APA/APA/ROLAND SCHLAGER/ROLAND SCHLAGER

Slagmuylder verlässt 2023 die Wiener Festwochen

19. Okt. 2022 · Lesedauer 2 min

Die Wiener Festwochen brauchen früher als gedacht einen neuen Intendanten: Christoph Slagmuylder, seit der Ausgabe 2019 für das Festival verantwortlich, verlässt die Festwochen bereits kommendes Jahr.

Der Belgier übernimmt das renommierte Kulturzentrum Bozar in seiner Heimatstadt Brüssel. Eigentlich wäre die aktuelle Ausschreibung für die Festwochen-Intendanz ab der Ausgabe 2025 noch bis Freitag gelaufen. Slagmuylder hatte zuvor angekündigt, sich wieder bewerben zu wollen.

"Ich verlasse die Wiener Festwochen schweren Herzens", vorverabschiedete sich der 55-jährige Slagmuylder, der die Festwochen 2023 noch programmieren wird, in einer Aussendung. Man werde die Ausschreibung nun neu aufsetzen und wiederholen, kündigte Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) an und deutete den verfrühten Abgang des Intendanten als positives Zeichen: "Die Bestellung von Christophe Slagmuylder ans Bozar zeigt, wie die Wiener Festwochen über die Grenzen des Landes hinaus als urbanes zeitgenössisches Festival und kultureller Leuchtturm strahlen."

Lange Karriere

Slagmuylder, der nach der Ausgabe 2018 zunächst als interimistischer Ersatz für Kurzzeitchef Tomas Zierhofer-Kin nach Wien gekommen war und später ab 2020 einen Fünfjahresvertrag als Festwochen-Intendant erhielt, wurde 1967 in Brüssel geboren und studierte in seiner Heimatstadt Kunstgeschichte. Als Lehrender widmete er sich u.a. visueller Theorie, wobei er ab Mitte der 1990er auch im Bereich darstellende Kunst für Kunstschaffende und Kunstzentren in Brüssel tätig war. Zu jener Zeit war er auch Assistent der künstlerischen Leitung am Theatre Les Tanneurs in Brüssel.

Der nächste große Karriereschritt folgte 2002, als er dem Programmteam des Kunstenfestivaldesarts in der belgischen Hauptstadt beitrat. Dort machte er sich als Festivalkurator einen Namen und folgte schließlich 2007 Frie Leysen als Künstlerischer Leiter. Seine Leistungen wurden schließlich auch mit dem Chevalier des Arts et des Lettres der Republik Frankreich belohnt. Für 2020 war er dann für die Leitung des "Theaters der Welt" vorgesehen, doch wurde Slagmuylder von diesem Engagement letztlich entbunden, um dem Ruf aus Wien zu folgen.

"Exkludierende Zeit"

Zu einem Antritt hatte sich Slagmuylder vorgenommen, der aus seiner Sicht vorherrschenden Polarisierung zu begegnen: "Es ist eine sehr exkludierende Zeit, auch was die Kunstformen betrifft. Ich bin gegen diese Idee der Oppositionen. Wir sehen das ja auch in der Politik. Aber wir müssen wieder zu mehr Komplexität finden." Programmatisch schlug sich diese Maxime mit einem starken Fokus auf Tanztheater und Performancekultur nieder, mit dem die Festwochen gleichsam den kurz nach ihnen stattfindenden ImPulsTanz konkurrenzierten.

Quelle: Agenturen