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Intendant sieht Theater an der Wien als "gallisches Dorf"

10. Jan. 2022 · Lesedauer 3 min

In der aktuellen Phase der Coronapandemie kämpfen die großen (Musik-)Theaterhäuser weniger mit Ausfällen im Publikum denn unter den Mitarbeitern. So musste die Staatsoper von 1. bis 5. Jänner den Spielbetrieb ganz einstellen, das Theater in der Josefstadt in der neuen Woche sieben Vorstellungen streichen, und auch Burgtheater und Volksoper sahen sich zu Verschiebungen gezwungen. In diesem Meer der Unbilden ist das Stagionehaus Theater an der Wien die Insel der Seligen.

"Wir sind das gallische Dorf als Theater an der Wien. Ich komme mir vor wie eine Mischung aus Asterix und Obelix", zeigt sich TaW-Intendant Roland Geyer im APA-Gespräch erleichtert, dass die momentane Situation ohne fixes Ensemble leichter zu bewerkstelligen sei: "Wir haben den Vorteil, dass wir eine gesicherte Blase wie im Hochleistungssport errichten können. Wir testen jeden Tag mittels PCR. So erwischen wir etwaige Fälle gleichsam unmittelbar und können den Rest schützen. Und wir haben den Vorteil, dass bei einem internationalen Ensemble, das für eine Produktion anreist, kaum jemand das Virus aus der Familie zu uns hereinträgt. Die meisten sind sechs oder acht Wochen bei uns und reisen auch nicht zurück."

Zwar seien die Künstlerinnen und Künstler in der Probenzeit nicht eingesperrt, hätten aber auch eine klare Motivation, sich an alle Sicherheitsvorgaben zu halten. "Es ist jedem im Stagionebetrieb klar, dass man nur bezahlt wird, wenn man singen kann. Bezahlt wird am Aufführungstermin, was das Eigeninteresse nochmals fördert, sich an die Vorgaben zu halten. Auch das ist ein Unterschied und ein Vorteil zum Ensemblebetrieb." Ein Nachteil sei hingegen, dass man Verschiebungen nur schwer vornehmen könne, da die gebuchten Sänger dann schon meist anderweitig verpflichtet seien.

Er sei jedoch zuversichtlich, dass die nächste anstehende Premiere, Puccinis "Tosca" in der Inszenierung von Burgtheater-Direktor Martin Kušej am 18. Jänner, wie geplant über die Bühne gehen könne: "Es wird total anders als man die 'Tosca' bisher kennt. Es wird eine Mischung aus Krimi und Coolness." Die Arbeit wird aufgezeichnet und am 28. Jänner in ORF 2 zu sehen sein.

Das Haus mit seinen rund 970 Sitzplätzen spielt derzeit jedenfalls unter der gesetzlichen 2G-plus-Vorgaben. Und Geyer spricht sich klar für die Masken- und Testpflicht unter den Zuschauern aus: "Ich bin ein starker Verfechter des PCR-Tests und der FFP2-Maske für das Publikum. Mindestens zwei Drittel des Publikums finden sich nicht gestört, sondern gesichert durch die Maske. Ich wäre deshalb der Erste, der aufschreit, wenn man die FFP2-Maske für obsolet erklären würde."

Für die abgelaufene Produktion des "Giulio Cesare in Egitto" habe man zwar eine hervorragende Auslastung verzeichnet. "Aber auch wir merken die Mischung aus Publikumsschwund und Entwöhnung", so Geyer: "Der zwei, drei Wochen vor einer Premiere anschwellende Restkartenverkauf ist tot. Die Leute warten ab und kaufen nur mehr wenige Tage vorher. Keiner möchte mehr einen Gutschein haben."

Und das werde wohl kein kurzfristiger Effekt bleiben, zeigte sich der 69-Jährige überzeugt, der mit Ende der Saison sein Amt an Stefan Herheim übergeben wird: "Die Unsicherheit beim Publikum wird sicher - unabhängig von der Pandemie - noch zwei, drei Jahre andauern. Die Rückgewinnung des Publikums wird für alle Häuser eine riesen Herausforderung werden."

(Das Gespräch führte Martin Fichter-Wöß/APA)

(S E R V I C E - www.theater-wien.at/de/programm/production/1019/Tosca ; https://tv.orf.at/program/orf2/tosca116.html)

Quelle: Agenturen