APA/CIVA/Yein Lee

CIVA-Festival bringt Avatare und Cyborgs ins Belvedere 21

18. Feb. 2022 · Lesedauer 3 min

Das einwöchige Wiener Medienkunstfestival CIVA - das Akronym steht für "Contemporary Immersive Virtual Art" - startet am heutigen Freitag in seine zweite Ausgabe und beschäftigt sich gemäß dem Motto "Embodied Structures" mit hybrider Realität in Bezug auf den Körper. Avatare, Cyborgs und körperliche Grenzüberschreitungen im digitalen Raum stehen demnach auch in der Ausstellung im Belvedere 21, die zugleich das heurige Herzstück von CIVA darstellt, im Mittelpunkt.

"Der Körper ist eines der mächtigsten Symbole und zugleich ein Spiegel unserer Gesellschaft", erklärte Festivalleiterin und Kuratorin Eva Fischer bei einem Pressetermin: "An unseren Körpern kann deutlich abgelesen werden, wie sehr wir uns als Personen in der Mitte der Gesellschaft befinden oder uns diese an den Rand drängt. Wer es nicht schafft, seinen Körper in die Norm zu bringen, hat offenbar versagt: zu dick, zu alt, zu gebrechlich, nicht weiß genug." Die Kunst habe sich schon immer gegen Konventionen und enge Grenzen gewandt. "Mit 'Embodied Structures' stellen wir die Frage nach dieser Opposition, die sich gegen toxische und festgefahrene Strukturen wendet", so Fischer.

Im Untergeschoß des Belvedere 21 kreisen sieben internationale Positionen um den Körper als politisches Feld zwischen analoger und digitaler Welt. Es geht um Themen wie Glitch, non-binäre und prothetische Körper, Avatare, Cyborgs und Data Bodys. Die aus Deutschland stammende Künstlerin Rebecca Merlic hat etwa mit "Glitchbodies" eine Art Videospiel geschaffen. In dieser "Visual Novel" kann der Spieler oder die Spielerin zwischen acht Szenen wählen und sie virtuell betreten. Dabei stößt man auf verschiedene Figuren. Diese an reale Vorbilder angelehnten virtuellen Persönlichkeiten - "Meine Mutter ist auch dabei", schmunzelte Merlic im APA-Gespräch - erzählen dann ihre jeweilige Geschichte, wobei es viel um LGBTIQ+ oder Gleichberechtigung geht.

Überhaupt sind Visualisierungen und Screens in der räumlich recht überschaubaren Ausstellung sehr präsent. In "The Subject Changes" von Leonhard Lass und Gregor Ladenhauf alias Depart beispielsweise sieht sich ein Avatar ständigen Veränderungen an sich selbst ausgesetzt. Die Installation wirkt wie ein permanenter Kampf eines fragmentierten Individuums mit seiner digitalen Umwelt. Gegenüber flimmert der Videoessay "#Glitchfeminism" der New Yorker Autorin Legacy Russell über den Bildschirm - eine Art filmisches Kondensat ihrer theoretischen und kunsthistorischen Überlegungen, das am heutigen Eröffnungstag auch im Blickle Kino des Belvedere 21 gezeigt wird.

Der einzige rein analoge Beitrag kommt von der gebürtigen Südkoreanerin Yein Lee, die mit ihrer Skulpturenserie "Rejuvenate Body Order Now" die Verschmelzung des organischen Körpers mit maschinellen Erweiterungen thematisiert. Irgendwie apokalyptisch wirken ihre transparenten ei-förmigen Plastikmembrane, in denen 3D-gedruckte humanoide Knochen, Schläuche und Kabeln als skelettartige Gebilde heranzureifen scheinen.

Neben der Hauptausstellung im Belvedere 21 ist das CIVA-Festival heuer - nach einer coronabedingt reinen Online-Ausgabe im Vorjahr - auch noch im Volkstheater und im Stadtkino mit einer Reihe von Performances, Installationen, Lectures, Workshops und Filmscreenings zu Gast. Die Spannweite reicht vom Kurzfilmprogramm "I know girls" über ein "inklusives Fitnessstudio" ("Empowering Body") bis zu einer "wissenschaftlich-hexenhandwerklichen Choreografie" - Eigenurinproben inklusive ("Molecular Queering Agency"). Aber auch diverse Online-Veranstaltungen sind für dieses Jahr angekündigt.

(S E R V I C E - Medienkunstfestival CIVA, 18. bis 26. Februar im Volkstheater, Belvedere 21, Stadtkino und online; Detailliertes Programm ab Donnerstag online unter www.civa.at/)

Quelle: Agenturen