APA/APA/HARALD SCHNEIDER/HARALD SCHNEIDER

"Das Signal": Neuer Psychothriller von Ursula Poznanski

02. Feb. 2026 · Lesedauer 3 min

Es gibt Bücher, die haben eine simple Grundidee, ein einfaches Erzählmuster und ein vorhersehbares Ende - und können dennoch kaum aus der Hand gelegt werden. Der Psychothriller "Das Signal" von Ursula Poznanski ist so ein Buch. Die österreichische Bestsellerautorin hält die Leser über 400 Seiten in Atem. Im Zentrum steht eine junge Innenarchitektin, der ein fast abgequetschtes Bein amputiert werden musste. Sie hat den Verdacht, dass dahinter mehr steckt als ein Unfall.

Viola Decker stellt bereits auf Seite 1 des Page-Turners fest, dass ihr etwas fehlt - der linke Fuß und Unterschenkel nämlich. Warum sie im Spital gelandet ist, daran kann sie sich kaum erinnern. Sie erfährt: Im alten Weinkeller neben ihrem neuen Haus hat sie ein von der Decke krachender Felsblock beinahe erschlagen. Was sie dort gesucht hat, ist ihr unklar. Ziemlich deutlich sieht sie jedoch das Szenario vor sich, dass sich nun entwickeln dürfte: Ihr Mann Adam, ein attraktiver und gerne in der Öffentlichkeit stehender Meinungsforscher mit großer weiblicher Fangemeinde, wird sich, nachdem die Vorzeigefrau an seiner Seite nun sichtbar beschädigt ist, bald nach neuer Begleitung umsehen.

Dass Viola sofort überaus misstrauisch ist gegenüber ihrem Gatten, mit dem sie doch bisher glücklich verheiratet war, ist eine Schwachstelle des Buches, bringt aber die Handlung sogleich in Schwung. Kaum entlassen in häusliche Pflege - die eine von ihrem Mann engagierte, wenig empathische, aber top professionelle Pflegerin übernimmt -, bestellt sich die Rekonvaleszente im Internet einen Satz winziger Peilsender, die sie geschickt an Schuhen und am Auto Adams anbringt. Fortan kann sie seine Wege bequem von Bett und Rollstuhl aus überwachen und stößt von Anfang an auf Ungereimtheiten: Das Bewegungsprofil ihres angeblich so besorgten und so beschäftigten Mannes stimmt nicht immer mit seinen Erzählungen überein.

"Das Signal" ist freilich kein reines Ehedrama, bei dem körperliche Einschränkung des Einen zur Untreue des Anderen führt. Poznanski, die gekonnt den Plot weiterentwickelt, ständig filmreife Szenen etabliert und sich nur wenig mit der Erkundung psychologischer Graubereiche aufhält, führt zwei enge Freundinnen Violas ein, die nicht nur in der Konfrontation mit der mehr an eine Gefängniswärterin als eine Pflegekraft erinnernde Heimhilfe eine immer größere Rolle spielen.

Bitcoin-Wallets mit vertrackten Zugangscodes

Zudem dämmert Viola immer mehr, dass es ihre eigene Vergangenheit ist, die sie in den Keller zu einer Konfrontation mit beinahe tödlichem Ausgang gelockt hat. Darin spielen Bitcoin-Wallets mit vertrackten Zugangscodes und alte, reiche Männer, die einst dachten, sich mit Geld alles erkaufen zu können, eine große Rolle.

Draußen im Garten schleicht jedenfalls immer wieder eine männliche Gestalt herum, die nichts Gutes im Schilde zu führen scheint. Von so jemand Zwielichtigem wüsste man stets gerne, wo er sich gerade aufhält. Glücklicherweise hat Viola noch ein paar Tracker vorrätig ...

(Von Wolfgang Huber-Lang/APA)

(S E R V I C E - Ursula Poznanski: "Das Signal", Knaur, 400 Seiten, 24,70 Euro)

Zusammenfassung
  • Der neue Psychothriller "Das Signal" von Ursula Poznanski erzählt auf 400 Seiten die Geschichte der Innenarchitektin Viola Decker, die nach einem Unfall ein Bein verliert und zunehmend an ihrem Ehemann Adam zweifelt.
  • Mit Hilfe von im Internet bestellten Peilsendern überwacht Viola aus dem Rollstuhl heraus die Wege ihres Mannes und stößt dabei auf Unstimmigkeiten zwischen seinen Aussagen und seinem tatsächlichen Verhalten.
  • Im Zentrum der Handlung stehen außerdem Bitcoin-Wallets mit schwierigen Zugangscodes, zwielichtige Gestalten im Garten und die Erkenntnis, dass Violas eigene Vergangenheit sie fast das Leben gekostet hätte.