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Galeristin Knotzer in Dubai: "War jung und verrückt"

13. März 2022 · Lesedauer 3 min

Rostige Oldtimer vor einer Werkstatt, gebrauchte Bücher in Bussen und mittendrin zeitgenössische Kunst: Auf dem Gelände einer ehemaligen Marmor-Fabrik im Westen Dubais ist mit der Alserkal Avenue ein neuer Kreativ-Bezirk entstanden. Entwickelt und kuratiert wird er von der gleichnamigen Stiftung, die die Plätze in den ehemaligen Fabrikshallen vergibt. Eine der ersten Galerien, die sich hier seit 2008 hier angesiedelt haben, ist Carbon 12 der Österreicherin Nadine Knotzer.

Gemeinsam mit ihrem Partner Kourosh Nouri hat die heute 35-Jährige vor fast 15 Jahren beschlossen, zeitgenössische westliche Kunst nach Dubai zu bringen. Sie selbst verfügte damals über ein abgebrochenes Marketing-Studium, er sammelte als gebürtiger Iraner Kunst aus seinem Heimatland. "Ich war damals jung und verrückt, da geht man das einfach an", lacht Knotzer beim APA-Interview am Rande der Kunstmesse Art Dubai, an der sie an diesem Wochenende auf einem Stand vertreten ist. Dort zeigt sie unter anderem Arbeiten des deutschen Künstlers André Butzer, des Österreichers Philip Mueller, des Amerikaners Anthony Olubunmi Akinbola oder der aus Abu Dhabi stammenden Sarah Almehairi.

In ihrer Galerie in der Alserkal Avenue ist gerade die Ausstellung "Heavy Eyes" des deutschen Bildhauers und Objektkünstlers Michael Sailstorfer zu sehen. Er ist einer der 14 internationalen Künstler, die Carbon 12 vertritt. In der großen alten Fabrikshalle haben seine Gemälde, die aus Blei und Lidschatten bestehen, viel Platz. Mittendrin stehen und hängen seine Skulpturen - überdimensionale Sonnenbrillen. Ab 7.000 Euro für das kleinste Werk ist man als Käufer mit dabei.

Rund um die Kunstszene der Alserkal Avenue, der mittlerweile mehr als ein Dutzend Galerien angehören, haben sich auch andere Betriebe angesiedelt. Neben der Oldtimer-Werkstatt finden sich etwa auch eine kleine Schuhfabrik, ein Coworking Space oder kleine Cafés. Besucher kommen hier mit ihren Autos, die sie nicht unbedingt am Eingang stehen lassen, sondern zwischen den Hallen umherkurven. Dennoch ist es eine hippe Gegend, die einen starken Kontrast zu dem geschäftigen Leben zwischen den Wolkenkratzern von Dubai bildet. Auch das luxuriöse Setting der Art Dubai sucht man hier, wo shabby schick ist, vergebens.

Als Kourosh Nouri und Nadine Knotzer hierhergekommen sind, gab es lediglich zwei Galerien, die jedoch nur orientalische Kunst im Portfolio hatten. "Wir haben uns drübergetraut und waren die erste Galerie in der Region, die internationale Kunst gezeigt hat." Da Knotzer in Wien zahlreiche Kontakte in die Kunstszene gesammelt hatte, begann man damit, junge Künstler wie Bernhard Buhmann oder Philip Mueller aufzubauen. "Wir wollten eine Plattform schaffen, auf der Pässe keine Rolle spielen. In Dubai leben Menschen aus über 200 verschiedenen Nationen, also warum sollten wir uns auf Herkünfte konzentrieren?", beschreibt Knotzer ihren Ansatz.

Aufgebaut habe man auch eine neue Generation junger Sammler. "Das erfordert viel Zeit und Leidenschaft, aber nach mehr als zehn Jahren trägt unsere Arbeit nun Früchte - sowohl für die Künstler als auch für unsere Sammler", freut sich Knotzer, deren Team mittlerweile sechs Personen umfasst und international auf Messen aktiv ist. Große Aufmerksamkeit verschaffte sich Carbon 12 zuletzt mit der von Marianne Dobner kuratierten Schau "Staying with the Trouble" in der Galerie in der Alserkal Avenue.

Einen zweiten Standort in Österreich aufzubauen, plant das Paar derzeit nicht, auch wenn es Knotzer eines Tages nicht ausschließen will. Als Quereinsteiger habe man sich in Dubai eine gute Basis aufgebaut. "In Wien wird man immer so schnell beurteilt. Hier konnten wir unsere Fehler einfach machen", lacht Knotzer. "Und wenn ich zurückschaue, waren das keine sehr großen ..."

(S E R V I C E - https://www.carbon12.art/)

Quelle: Agenturen