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Filmkomponist Menken sieht seinen Job als "Katalysator"

21. Sept. 2022 · Lesedauer 4 min

Zwei Jahre musste er coronabedingt darauf warten, doch nun steht einer weiteren Trophäe für ihn nichts mehr im Weg: US-Filmmusikkomponist Alan Menken, bekannt für Disney-Klassiker wie "Aladdin" oder "Die Schöne und das Biest", erhält im Rahmen von "Hollywood in Vienna" den Max-Steiner-Award. Vor den Galashows am 23. und 24. September im Wiener Konzerthaus sprach der achtfache Oscar-Preisträger mit der APA über Meilensteine, Erwartungshaltungen und sein inneres Kind.

APA: Sie haben im Laufe Ihrer Karriere unzählige Auszeichnungen erhalten, haben weltbekannte Songs für Film und die Bühne geschrieben. Was würden Sie als den wichtigsten Moment in Ihrer Laufbahn bezeichnen?

Alan Menken: Die Reaktion des Publikums auf die erste Performance unseres Musicals "Der kleine Horrorladen". Da dachte ich mir: Oh, es funktioniert, ich werde tatsächlich eine Karriere haben. (lacht) Damals habe ich komponiert, habe Jingles geschrieben, das Komponieren war wirklich meine Liebe. Aber diese Verbindung zum Publikum zu entdecken und zu wissen, dass es auf derselben Wellenlänge ist wie ich, das war einfach ein wirklich großer Moment für mich. Es war eine wunderbare Zeit meines Lebens, als die Show so eingeschlagen ist.

APA: Das Publikum zu erreichen ist das eine, auf der anderen Seite müssen Sie als Komponist auch an die Geschichte, an den Film denken. Wie finden Sie da die richtige Balance?

Menken: Die Aufgabe des Filmkomponisten ist es, der Vision des Regisseurs zu dienen. Du bist zwar ein Komponist, wenn es darum geht, musikalische Wege zu finden, um dem Publikum eine emotionale Bindung zu einer Szene oder Figur zu ermöglichen. Aber du machst das als Handswerksmann. Unser Job ist es, ein Katalysator zu sein. Und ich glaube, ich bin ein sehr effektiver Katalysator für die Vision anderer Künstler. Natürlich teile ich diese Vision auch manchmal. Aber Komponisten sollten keinen zu starken Besitzanspruch an die Musik stellen. Du bist vielmehr Teil eines Teams, das auch das Publikum umfasst. Diesem musst du die Gedanken des Regisseurs vermitteln. Letztlich sollte zwischen meinen kreativen Impulsen und dem, was ein Publikum braucht, keine Diskrepanz bestehen. Es sind nicht dieses Musikstück oder jenes musikalische Thema wertvoll, sondern deine Talente als Komponist, dich auf Neues einzustellen. Daher sage ich jungen Kollegen stets: Ihr müsst immer bereit sein, neue Wege zu gehen und euch anzupassen.

APA: Filmmusik hat sich naturgemäß stark verändert in den vergangenen Jahrzehnten. Welche Auswirkungen haben neue Trends auf Ihre Arbeit?

Menken: Es gibt einfach so viele verschiedene Stile. Den größten Einfluss hat wohl die temporäre Filmmusik, die ein Regisseur verwendet und für mich als Orientierung dient. Ich soll dann meine Version davon abliefern, was Spaß macht, aber auch eine Herausforderung ist. Und bei manchen Komponisten ist es schwieriger als bei anderen. Ein Beispiel: Die Motive von Thomas Newman sind wirklich schwer zu duplizieren. Es ist so ein einzigartiges, interessantes, subtiles und wunderschönes Genre für sich selbst. Man versucht seine eigene Interpretation davon zu finden, aber niemand macht das so gut wie Thomas Newman. Und wahrscheinlich raufen sich andere die Haare, wenn sie sich an der Musik von Alan Menken versuchen. (lacht) Tut mir leid, Leute!

APA: Sie haben erzählt, dass für Sie Disney-Filme immer auch eine Flucht von der Realität waren. Brauchen wir das heute vielleicht notwendiger denn je?

Menken: Absolut! Wir kehren durch die Musik oft zu uns selbst zurück, und meist ist das unser inneres Kind, das wir alle in uns haben. Ganz egal, wie alt du bist, dieses Kind ist immer da. Wir brauchen diese Art der Emotion und diesen Ethos in unserer Welt wirklich dringend.

(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)

(ZUR PERSON: Alan Menken wurde am 22. Juli 1949 in New York geboren. Nach einer musikalischen Ausbildung wandte er sich zunächst der Bühnen zu und arbeitete bei mehreren Musicalproduktionen mit. Der Durchbruch gelang ihm und seinem langjährigen, bereits verstorbenen Partner Howard Ashman schließlich mit "Der kleine Horrorladen" 1982. In der Folge wurde das Duo für den Disney-Film "Arielle, die Meerjungfrau" engagiert, für den Menken seine ersten beiden Oscars erhielt. Sechs weitere Auszeichnungen für "Die Schöne und das Biest", "Aladdin" und "Pocahontas" sollten folgen. Darüber hinaus wurde Menken im Lauf seiner Karriere mehrfach mit Golden Globes und Grammys sowie einem Tony ausgezeichnet. Seine Musicaladaption von "Der Glöckner von Notre Dame" feiert am 8. Oktober im Wiener Ronacher Premiere.)

(S E R V I C E - www.hollywoodinvienna.com/de; www.alanmenken.com)

Quelle: Agenturen