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De Benedetti: König der Twitter-Lügner

02. Juni 2020 · Lesedauer 2 min

Der Italiener Tommaso De Benedetti hat das Lügen zu seinem Beruf gemacht und lässt via Twitter regelmäßig bekannte Persönlichkeiten sterben.

"Peter Handke ist tot", verkündet am Dienstag die Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer via Twitter. "Placido Domingo ist tot", erklärt Ende Mai Staatsopern-Chef Bogdan Roščić ebenfalls via Twitter. Was beide Tweets vereint? Es stimmt nichts daran. Weder sind die Persönlichkeiten gestorben, noch sind die Accounts echt. Dahinter steckt Tommaso De Benedetti. Ein 51-jähriger Italiener, der gerne falsche Profile anlegt und mit diesen dann Todesmeldungen verkündet. In seiner "Karriere" hat er auch schon den Papst, Fidel Castro (als er noch am Leben war) und JK Rowling sterben lassen und schafft es hin und wieder damit in den Medien zu landen. Zuletzt in Österreich bei Domingo und der Gratiszeitung Heute.  

"Twitter funktioniert gut bei Todesfällen", sagte er bereits 2012 gegenüber dem britischen Guardian. Denn "soziale Medien sind die am wenigsten verifizierbare Informationsquelle der Welt, aber die Nachrichtenmedien glauben sie wegen ihres Bedürfnisses nach Schnelligkeit", ergänzt er.

Versuchte er anfänglich vor allem die italienischen Medien vorzuführen, macht er es mittlerweile weit über die Grenzen hinaus. Sein erstes Opfer, für das er sich auf Twitter ausgab, war der schwedische Krimiautor Henning Mankell.

Falsche Interviews

Anfänglich versuchte sich De Benedetti als Journalist, hatte aber keinen Erfolg. Dann fing er an, sich Interviews auszudenken. Darunter bekannte Persönlichkeiten wie der Dalai Lama, Michail Gorbatschow, Philip Roth oder Noam Chomsky. Aufgefallen ist dies viele Jahre nicht. Angeblich, weil er für kleine Lokalzeitungen und auf Italienisch schrieb. Erst 2010 flog er auf. De Benedetti verkaufte das daraufhin als soziales Experiment und als Form des Aktivismus gegen inkompetente Medien.

Der El Pais sagte er 2010: "Ich bin gerne italienischer Meister der Lüge". Der "Meister der Lüge" wird wohl damit weitermachen, immerhin bekommt er auch Lob von so mancher Seite. Der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa bezeichnete ihn 2015 als "Held unserer Zeit".

Quelle: Redaktion / moe