Fotoschau "Unter Wasser" lädt zum Abtauchen im Westlicht
Westlicht-Chef Peter Coeln sprach am Donnerstag bei einer Presseführung von einem "Herzensprojekt" - nicht nur, weil er selbst fische, sondern weil Wasser schlicht überlebensnotwendig sei. Natürlich könne man angesichts des beengten Raums nicht alle Aspekte des Themas beleuchten, aber 120 Arbeiten von rund 20 Bildautorinnen und Bildautoren haben es dann doch in die präsentierte Auswahl geschafft.
"Die Fotografie war bei der Erschließung des Meeres eigentlich von Anfang an dabei", sagte Kurator Fabian Knierim. Den Beginn der modernen Unterwasseraufnahmen verortet er in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Das österreichische Taucher- und Naturforscherpaar Hans (1919-2013) und Lotte Hass (1928-2015) spielten dabei eine prägende Rolle. Ihnen ist eine ganze Ausstellungswand gewidmet. Die beiden entwickelten kleine Kameras mit wasserdichten Gehäusen, benutzten spezielle Sauerstoffflaschen und Flossen zur besseren Fortbewegung und lieferten Fotos und Filme, die die Massen begeisterten.
Von Hass schon als Kind fasziniert war der Bildhauer Manfred Wakolbinger, der den Entdeckergeist des Pioniers gewissermaßen weiterträgt. Der Oberösterreicher beschäftigt sich seit den 90ern mit der Unterwasserfotografie und betreibt das sogenannte Blackwater-Diving, bei dem man sich nächtens ins offene Meer hinablässt. Von derlei Tauchgängen hat Wakolbinger in den vergangenen beiden Jahren Fotos von angeblitzten, wenige Zentimeter großen Lebewesen mitgebracht, die aus einer Tiefe von 800 Metern Richtung Wasseroberfläche aufsteigen, um dort Plankton zu fressen. "Mich interessiert das Fremde, das Unbekannte dabei", erklärte der anwesende Künstler. Die Serie mit den stark vergrößerten Tierchen nennt er "Blackwater Galaxies", erinnern die weiß und bunt schimmernden Geschöpfe doch tatsächlich an Aufnahmen weit entfernter Sternensysteme.
Tauchen als weibliche Domäne
Während Lotte Hass als tauchende Frau im Österreich der 1950er-Jahre als Sensation bestaunt wurde, ist das Abgleiten in die Meerestiefe sowohl an der japanischen Pazifikküste in der Region Shima als auch auf der südkoreanischen Insel Jeju seit Jahrhunderten eine weibliche Domäne. Frauen holen dort Meeresfrüchte aus dem Wasser, wovon die ab den 60ern entstandenen Schwarz-Weiß-Fotos des Japaners Kusukazu Uraguchi (1922-1988) bzw. des Südkoreaners Hyung S. Kim zeugen. Seine farbigen Bilder aus den 2010er-Jahren mit zerfurchten Gesichtern in Neoprenanzügen verweisen auch darauf, dass diese Tradition durch den gesellschaftlichen Wandel und die veränderten Ökosysteme im Verschwinden ist: Alle Porträtierten sind über 60 Jahre alt.
Einen ganz eigenwilligen Ansatz verfolgt der 1998 in Innsbruck geborene, nigerianisch-österreichische Künstler David Uzochukwu. In seiner Serie "Mare Monstrum - Drown in My Magic" (in Anlehnung an "Mare Nostrum" als Bezeichnung für das Mittelmeer und mit Verweis auf die Hunderten ertrunkenen Flüchtlinge) inszeniert er schwarze Menschen als mythische Hybride, als Meermenschen mit Flosse am Rücken oder als Koralle mit menschlichem Antlitz. Das Wasser sei dadurch nicht das alles verschlingende Monster, sondern ein "Ort von Transformation, Befreiung und Resilienz", wird im Wandtext erklärt.
Fußbälle als Bild der Bedrohung
"Unter Wasser" lenkt schließlich auch den Blick auf drängende Ökoprobleme und die damit verbundene Bedrohung des "fragilen Guts" (Knierim). Die Britin Mandy Baker hat für ihre Serie "Penalty" etwa an Stränden gefundene Fußbälle vor schwarzem Hintergrund zu einer ästhetisch ansprechenden Collage arrangiert, sodass die Ansammlung von Müll wie ein Schwarm farbenprächtiger Meerestiere aussieht. Thomas P. Peschak zeigt wiederum Berge von Haiflossen. Der vermeintlich blutrünstige Jäger - auch ein Filmplakat von Spielbergs "Jaws" ist in der Ausstellung vertreten - wird so zum Gejagten.
Apropos Weißer Hai: Galerie-Leiter Coeln stellte bei der Presseführung noch eine Premiere in Aussicht. Ab kommenden Donnerstag soll das Westlicht einmal pro Woche zum Afterwork-Treff mit Cocktails und Open End werden. Zentraler Ort des Geschehens: eine "Hai-Bar".
(S E R V I C E - "Unter Wasser" im Westlicht, ab Freitag und bis 17. Mai. www.westlicht.com/ )
Zusammenfassung
- Die Ausstellung "Unter Wasser" im Westlicht zeigt ab Freitag bis 17. Mai rund 120 Werke von etwa 20 Fotograf:innen, die die Faszination und Vielschichtigkeit der Meere beleuchten.
- Ein Schwerpunkt liegt auf der Geschichte der Unterwasserfotografie mit Hans und Lotte Hass sowie aktuellen Ansätzen wie Manfred Wakolbingers "Blackwater Galaxies" und David Uzochukwus Serie zu Migration und Transformation.
- Die Ausstellung thematisiert auch ökologische Herausforderungen wie Meeresmüll und bedrohte Traditionen, etwa durch Mandy Bakers Müllcollagen und Porträts südkoreanischer Taucherinnen über 60 Jahren.
