Doppelter Grund zum Feiern: Das Jubiläumsjahr von exilarte
Mehr als 40 Nachlässe von Tonsetzern verwaltet man mittlerweile, veröffentlicht Publikationen dazu, Einspielungen und organisiert Konzerte und Symposien. Notenmaterial wird neu editiert, wissenschaftliche Netzwerke geschmiedet. Flankiert wird diese Arbeit von den Ausstellungen im exilarte-Zentrum, deren Proponenten etwa Erich Zeisl, Fritz Kreisler oder Marta Eggerth und Jan Kiepura waren.
Am Beginn stand ein Gedenkkonzert an die 1944 im KZ ermordete Alma Rosé im Jahr 2006, aus dem heraus unter Gerold Gruber und Michael Haas die Initiative als Verein wuchs. Es wurde die exil.arte-Buchreihe bei Böhlau gegründet, die Forschungsarbeit aufgenommen. 2016 erfolgte dann unter der damals neuen Rektorin Ulrike Sych die Integration in die mdw, verbunden mit der Einrichtung von Archiv, Forschungsabteilung und den Ausstellungsbereichen.
"Es ist fast eine Selbstverständlichkeit, dass man die österreichische Geschichte aufarbeiten, hin- und nicht wegschauen muss", begründete Sych am Dienstag den Schritt. Das Motto sei immer gewesen: "Das darf nicht wieder passieren. Und wenn man sich die aktuelle Weltlage anschaut, kann es einen nur gruseln."
Die Herausforderungen seien dabei nicht nur institutioneller Natur. "Es gibt gerade in Amerika oftmals die Sicht: 'Der Großvater würde sich im Grabe umdrehen, wenn er wüsste, dass die Bestände ausgerechnet nach Wien kommen.'", skizzierte Haas die Probleme der alltäglichen Arbeit. Aber auch diese Umstände änderten sich langsam. Zugleich zeige man sich als Zentrum möglichst offen gegenüber Genres und Personen: "Wir dürfen keinen Komponisten bewerten - denn diese Bewertungen ändern sich immer wieder."
Feierlichkeiten im Doppeljubiläumsjahr
Herausforderungen hin oder her - das Doppeljubiläum wird gebührend gewürdigt. Im Jahresprogramm finden sich zahlreiche Konzerte im Musikverein oder dem Radiokulturhaus mit Thomas Hampson, auch ein Musiksalon zu Ehren von Erich Wolfgang Korngold in der ÖNB. "Wir müssen die Musik hören, wir müssen diese Menschen erleben", unterstrich Hampson die Bedeutung der Aufführung von Werken der Verfemten.
Am 23. September wird dann das offizielle Festkonzert mit den Wiener Symphonikern im Konzerthaus gefeiert, wobei Werke von Wilhelm Grosz oder Hans Winterberg erklingen werden. Und nicht zuletzt plant man eine große Jubiläumsausstellung, die ab 15. April einen Fokus auf die Nachlässe legen soll.
(S E R V I C E - https://exilarte.at/)
Zusammenfassung
- Exilarte feiert 2024 ein Doppeljubiläum: 20 Jahre Aufarbeitung der Geschichte NS-verfolgter Komponist:innen und 10 Jahre eigenes Museum im Wiener exilarte-Zentrum.
- Mittlerweile verwaltet die Institution über 40 Nachlässe, gibt Publikationen heraus, organisiert Konzerte sowie Symposien und baut wissenschaftliche Netzwerke auf.
- Das Jubiläumsjahr wird mit zahlreichen Konzerten, einem Festkonzert am 23. September mit den Wiener Symphonikern und einer großen Ausstellung ab 15. April gefeiert.
