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Hotelmitarbeiter nach Antisemitismus gegen Gil Ofarim beurlaubt

06. Okt 2021 · Lesedauer 3 min

Nach den Antisemitismus-Vorwürfen von "Dancing Star" und Musiker Gil Ofarim, sind die beiden Mitarbeiter eines Leipziger Hotels beurlaubt worden. Er wurde aufgefordert, seine Davidstern-Kette "wegzupacken".

Am Abend hatten sich Hunderte Menschen vor dem Hotel versammelt, um Solidarität mit Ofarim und Jüdinnen und Juden in Deutschland zu zeigen. Die Beurlaubung gelte zunächst für die Dauer der Ermittlungen, sagte eine Sprecherin der Marriott-Gruppe am Mittwochmorgen.

Ofarim hatte in einem am Dienstag veröffentlichten Instagram-Video berichtet, wegen seiner Davidstern-Kette beim Einchecken in das "Westin Hotel" von Mitarbeitern übergangen worden zu sein. Er erzählte, wie er sich in eine Schlange eingereiht habe. Immer wieder seien Personen vorgezogen worden. Als er nach 15 Minuten an der Reihe gewesen sei, habe er gefragt, was das solle. Der Mitarbeiter habe geantwortet: "Um die Schlange zu entzerren", dabei habe Ofarim ja selbst darin gestanden. Daraufhin habe "irgendeiner aus der Ecke" gerufen, dass er seinen Stern einpacken solle. Auch der Hotelmitarbeiter habe gesagt: "Packen Sie Ihren Stern ein."

Polizei ermittelt

Die Polizei nahm Ermittlungen auf und wollte auch die Staatsanwaltschaft einschalten. Olaf Hoppe, Sprecher der Leipziger Polizei, sagte, dass die mutmaßliche Aussage des Hotelangestellten für ihn "klar antisemitisch" sei. Ob Ofarim Anzeige erstattete, war am Mittwochmorgen zunächst unklar.

Der Hotelmitarbeiter hat laut Polizei nun seinerseits Anzeige erstattet wegen Verleumdung. Er schildere den Vorfall deutlich anders als der Künstler. Der Sprecher der Leipziger Polizei, Olaf Hoppe, sagte am Mittwoch, dass Gil Ofarim bisher keine Anzeige erstattet habe. Allerdings sei eine Onlineanzeige eines unbeteiligten Dritten wegen Volksverhetzung eingegangen. Der beschuldigte Hotelmitarbeiter habe indes Anzeigen wegen Verleumdung und Bedrohung gestellt. Er habe den Vorfall "deutlich abweichend von den Auslassungen des Künstlers dargestellt". Zudem hätten sich Menschen in den sozialen Netzwerken völlig entfesselt gegenüber dem Hotelpersonal geäußert. Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft hätten sämtliche Ermittlungen aufgenommen. "Nun gilt es abzuwarten, was die Ermittlungen ergeben und was tatsächlich an dem Tag geschehen ist", sagte Hoppe.

APA - Austria Presse Agentur

Hotelmitarbeiter bei Kundgebung

Irena Rudolph-Kokot von "Leipzig nimmt Platz" sagte Demo, die laut Polizei eine Größe im "mittleren dreistelligen Bereich" hatte, dass der antisemitische Vorfall extrem wütend mache und nicht unwidersprochen bleiben dürfe. "Wir solidarisieren uns mit allen Jüdinnen und Juden, denen das in Deutschland immer noch viel zu häufig passiert", sagte sie. Auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hotels nahmen an der Kundgebung teil. Dabei wurde vor dem Hoteleingang ein Transparent hochgehalten, auf dem die Flagge Israels zu sehen war.

Zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer in den sozialen Medien zeigten sich schockiert. Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, schrieb in einem Statement beim Kurznachrichtendienst Twitter, dass die Anfeindung erschreckend sei. Es sei zu hoffen, dass das Hotel personelle Konsequenzen ziehe. Er hoffe ebenso, "dass wir künftig auf Solidarität treffen, wenn wir angegriffen werden." Der Pianist Igor Levit schrieb an das Hotel gerichtet: "Shame on you".

Der Davidstern ist eines der bekanntesten Symbole, die mit dem Judentum verbunden werden. Er besteht aus einem Hexagramm, das durch zwei ineinander verwobene gleichschenklige Dreiecke gebildet wird. Obwohl das Hexagramm als jüdisches Zeichen bereits im 7. Jahrhundert vor Christus vorkommt, schmückt der Davidstern erst seit dem Mittelalter Synagogen und seit 1948 die Flagge des Staates Israel. Während des Nationalsozialismus wurde der Davidstern den Juden als Stigma ("Judenstern") aufgezwungen.

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam