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In Málaga wird Picasso seinen Vorbildern gegenübergestellt

21. Feb. 2022 · Lesedauer 4 min

Pablo Picasso war einer der revolutionärsten Künstler des 20 Jahrhunderts. Der Mitgründer des Kubismus war dabei stets seiner Zeit voraus. Doch seine Kunst basierte auf der spanischen Kultur und den Alten Meistern. Das zeigt nun das Picasso Museum Málaga bis zum 26. Juni in der Geburtsstadt des spanischen Genies. "Von Angesicht zu Angesicht" lautet der Titel der neuen Ausstellung.

Enstanden ist diese in Zusammenarbeit und mit Leihgaben des Museo de Bellas Artes von Sevilla und der Stiftung Almine und Bernard Ruiz-Picasso FABA. Die Schau soll vor allem den großen Einfluss der Alten Meister vor allem auf die Porträtmalerei des spanischen Malers unterstreichen.

Picasso suchte aber mehr als nur eine technische Anlehnung an die Alten Meister. "Wie Picasso revolutionierten auch sie die Kunst ihrer Epoche. In den Alten Meistern suchte Picasso Werte und den Weg zur Innovation", erklärte José Lebrero, Direktor des Picasso Museums Málaga.

Es war sein Vater und Lehrer, der Maler José Ruiz Blasco, der den noch jungen Picasso (1881-1973) mit der spanischen Kultur und mit den spanischen Künstlern aus dem 16. und 17. Jahrhundert vertraut machte. Unter ihnen stach vor allem einer hervor. Domenikos Theotokopoulos, alias El Greco, der wie kein Zweiter den spanischen Manierismus prägte.

Und El Greco beeinflusste auch Picasso wie kein anderer. Er repräsentierte für Picasso die höchste künstlerische Vollkommenheit. Bereits zu Beginn seiner Karriere gegen Ende der 1890er Jahre zeichnete Picasso viele Skizzen nach El Grecos Vorbild. Er beschriftete sogar eine dieser Zeichnungen mit "Yo, el Greco" ("Ich, El Greco").

Der historische Vorgänger begleitete Picasso sein Leben lang. Noch im Jahr 1970 brachte Picasso seine Faszination für den Künstler mit einer Version von El Grecos zwischen 1600 und 1605 entstandenem Porträt seines Sohnes Jorge Manuel Theotocópuli zum Ausdruck. Eindrucksvoll zeigt die Ausstellung durch den Dialog des Originalgemäldes und Picassos "Büste eines Mannes" wie sehr El Grecos Porträtmalerei den spanischen Kubisten inspirierte.

Besonders auffällig ist, wie Picasso El Grecos Gemälde übertreibt und umgestaltet. Im kubistischen Stil wird das Gesicht vom Sohn El Grecos sowohl in der Frontal- als auch in der Profilansicht gezeigt. Picasso erschafft damit ein Bild, das nicht mehr versucht, die Natur zu imitieren.

Um den Naturalismus des Frühbarocks geht es auch beim Dialog, der zwischen Picassos Arbeiten und den Werken von Diego Velázquez, Alonso Cano oder Francisco Pacheco in Szene gesetzt wird. Picassos tiefe Verwurzelung in der spanischen Porträtmalerei streicht besonders der Vergleich von Picassos "Olga Khokhlova mit Mantel" (1917) und "Kopf eines Mannes" (1971) mit den Gemälden "Porträt einer betenden Dame und eines betenden Herrn" aus dem Jahr 1623 von Francisco Pacheco hervor. Bilder, die die Grenzen des Realismus bis zur Unkenntlichkeit ausreizen.

Picasso griff oft auf die sehr gewalttätigen Themen der religiösen Kunst jener Altmeister zurück, um die politischen Ereignisse seiner Zeit mit schwarzem Humor zu beleuchten. Das zeigt beispielsweise der Dialog, den die Ausstellung zwischen Giovanni Battista Caracciolos "Salome mit dem Kopf des Täufers" aus dem Jahr 1630 und Picassos "Stillleben mit Hahn und Messer" (1947) herstellt. Die explizite Brutalität dieses Motivs verbindet traditionelle Bilder von Märtyrern mit Picassos Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg.

Im Vergleich zwischen Cornelius Norbertus Gijsbrechts "Vanitas" (1660) und Picassos "Restaurant" (1914) wird hingegen deutlich, wie der spanische Kubist auf die Tradition der Stilllebenmalerei zurückgreift, sich jedoch vom Moralisierenden und vom Realismus zunehmend befreit.

Nahezu unvollendet wirkt Picassos Werk "Nackter Mann starrt auf schlafenden Partner" (1922), das dem Gemälde "Der Junge mit dem Dorn" von Francisco de Zurbarán aus dem Jahr 1645 in der Ausstellung gegenübergestellt wird. In beiden Malereien steht der Umgang mit Linien und Farben im Mittelpunkt, wobei jeder der beiden Künstler hier ganz unterschiedliche Wege geht.

Für Ausstellungskurator Michael FitzGerald unterstreicht der Dialog zwischen dem spanischen Kubisten und den Altmeistern, dass Picasso bis ans Ende seiner Karriere in der Tradition der spanischen Malerei verhaftet blieb, ohne aber die Technik seiner kunsthistorischen Vorbilder imitieren zu wollen. Mehr noch: "Picasso hatte die Ambition, sie zu übertreffen", so FitzGerald.

(S E R V I C E: www.museopicassomalaga.org )

Quelle: Agenturen