APA/APA/Bregenzer Festspiele/Karl Forster

"Italienerin in Algier" mit viel Witz in Bregenz

09. Juli 2022 · Lesedauer 4 min

Coronabedingt ein Jahr später als geplant ging am Donnerstag Rossinis Komische Oper "Die Italienerin in Algier" in der Interpretation der jungen Künstler des Opernstudios der Bregenzer Festspiele im Kornmarkt-Theater über die Bühne. Brigitte Fassbaender, die die Geschichte auf eine Jacht verlegte, schuf damit eine spritzige Ouvertüre für den heurigen Festspielsommer. Zwar setzt die Inszenierung etwas zu viel auf Gags, aber musikalisch ist die Umsetzung hervorragend gelungen.

2021 musste die "Italienerin" nur wenige Stunden vor der Premiere wegen eines Corona-Falls im Ensemble abgesagt werden. Fassbaender hat die heute angestaubt wirkenden Projektionen auf den bei der Uraufführung 1813 als exotisch wahrgenommenen Orient über Bord geworfen. Statt in ein märchenhaftes Algier ließ sich die Regisseurin von der Beziehung des Reeders Onassis zu Maria Callas inspirieren: Ein Trupp junger, hipper Menschen dekliniert auf einer Jacht allerlei Zwischenmenschliches durch, was für viel Verwirrung sorgt, schließlich aber ein gutes Ende findet.

Der triebhafte Mustafa, Bey von Algier, ist seiner Frau Elvira überdrüssig. Lieber wäre ihm eine Italienerin, die ihm das Meer glücklicherweise vor die Füße spült. Weil Isabella aber nicht nur verführerisch ist, sondern auch schlau, sieht der selbstgefällige Chauvinist am Ende alt aus. An Bord bricht das Isabella-Fieber aus, die Schöne triumphiert über die Männer und entkommt mit ihrem Liebhaber, Mustafas Sklaven Lindoro. Der Bey kehrt zu seiner Elvira zurück.

Noch bevor ein Ton gesungen ist, ist Mustafa (Alberto Comes) in Bregenz auf der mit Bullaugen und Reling ausgestatteten Bühne (Dietrich von Grebmer) schon als Macho charakterisiert, so aufgeblasen wie sein Ferrari-Schwimmtier. Comes mimt gesanglich überzeugend den zigarrenrauchenden Widerling. Als weinerliche Ehefrau leidet Sarah Yang in strahlendem Sopran, Korsaren-Hauptmann Haly (Hubert Kowalczyk) jagt als stimmlich starker Jack-Sparrow-Verschnitt über die Bühne und tändelt mit Sklavin Zulma (Ekaterina Chayka-Rubinstein), die aus ihrer Rolle das Beste macht.

Herausragend ist die Isabella der ausdrucksstarken Maria Barakova, die die schwierige Partie scheinbar mühelos bewältigt. Als Lindoro glänzt Spencer Britten mit schönem Schmelz und gefühlvollen Stimmeinsatz, zudem kann er einiges aus seiner Tanzausbildung einbringen. Viel komisches Talent und facettenreichen Gesang zeigt Pierpaolo Martella als Isabellas trotteliger Verehrer Taddeo. Dem lustvoll spielenden Symphonieorchester Vorarlberg unter Jonathan Brandani hört man die genaue Auseinandersetzung mit den Freiheiten an, die Rossinis lautmalerische und temperamentvolle Musik bietet. Ein Trupp Matrosen, den Rosita Steinhauser einige Revuetänzchen lehrte, verbindet das Orchester mit dem Bühnengeschehen durch Soundeffekte, erzeugt mit Besen und Eimern.

Die Bregenzer Inszenierung erliegt nicht der Versuchung, mehr aus dem Stück zu machen, als es ist: Rossinis damals binnen weniger Tage komponiertes Werk soll vor allem leicht und gut unterhalten. Regisseurin Fassbaender verfolgt dazu den viele herrliche Möglichkeiten bietenden Ansatz, die dem Stück musikalisch innewohnende Komik auch im Schauspiel zu zeigen. Schließlich wirbelt Isabella allerhand durcheinander, bis im Haus des Bey alle Kopf stehen. Eine gewisse Überzeichnung ist also durchaus im Werk angelegt, aber in Bregenz stehlen die zahlreichen Gags dem Gesang und der Musik zeitweise fast die Show.

Insgesamt tut das dem bunten Spaß aber natürlich keinen Abbruch, im Gegenteil. Sollten einem Hotdogs und Brathähnchen auf Matrosenhäuptern Appetit gemacht haben auf mehr aus dem Bregenzer Opernstudio: Heuer steht aufgrund der Verschiebung mit Haydns "Armida" am 15. August ein weiteres Werk in der von Intendantin Elisabeth Sobotka initiierten Programmschiene an.

(S E R V I C E - "Die Italienerin in Algier" von Gioachino Rossini, Libretto von Angelo Anelli. Opernstudio der Bregenzer Festspiele. Inszenierung: Brigitte Fassbaender, Musikalische Leitung: Jonathan Brandani​, Symphonieorchester Vorarlberg, Bühne/Kostüme: Dietrich von Grebmer, Choreografie: Rosita Steinhauser, mit Alberto Comes (Mustafa), Maria Barakova (Isabella), Spencer Britten (Lindoro), Sarah Yang (Elvira), Ekaterina Chayka-Rubinstein (Zulma), Hubert Kowalczyk (Haly), Pierpaolo Martella (Taddeo). Theater am Kornmarkt, Bregenz. Weitere Termine: 10. und 12. Juli, jeweils 19.30 Uhr. Weitere Informationen unter www.bregenzer-festspiele.com)

Quelle: Agenturen