APA - Austria Presse Agentur

Der "König des Rap": Kool Savas gibt in Buch tiefe Einblicke

01. Sept 2021 · Lesedauer 5 min

"King of Rap - Die 24 Gesetze" hat der Rapper Kool Savas sein Buch überschrieben. Dass der gebürtige Aachener einer der Pioniere des deutschen Hip-Hop ist: Fakt. Auch dass ihn viele, die sich auskennen, für den besten deutschen Rapper überhaupt halten: ohne Frage. Doch wer nach dem Titel und diesen Lorbeeren - ganz den Klischees über Hip-Hop-Künstler entsprechend - protzige Abhandlungen und Abrechnungen mit der Szene erwartet, wird eines Besseren belehrt.

Kool Savas ist einer der erfolgreichsten Rap-Musiker Deutschlands. Mit bürgerlichem Namen heißt er Savaş Yurderi. Sein Buch zeigt einen sensiblen und sorgfältig abwägenden Menschen, der sich mit sich selbst, seinen Stärken und Schwächen sehr offen auseinandersetzt.

Er habe ein Buch schreiben wollen, das einen Mehrwert für die Leser und Leserinnen biete, auch die Fans, die schon viel über ihn wissen, sagte Kool Savas der dpa im Interview. "Da ist mir aufgefallen, dass mir unheimlich viele Leute auf Insta schreiben und oftmals fast schon Lebenstipps von mir möchten", sagt der 46-Jährige. Er habe zeigen wollen, dass es im Leben nicht darum gehe unfehlbar zu sein, dass ein persönlicher Findungsprozess auch manchmal einer Achterbahnfahrt gleichen könne. "Es hat sich dann irgendwann herauskristallisiert, dass es das Hauptthema ist."

Dabei gibt der Musiker auch tiefe Einblicke in seine Kindheit. In Aachen geboren, als Sohn einer deutschen Mutter und eines türkischen Vaters, geht die Familie zunächst in die Türkei. Dort werden die Eltern nach Savas' Worten überzeugte Sozialisten und politisch verfolgt. Von einem Tag auf den anderen ist sein Vater weg, im Gefängnis. Kool Savas und seine Mutter fliehen zurück nach Deutschland. "Man braucht kein Psychologe zu sein, um zu erkennen, dass viele meiner Erinnerungen mit Angst und Panik verbunden sind", heißt es im Buch. Eindrücklich beschreibt der 46-Jährige, welche Spuren diese Erlebnisse hinterlassen haben.

Seine Eltern hätten ihm mitgegeben, "dass es einem selber nicht gut gehen kann, wenn es dem anderen nicht auch gut geht und dass man sich nicht gut fühlen kann, wenn man jemand anderen runtermacht", sagt er im Interview. Das habe viel zu seiner Harmoniebedürftigkeit beigetragen. "Immer, wenn es sich angefühlt hat wie eine Klassenreise, war ich am glücklichsten."

Savas zeichnet in dem Buch, aufgezeichnet von Juri Sternburg, zudem auch das Bild eines Menschen, der vor allem eines sein will: unabhängig. Der Autoritäten in der Regel misstraut. Wie wichtig ihm diese Sachen sind, habe er teilweise auch erst beim Schreiben des Buches endgültig realisiert. "Wenn man mir die Freiheit und die Möglichkeit nimmt, unabhängig zu sein, für mich zu denken und meine Entscheidungen zu treffen: Das ist für mich eine Katastrophe", sagt Kool Savas.

Mit den Hierarchien des Gang-Lebens etwa kann er im Wrangelkiez im Berlin-Kreuzberg der frühen 1990er-Jahre überhaupt nichts anfangen. Auch mit Fußball oder anderen Sachen hat er wenig am Hut - und wird etwas zum Außenseiter. "Alles, was mich hätte cool dastehen lassen können, war irgendwie nicht ich", sagt er. Das habe auch dazu geführt, dass er den Drang habe, anderen Menschen seine Talente beweisen zu wollen. Es sei für ihn definitiv nicht einfach gewesen, in dieser Hinsicht gegen den Strom zu schwimmen.

So wird Hip-Hop zur Zuflucht. "Ich habe da für mich ein bisschen noch mal eine Familie gefunden", sagt er. Die Szene sei eine eingeschworene Gemeinschaft gewesen und auch rebellisch. "Es war etwas, das ich für mich entdecken konnte." Das habe ihn gereizt. "Hip-Hop ist quasi mein Freund geworden, weil ich zu dem Zeitpunkt nicht so viele enge Freunde hatte", erklärt der Rapper.

Kool Savas wird dann erst in Berlin und später auch im Rest von Deutschland zur Untergrund-Legende. Weil er so ganz anders rappt als die sogenannten Studenten-Rapper, die damals die deutsche Szene bestimmen. Weil er einen anderen Blickwinkel in den Deutschrap bringt. Darüber habe er sich damals aber keine Gedanken gemacht, sagt der Musiker. "Ich habe die Musik gemacht, die ich selber hören wollte von anderen", sagt er. "Dieses Kreieren hat mir damals schon gefallen. Deswegen habe ich auch viel ausprobiert und einfach mein Ding durchgezogen." Später kam der Erfolg: Sechs Nummer-Eins-Alben und mehr als eine Million verkaufte Tonträger.

Immer wieder kommen im Buch auch prominente Wegbegleiter zu Wort, wie Sido oder Schauspieler Frederick Lau. Spannend sind dabei vor allem die Schilderungen von zwei Männern, die auf der gleichen Schule wie Savas waren: Spitzenkoch Tim Raue und Schauspieler Kida Khodr Ramadan. "Savas war damals schon der Rap-King auf dem Schulhof", erzählt etwa Ramadan. Zusätzlich nutzt Kool Savas ein Kapitel, um sich von seinem ehemaligen Freund Xavier Naidoo und vor allem von dessen in den letzten Jahren getätigten Aussagen über Flüchtlinge zu distanzieren.

Auch seinen Erfahrungen im Musikgeschäft und der Hip-Hop-Szene widmet Kool Savas mehrere Kapitel, die an einigen Stellen ins Phrasenhafte gehen. "King of Rap" ist immer dann am besten, wenn der Rapper uneitel über seine Entwicklung als Mensch sinniert.

Quelle: Agenturen