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"Der Loriot des 19. Jahrhunderts": Daumier in der Albertina

05. Feb. 2026 · Lesedauer 2 min

Wer sagt, dass sich die Albertina nur der hehren Kunst und der holden Muße widmen muss? Dass man auch am Albertinaplatz der politischen Satire frönen kann, stellt man mit der neuen Schau "Honoré Daumier" unter Beweis. Man wirft mit den Arbeiten des Karikaturisten ein Licht auf das von sozialen Umbrüchen gezeichnete Frankreich des 19. Jahrhunderts, um nicht zuletzt ein Spiegelbild der heutigen Zeit zu erhalten.

"Es ist eine Ausstellung, die sehr, sehr besonders ist", zeigte sich Generaldirektor Ralph Gleis bei der Präsentation am Donnerstag gewahr der besonderen Umstände. Man ehre einen großen Künstler in seinem politischen Schaffen, indem man 198 Werke aus dem 4.000 Lithografien umfassenden Oeuvre präsentiert.

"Daumier ist eine faszinierende Gestalt", zollte Gleis dem 1879 verstorbenen Künstler seinen Respekt, der als die Zensur bekämpfender Karikaturist für seine Arbeiten ins Gefängnis ging: "Er war nicht in einer Schockstarre, sondern scharfer Kritiker der Vorgänge."

"Er ist so etwas wie der Loriot des 19. Jahrhunderts, der aus einer kleinen Szene etwas ganz Berührend-Menschliches machen kann", zog Gleis Parallelen zum 20. Jahrhundert. Dies mag einer der Gründe sein, weshalb die bis dato letzte Ausstellung in der Albertina zu Daumier überraschend 1936 inmitten des Austrofaschismus stattfand. "Es war ein Akt der Subversion", blickte Kuratorin Laura Ritter zurück.

So nimmt der ausgewiesene Republikaner nicht nur die Monarchie und ihre Proponenten aufs Korn, sondern auch die gesättigte Bourgeoisie und ihre Usancen. Und doch reicht Daumiers Werk über die Ideologie hinaus. "Er interessiert sich auch immer für den Menschen", verwies Ritter auf die Charakteristik der gezeigten Bilder.

Auch der Maler im Fokus

Abseits der tagespolitischen Kommentare und der evidenten Satire, die ob der Unkenntnis der karikierten Personen für heutige Betrachtende oftmals kryptisch bleiben, präsentiert man in der weitgehend chronologisch gereihten Schau den 1808 in Marseille geborenen Daumier aber auch als Maler. "Wir wollten den Künstler in all seinen Facetten darstellen", so Gleis.

(S E R V I C E - "Honoré Daumier - Spiegel der Gesellschaft" in der Albertina, Albertinaplatz 1, 1010 Wien von 6. Februar bis 25. Mai. www.albertina.at)

Zusammenfassung
  • Die Albertina zeigt ab 6. Februar 198 Werke des französischen Karikaturisten Honoré Daumier, dessen Gesamtwerk rund 4.000 Lithografien umfasst.
  • Daumier gilt als scharfer Kritiker gesellschaftlicher und politischer Umbrüche im Frankreich des 19. Jahrhunderts und wurde für seine satirischen Arbeiten sogar inhaftiert.
  • Die Ausstellung präsentiert Daumier nicht nur als politischen Karikaturisten, sondern auch als Maler und zeichnet Parallelen zur Gegenwart.