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Ein bodenloses "Ballhaus" am Salzburger Landestheater

08. Feb. 2026 · Lesedauer 3 min

Anlässlich seines 400-jährigen Jubiläums hat das Salzburger Landestheater das Stück "Ballhaus - ein Sommernachtstraum" in Auftrag gegeben und damit kräftig daneben gegriffen. Das von John von Düffel geschriebene Auftragswerk, das William Shakespeares "Sommernachtstraum" mit einer historischen Rahmenhandlung rund um das Salzburger Ballhaus verbinden soll, blieb bei der Premiere am Samstagabend ein Effektgewitter ohne Aussage.

Die Idee: Am Markatplatz, wo 1625 schon Theater, Tanz und Sport im so genannten Ballhaus aufeinandertrafen, sollten die Disziplinen sich erneut begegnen. Die Geschichte: Die reale Figur des Architekten Santino Solari, der in Salzburg unter anderem Schloss Hellbrunn plante, steht nach einem Nervenzusammenbruch erstmals im fertiggestellten Ballhaus und soll übernachten. Nach Einbruch der Dunkelheit entsteht dort plötzlich die Handlung des "Sommernachtstraums" und allerlei skurrile Charaktere und Wesen betreten die Bühne.

Was als poetischer Brückenschlag angekündigt war, verfiel jedoch in szenischer Beliebigkeit. Der Shakespeare-Plot war zwar erkennbar, doch diente er lediglich als Zitatfundus und nicht als dramaturgischer Motor. Die Regie von Carl Philip von Maldeghem und der Text setzten konsequent auf platten Witz und schnelle Effekte. Die beeindruckenden Choreografien der Tänzer (Reginaldo Oliveira) wirkten meist wie gezwungen zwischen die Dialoge geschoben, damit eben diese Disziplin auch noch ihren Platz im Stück findet.

Was als Fest des Spiels angekündigt war, wirkte wie eine lose Abfolge von Nummern, und das Schauspielensemble tat, was unter diesen Voraussetzungen möglich war. Mit professioneller Routine wurden zotige Pointen ausgespielt und einem nicht vorhandenen Tempo hinterhergejagt, stets auf der Suche nach dem schnellen Applaus, den das Publikum auch fleißig spendete. Tiefergehende Reibungen der Charaktere, ein gedanklicher Mehrwert oder gar eine kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Theatergeschichte blieb aus.

Ambitionslosigkeit statt Jubiläumsfeier

Gerade als Jubiläumsstück ist "Ballhaus" erschreckend ambitionslos. Weder wurde das Ballhaus als historischer Ort ernsthaft behandelt, noch entstand aus der Verbindung von damals und heute ein neuer Blick aufs Theater. Dass Shakespeare und John von Düffel hier offiziell als Autoren eines Brückenschlags auftreten, wirkte wie Etikettenschwindel. So blieb am Ende des Jubiläumsfestes weniger eine ehrenwerte Erinnerung an 400 Jahre Theatergeschichte als ein Moment, in dem sich das Haus nicht nur unterschätzt, sondern selbst unter Wert verkauft hat.

(Von Larissa Schütz/APA)

(S E R V I C E - "Ballhaus - ein Sommernachtstraum" von John von Düffel / William Shakespeare. Inszenierung: Carl Philip von Maldeghem, Choreografie: Reginaldo Oliveira, Kate Watson, Bühne und Kostüm: Thomas Mika. Mit Santino Solari - Gregor Schulz, Egeus - Maximilian Schmiedl, Hermia - Sophie Borchardt, Lysander - Aaron Röll, Demetria - Naomi Kneip, Der schöne Heleno - Maximilian Paier, Squenz - Georg Clementi, Zettel - Christoph Wieschke, Schnautz - Matthias Hermann, Puck - Nikola Jaritz-Rudle, Trainerin - Larissa Enzi, Titania - Valbona Bushkola, Oberon - Ben van Beelen. Weitere Aufführungen am 13., 15. und 27. Februar, am 4., 5. und 31. März, am 15., 22., 24. und 28. April, am 27. und 28. Mai sowie am 6. und 9. Juni. www.salzburger-landestheater.at )

Zusammenfassung
  • Das Salzburger Landestheater feierte am Samstagabend sein 400-jähriges Jubiläum mit der Premiere des Auftragswerks "Ballhaus - ein Sommernachtstraum" von John von Düffel.
  • Die Inszenierung, die Shakespeares "Sommernachtstraum" mit der Geschichte des historischen Ballhauses aus dem Jahr 1625 verknüpfen wollte, wurde als effektgeladenes, aber inhaltsleeres Spektakel kritisiert.
  • Weitere Aufführungen sind an insgesamt 13 Terminen zwischen Februar und Juni 2026 geplant.