Mundl" wurde zu einer der populärsten Fernsehfiguren der Zweiten Republik und machte Merkatz zu einem der beliebtesten Schauspieler.

Mehr zur Biografie von Karl Merkatz:

Politikerinnen und Politiker aller Couleurs reagierten am Sonntag auf das Bekanntwerden der Todesmeldung. "Mit Karl Merkatz ist heute ein grosser Charakterdarsteller verstorben, dessen Verkörperungen, wie etwa der Bockerer oder Mundl, sich in das kollektive Bewusstsein des Landes eingeprägt haben", schrieb Bundespräsident Alexander Van der Bellen. "Der Tod dieses großen Volksschauspielers ist ein großer Verlust für Österreichs Kulturszene. Er ruhe in Frieden", hielt Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) fest.

Österreich verliere "einen wahren Volksschauspieler. Niemand hat mit so viel Liebe zu den Menschen das Sympathische und Liebenswerte hinter manchmal ruppigen Oberflächen gefunden und zum Leuchten gebracht. Habe d'Ehre, Karl!", schrieb der für Kunst ressortzuständige Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) auf Twitter.

Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) nannte Merkatz "nicht nur einen großartigen Volksschauspieler, sondern auch einen ganz feinsinnigen Menschen".

"Karl Merkatz' Tod ist ein unersetzlicher Verlust für das heimische Kulturleben", zeigte sich Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) "bestürzt über das Ableben des großen Volksschauspielers". "Merkatz und die Freiheitliche Partei waren mit Sicherheit nicht auf einer Linie, es ist aber zu betonen, dass Merkatz immer den fairen Diskurs wahrte", ließ der freiheitliche Kultursprecher Thomas Spalt wissen.

Quelle: Agenturen / Redaktion / koa