El Conde de Torrefiel zeigen Bilderrätsel bei den Festwochen

19. Mai 2022 · Lesedauer 3 min

Alles beginnt und endet mit einer im Naturhistorischen Museum ausgestellten Replik einer prähistorischen Höhlenmalerei. Dass diese verdammt nach einem modernen Schüttbild aussieht und am Ende von "Una imagen interior" von den Mitspielern mit Spritzern aus Farbflaschen selbst hergestellt wird, ist Teil der Verwirrtaktik, mit der das spanische Theaterkollektiv El Conde de Torrefiel arbeitet. Die Uraufführung seines neuen Stücks in der Museumsquartier-Halle G ließ ratlos zurück.

Plots und Dialoge sind nicht ihre Sache. Lieber befassen sich Tanya Beyeler und Pablo Gisbert, die Masterminds der 2010 gegründeten Truppe, die schon mehrfach in Österreich gastierte, mit grundlegenden Fragen des Menschseins und der Wahrnehmung. Ausgehend von der Museums-Situation mit ausgestellter Höhlenmalerei werden diesmal 90 Minuten lang Bilderrätsel aufgegeben, Szenen vor einem Plastikvorhang dargestellt, die offenbar mal im Supermarkt, mal in einer Disco, mal in einer Höhle spielen könnten. Einmal bewegen sich seltsame hellbraune Objekte ferngesteuert über die Bühne, wie Lebewesen aus einer anderen Zeit. Begegnen wir hier unserer Vergangenheit oder unserer Zukunft?

Die Darsteller - darunter einige lokale Laien - bewegen lautlos die Lippen, der Text ist auf einem immer wieder heruntergelassenen Display zu lesen. Er handelt vom Zusammenhang von Träumen und Erfindungen und von der Sinnlosigkeit aller Theoriegebäude, "wenn die Bombe fällt". Irritationen sind immer wieder in Form von Licht- und Toneffekten eingebaut. War da eine Bombenexplosion zu hören? MG-Feuer? Erdbebengrollen? Um sich jedoch damit "Ein Bild aus dem Inneren" machen zu können, sind die Zeichen, mit denen hier gearbeitet wird, zu hermetisch.

Ganz ähnlich wie schon bei der Festwochen-Produktion "Friede auf Erden" im Jugendstiltheater am Steinhof hat man den Eindruck, den Riten einer geheimnisvollen Religion beizuwohnen, deren tieferer Zusammenhang sich einem nicht erschließt. Und, um ehrlich zu sein: Sie schließen einen eher aus, als dass sie neugierig machen würden.

Wer aber doch mitspielen will, bekommt ab 3. Juni Gelegenheit dazu: Da startet ein viertägiger Workshop, der am 6. Juni in eine 50-minütige Performance münden soll. Unter dem Titel "Cosmic Movements" sollen zwölf Teilnehmer eine "Recherche zu Massenszenen an der Schnittstelle der Gegenwart zu einer unbekannten Zukunft" unternehmen. Verheißen werden "performative Aktionen, die Spaß machen sollen". Und danach zeigen El Conde de Torrefiel, die heuer Visiting Artists der Festwochen sind, auf einer noch zu findenden Wiese "Ultrafiktion Nr. 1 / Fracciones de Tiempo". Dabei werden die Besucher mit Texten, Tönen und einem in der Natur stehenden Screen konfrontiert. Die Rätselrallye geht also weiter.

(S E R V I C E - El Conde de Torrefiel: "Una imagen interior", Halle G im Museumsquartier, Nächste Vorstellungen: 19.-21.5., 20.30 Uhr, "Ultrafiktion Nr. 1 / Fracciones de Tiempo", 9.-12.6., 21 Uhr, Ort steht noch nicht fest. www.festwochen.at; http://www.elcondedetorrefiel.com/)

Quelle: Agenturen