APA/Olena Syrbu

Geflüchtete Ukrainerin Artist in Residence bei Vienna Shorts

20. Mai 2022 · Lesedauer 3 min

Gemeinsam mit ihrem Hund ist die Aktivistin Olena Syrbu in den ersten Tagen des Ukraine-Krieges nach Österreich geflüchtet. Hier kuratiert sie beim Kurzfilmfestival Vienna Shorts als "Artist in Residence" ein Programm über Flucht und Migration. Jeder könne zum Flüchtling werden, sagte sie im Interview mit der APA. Die Entscheidung des Kurzfilmfestivals, unabhängige russische Kulturschaffende teilnehmen zu lassen, bleibt für sie problematisch.

Vor allem die eigene Erfahrung sei ausschlaggebend für die Themenwahl gewesen, sagte Syrbu, die zuvor schon beim Internationalen Kurzfilmfestival von Kiew tätig war: "Ich bin in den ersten Tagen des Krieges aus Kiew geflüchtet", erzählte sie, seitdem lebe sie in Österreich. Obwohl die Zeit auf der Straße und der Umgang mit der österreichischen Bürokratie schwierig gewesen sei, sei ihre Erfahrung als Flüchtling im Allgemeinen eine positive gewesen, sagte die Aktivistin, die das auf ihre "Privilegien" wie Beziehungen in Europa zurückführte.

Geschichten aus der Ukraine, aber auch aus Bosnien und Herzegowina, Libyen und Syrien sind Teil des Programms, das Syrbu für das Kurzfilmfestival kuratierte. In "Stack of Material" von Sajra Subasic beispielsweise geht es um das Haus und den Heimatort ihrer Eltern, das diese während des Krieges in Bosnien und Herzegowina verlassen mussten. "24" von Stanislav Bytiutskyi - erschienen im Jahr 2016 - handelt von Flüchtlingen aus der Ostukraine, ihren Erinnerungen und Träumen. Das Programm bleibt vom Start der Vienna Shorts am 25. Mai bis zum 30. Juni auf deren Filmportal abrufbar.

Sie wolle Solidarität erzeugen und zeigen, wie ähnlich verschiedene Fluchterfahrungen sein können. Denn auch Menschen, die keine Fluchterfahrung haben, könnten in diese Situation geraten - ein Moment reiche "in diesen turbulenten Zeiten" dafür aus. Alle Vertriebenen müssten gleich behandelt werden, plädierte Syrbu. Dass es Unterschiede im Umgang mit Ukrainern und Syrern gebe, sei ein Zeichen von institutionellem Rassismus.

"Das Gefühl, zu Hause zu sein, ist ein bisschen verloren gegangen", berichtete sie von ihren eigenen Erfahrungen. In der Ukraine sei sie in eine Aktivisten-Community eingebunden gewesen und hätte gewusst, was in der kulturellen Sphäre vor sich gehe - das sei in Österreich nicht so. Viele andere hätten es schwerer und würden darüber nachdenken, trotz der drohenden Gefahr in die Ukraine zurückzukehren.

Dass die Vienna Shorts sich dafür entschlossen haben, vom Staat geförderte Filme aus Russland und Belarus nicht einzuladen, unabhängigen russischen Künstlern die Teilnahme aber zu erlauben, hält Syrbu für kontrovers. Für sie persönlich sei es schwer, derzeit mit Russen in Dialog zu treten. "Ich glaube, dass gerade nicht die richtige Zeit ist, um russischen Künstlern eine Plattform zum Sprechen zu geben", meinte sie, "zumindest nicht vor Ende des Krieges".

Nicht nur Syrbu selbst, sondern auch ihr in der Ukraine beheimatetes Projekt "Kinography" hat der Krieg hart getroffen. Dabei handelt es sich um ein Archiv historischer Kinos, die während der Sowjetzeit in der Ukraine gebaut wurden und deren Entwicklung Syrbu mit anderen Aktivisten dokumentierte. Eine ukrainische Förderung, die man für das Projekt lukrieren wollte, sei nach Ausbruch des Krieges an die ukrainische Armee gegangen. Fokus-Stadt des Projekts sei das im Krieg heftig umkämpfte Mariupol gewesen, viele der Kinos seien zerstört worden.

(S E R V I C E - www.viennashorts.com)

Quelle: Agenturen