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Der Tabu-Arbeiter: Künstler Cornelius Kolig ist tot

07. Nov. 2022 · Lesedauer 4 min

Der Kärntner Künstler Cornelius Kolig ist nach übereinstimmenden Medienberichten in der Nacht auf Montag im Alter von 80 Jahren verstorben. Das Reiben an gesellschaftlichen Tabus und die Arbeit damit waren für Kolig lange Zeit künstlerischer Alltag. Damit stand der sanftmütige, vielseitige und unbeirrbare Künstler immer wieder im Zentrum vehementer Debatten. "Wir werden ihn im Kreise der Familie im Paradies beisetzen", bestätigte seine Ehefrau Doris nun der "Kleinen Zeitung".

Als "Paradies" bezeichnete der am 7. September 1942 geborene Kolig seinen 6.000 Quadratmeter großen Gebäudekomplex im Gailtaler Vorderberg, in dem er bis zuletzt wirkte. So hat sich der Enkel des spätexpressionistischen Malers Anton Kolig (1886-1950) nie von seinem künstlerischen Weg abbringen lassen. Weder von Anfeindungen in Boulevardpresse und Politik, die Kolig als "Fäkalkünstler" diffamierten, noch von den Naturgewalten, die 2003 bei einem Unwetter samt Schlammlawine sein "Paradies" beinahe zerstörten.

Die Abfolge von Hallen und Höfen, Türmen und Nischen diente als Begegnungsort von üppiger Natur mit eigenwilliger Architektur und markanten Objekten und Installationen. Die Gebäude heißen Pantheon, Sixtina und Dolina, Kuhstall und Saustall, rechte und linke Niere und - als jüngster Zubau - Konzerthaus. Ein Gesamtkunstwerk, das für Kolig Archiv, Lebens- und Ausstellungsort war. Und nun auch letzte Ruhestätte.

Sein Handwerk lernte Kolig aber nicht in Kärnten, sondern in Wien, konkret bei Josef Dobrowsky und Max Weiler an der Akademie der bildenden Künste. Nach anfänglichen Experimenten mit Kunststoffen und Röntgenbildern dreht sich bald der Kolig-Kosmos um die Themen Sexualität, Tod und menschliche Ausscheidungen. Kotabgüsse und Urinbilder finden sich im Œuvre ebenso wie Kopulationsvorrichtungen und eine Kohorte an Penissen, Brüsten und Vulven.

Kritikern entgegnete Kolig dabei meist mit ruhigen Sätzen wie: "Wenn das, was mit dem Unterleib zu tun hat, in den Kunstraum erhoben wird, entsteht ein Konflikt." Oder: "Alle Menschen haben mit diesen Dingen zu tun. Aber in dem Moment, wo es öffentlich wird, erhält es Sprengkraft."

Die heftigste Auseinandersetzung mit der Politik hatte Kolig ab 1998, als er vom Land Kärnten den Auftrag erhielt, den Kolig-Saal im Kärntner Landhaus neu zu gestalten. Dort hatten die Nazis nach ihrer Machtübernahme die Fresken seines Großvaters abgeschlagen. Der Enkel nahm die alten Fresken, von denen es Fotos gibt, als Vorlage und schuf daraus eigene Bilder, die er durch Installationen ergänzte. "Kronen Zeitung" und Jörg Haiders FPÖ wüteten gegen den Künstler. Der damalige Landeshauptmann Christof Zernatto (ÖVP) hielt an Kolig und dem Projekt fest.

2006 wurde Kolig dann sogar vom freiheitlichen Kulturreferenten für den Kulturpreis des Landes Kärnten vorgeschlagen. Er nahm den Preis an - konstruierte aber einen Greifzangenapparat, mit dem er zur Preisverleihung erschien, um die Ehrung nicht aus Haiders Hand entgegennehmen zu müssen.

Mit Ausstellungen im Essl Museum in Klosterneuburg 2009 und im 21er Haus in Wien 2016 wurde der Künstler, der 1975 mit Hans Staudacher und Gotthard Muhr Österreich bei der XIII. Biennale von São Paulo vertrat, auch im Museumsbetrieb außerhalb Kärntens gewürdigt. Und doch blieb das Kärntner Gailtal seine ewige, auch künstlerische Heimat.

Nach Bekanntwerden der Todesnachricht zollte Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) dem Verstorbenen ihren Respekt: "Cornelius Koligs Stellung in der österreichischen Kunstgeschichte ist solitär. [...] Er hat sich gegen Unverständnis und Widerstand behauptet und seine tiefe Verbundenheit mit seinem Heimatland stets bekräftigt. [...] Sein Tod reißt eine Lücke in die Welt der Kunst."

Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) zeigte sich in einer Aussendung tief betroffen: "Dieses Land hat einen der bedeutendsten Künstler verloren. Es mag ein Trost sein, dass er durch sein Schaffen weiter sichtbar und erlebbar sein wird, dass Cornelius Kolig damit unvergessen sein wird." Kolig habe auf seine Art die Kunst und Kultur Kärntens geprägt. "Er war Vorbild, er war kritischster Geist, er schuf Platz für kritische Auseinandersetzung, ja, er hat Grenzen überschritten und damit Grenzen aufbrechen lassen und niemals hat er sich von seinem Weg abbringen lassen." Während seines Schaffens habe Kolig aber auch von politischer Seite des Landes Anfeindungen erleben müssen: "Cornelius Kolig hat sich davon nicht beirren lassen, hat sein Schaffen unbeirrt fortgesetzt und hat Kärntens Kunst und Kultur weit über die Grenzen des Landes auf neue Ebenen gehoben."

(S E R V I C E- www.kolig.at)

Quelle: Agenturen