Geharnischte Medienkommentare zu Festspiel-Hängepartie
Nunmehr "mehr Fragen offen als geklärt" sieht man in den "Salzburger Nachrichten": Die "sowieso großen Probleme" der Festspiele würden nun "mit Zaudern und Verzögern verstärkt" - auch in Bezug auf die umfassenden Bauprojekte im Zusammenhang mit den Festspielen in der Salzburger Innenstadt, in denen "die größte Gefahr" lauere.
Die Querelen um die künstlerische Leitung der Salzburger Festspiele würden den "Blick nach vorn" zusätzlich erschweren: "Eigentlich hat Landeshauptfrau Karoline Edtstadler (ÖVP) im Namen des Kuratoriums Markus Hinterhäuser den Laufpass für die dritte Amtszeit (ab Oktober 2026) gegeben. Doch der sagt weder Ja noch Nein. Fügt er sich? Klagt er? Was will er? Schmeck's! Der Intendant schweigt und lässt alle um ihn herum baumeln. Jetzt kommt ihm die Landeshauptfrau als Vorsitzende des Kuratoriums wieder im Zickzack entgegen", heißt es in einem Kommentar.
In der "Kronen Zeitung" ist von einem "Pyrrhussieg für Edtstadler" die Rede: "Wie in einer griechischen Tragödie entkommt nun keine Figur mehr auf und hinter der Bühne dem Machtkampf", heißt es in einem Kommentar. Es werde aber zu keinem göttlichen Eingreifen kommen, "sondern es werden weltliche Anwälte für fürstliche Honorare die vorerst letzten Fragen klären. Für den in Wohlverhalten eher unangepassten, künstlerisch erfolgreichen Intendanten Markus Hinterhäuser wird nach dieser Saison wohl der Vorhang fallen. Das könnte für Karoline Edtstadler zum Pyrrhussieg werden. Die Seilschaften der Wiener Kulturschickeria und der Salzburger Gesellschaft sind da gnadenlos", heißt es. Aus der Nummer heraus komme man nur mit einem "richtig großen Namen".
Sitzungs-Aus "ohne Vision", Gesalzenes in der "FAZ"
Im "Kurier" ortet man einen Schwenk in Richtung "Deeskalation: Das Kuratorium der Festspiele und Intendant Markus Hinterhäuser sprechen miteinander. Die sich abzeichnende Alternative wäre gewesen, dass Hinterhäuser mit Oktober seinen Job los ist. Diese Option ist alles andere als aufgehoben, aber zumindest vertagt", so eine Analyse. Man könne die gestrigen Abläufe "als Sieg der Vernunft werten - und als kleinen Gebietsgewinn für Hinterhäuser". Trotzdem: Die Sitzung habe "ohne Vision" geendet, "die Positionen bleiben verhärtet", hieß es in einem weiteren Beitrag in der Samstagsausgabe des Blattes.
Auch die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) wundert sich in ihrem Feuilleton-Teil über die Abläufe: "Es ist weder lächerlich noch tragisch, was da gerade in Salzburg passiert. Es ist nur erbärmlich und dumm. Da will das Kuratorium der Salzburger Festspiele den Intendanten Markus Hinterhäuser loswerden, weil es ihm nichts anderes vorwerfen kann als mangelndes Wohlverhalten." Hinterhäusers Verhalten sei vielleicht "nicht immer klug" gewesen. Angesichts der guten künstlerischen Bilanz und des Publikumserfolges der vergangenen Jahre greift man in der "FAZ" zum Vergleich mit einem Fußballverein: Hier würde kaum jemand sagen, dass "schlechte Stimmung und schlechtes Benehmen" nicht länger "durch guten Fußball entschuldigt werden" dürften. Das aktuelle "Auftreten der österreichischen Politik gegenüber Hinterhäuser zeugt vom Klimawandel im Umgang mit der Kunst", heißt es.
Zusammenfassung
- Die Entscheidung über die Zukunft von Festspiel-Intendant Markus Hinterhäuser wurde nach einer Kuratoriumssitzung am Freitagabend erneut vertagt, weitere Gespräche sind für April geplant.
- Mehrere Medien kritisieren das Kuratorium und Landeshauptfrau Karoline Edtstadler scharf, sprechen von einem 'Pyrrhussieg', ungelösten Problemen und fehlender Vision für die Salzburger Festspiele.
- Die Unsicherheit um die künstlerische Leitung, der Machtkampf hinter den Kulissen und die ungelösten Bauprojekte werden als Gefahr für die Zukunft und den Ruf der Festspiele gesehen.
